Arbeitswelt

Konjunktur schwächelt: Viele Leiharbeiter verlieren den Job

Hakan Civelek, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Velbert, wurde bereits mehrfach von der ZDF-Sendung Zoom zum Thema Leiharbeit interviewt.

Hakan Civelek, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Velbert, wurde bereits mehrfach von der ZDF-Sendung Zoom zum Thema Leiharbeit interviewt.

Foto: Civelek

Velbert.  IG Metall in Velbert kritisiert schlechte Bedingungen für die Zeitarbeiter. Stundenlohn fällt deutlich niedriger aus als bei Festangestellten.

Ihre Lage ist brisant, besonders jetzt in der Phase, in der die Konjunktur in Deutschland zu schwächeln beginnt. „Dann sind die Leiharbeiter die ersten, die gehen müssen,“ sagt Hakan Civelek, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Velbert. Auch in Velbert wurden bereits Verträge gekündigt, so beispielsweise bei der WKW-Group. Das Unternehmen trennte sich vor kurzem von 100 Zeitarbeitern.

Sofort zum Arbeitsamt geschickt

Eigentlich, so erklärt der IG-Metall-Bevollmächtigte, müssten die Leiharbeitsfirmen mit denen ja der Beschäftigte seinen eigentlichen Vertrag hat, die Zeitarbeiter dann weiter beschäftigen und sie anschließend an eine neue Firma vermitteln. „Aber zu uns kamen jetzt einige, die wurden auch von der Leiharbeitsfirma sofort gekündigt und mussten dann zum Arbeitsamt gegen“, berichtet Civelek. „So minimieren die Leiharbeitgeber ihr Risiko“.

Keine 900 Euro Rente im Monat

Davon ab, kritisiert Civelek, müssen die Leiharbeiter deutlich schlechtere Arbeitsbedingungen als ihre festangestellten Kollegen am gleichen Arbeitsplatz hinnehmen. So verdient in der niedrigsten Gehaltsstufe in tarifgebundenen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie ein Leiharbeiter 9,96 Brutto, der fest angestellte Kollege kommt auf 16 Euro. „Das sind für den Leiharbeiter nicht einmal weit unter 2000 Euro im Monat“, rechnet Civelek vor. Und später, wenn es in Rente geht, erhalte der Leiharbeiter keine 900 Euro pro Monat – nach 40 Jahren Vollzeit Berufstätigkeit.

„Mitbestimmungsrechte müssen erweitert werden“

In den Betrieben haben die geliehenen Arbeitnehmer oft mit schlechteren Bedingungen zu kämpfen, als ihre fest angestellten Kollegen. „Die Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte bei der Leiharbeit müssen daher erweitert werden. Betriebsvereinbarungen zur Regelung der Leiharbeit (u.a. Einsatzzweck, Einsatzbereich, Volumen, Höhe der Vergütung, Höchstdauer des Einsatzes, Übernahmeregeln) müssen erzwingbar sein, kurz um, der Grundsatz ,Gleiches Geld für gleiche Arbeit und Gleichbehandlung von Leiharbeiter und Stammmitarbeiter’ (Equal Pay und Equal Treatment) muss ab dem ersten Tag des Einsatzes für alle Arbeitsbedingungen gelten,“ sagt Civelek.

„Zudem darf Leiharbeit nicht als dauerhaftes Instrument im Einsatzbetrieb legitimiert werden. Die Leiharbeit muss auf die Ursprünge zurückgeführt werden, um Auftragsspitzen im Unternehmen abzubauen. Dementsprechend muss es eine Begrenzung von Leiharbeit im Betrieb geben. Eine maximale Einsatzdauer darf sich außerdem nicht auf den einzelnen Leiharbeitnehmer, sondern muss sich auf den Arbeitsplatz im Einsatzbetrieb beziehen.“, so Civelek weiter.

Tarifverhandlungen laufen

Momentan laufen gerade Tarifverhandlungen für die Leiharbeiter, vor kurzem fand die dritte Runde statt. Unterstützung erhielten die verhandelnden Gewerkschafter durch viele Aktionen in den Betrieben. In den nächsten Tagen sind weitere Aktionen geplant.

Es gab kein neues Angebot bei der Entgelthöhe und auch zu den geforderten einheitlichen Zuschlagsregelungen präsentierten die Arbeitgeber nur die alten Positionen. Lediglich beim Urlaub kam es nach langen Diskussionen zu Bewegung in Richtung der Forderungen der DGB-Tarifgemeinschaft. Hier sollen die Beschäftigten schneller als bisher einen höheren Urlaubsanspruch bekommen. Die nächste Runde ist für den 17. Dezember geplant.

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