Urbane Landwirtschaft

In Neviges entsteht ein Aquaponic-Pilotprojekt

Die Fischteiche am Krüdenscheider Weg dienen als natürlicher Lebensraum für die Forellen und Karpfen. Aquaponic funktioniert aber auch mit Fischtanks.

Foto: Patrick Lempke

Die Fischteiche am Krüdenscheider Weg dienen als natürlicher Lebensraum für die Forellen und Karpfen. Aquaponic funktioniert aber auch mit Fischtanks.

Neviges.   Aquaponic ist ein aktueller Trend, wenn es um regionale und frische Lebensmittel geht. Ein Pilotprojekt soll nun am Krüdenscheider Weg entstehen.

Grillen zirpen, ein paar Schafe blöken in der Gegend herum, der Bach plätschert munter vor sich hin. Ab und zu kringelt sich das Wasser auf den Fischteichen am Krüdenscheider Weg – immer dann, wenn ein Karpfen oder eine Forelle nach Futter schnappt. Doch sonst ist es still, die nächsten Wohnhäuser sind nicht zu sehen, verschwinden hinter den grasbewachsenen Hügeln und Baumgruppen.

Urbane Landwirtschaft

Diese Idylle soll in naher Zukunft Grund und Boden für eine Art Pilotprojekt bieten. Die Fischzucht soll als Grundlage für Gemüseanbau dienen. Aquaponic nennt sich das Verfahren. Dahinter stecken Patrick Lempke und Lukas Bärleken. Lempke ist gelernter Koch, Bärleken arbeitet im Marketing und unterstützt ihn.

Kurz erklärt: Bei der Aquaponic geht es darum, auf engem Raum – etwa in dicht besiedelten Städten – selber Gemüse anzubauen und Fisch zu züchten und zwar so, dass beides voneinander profitiert. „Die Fische werden gefüttert und produzieren Ausscheidungen“, erläutert Lempke. Diese Ausscheidungen fließen durch zwei Filter: einer entnimmt grobe, feste Bestandteile, der andere wandelt Ammoniak in Nitrit um. „Dann fließt das Wasser durch die Gewächsanlagen, die Wurzeln der Pflanzen nehmen das Nitrit auf und reinigen so das Wasser.“ Das wiederum gelangt dann in Trinkwasserqualität zurück in den Fischteich. Ein Kreislaufsystem. „Gegenüber herkömmlichen Verfahren sparen wir bis zu 90 Prozent Wasser. Nur ,Bio’ dürfen wir unsere Produkte nicht nennen“, sagt Lempke. Den in der EU gelte: Bio ist nur, was in Erde wächst.

Halbe Million Euro investieren

Da beide zwar das Verfahren gut finden, aber bislang noch keine Erfahrungen damit gemacht haben, nahmen sie Kontakt zu Experten auf: „Über soziale Netzwerke sind wir an Fachleute aus Tschechien gekommen, die solche Anlagen auf der ganzen Welt bauen.“ Anfang des Jahres reiste Lukas Bärleken nach Prag: „Die haben zwar gesagt, dass wir effizientere Anlagen bauen könnten, aber die haben auch gesagt: Wir bekommen das hin.“

Der Vorteil am Krüdenscheider Weg: Die Fische leben nicht in einem Plastiktank, sondern in natürlicher Umgebung. Zugefüttert werden muss kaum, Pestizide und Antibiotika sind komplett tabu. Rund eine halbe Million Euro wollen die beiden in Neviges investieren. 300 000 Euro kostet das Grundstück, der Rest ist für den Aufbau der Gewächshäuser und Filteranlagen gedacht. „Wir sind jetzt auf der Suche nach Investoren“, sagt Patrick Lempke.

Die beiden haben keine Angst vor Konkurrenz

Und er hat keine Angst vor Konkurrenz, ganz im Gegenteil: „Wir sind offen und transparent, jeder kann hier rein kommen und sich die Anlage anschauen.“ Er wünsche sich, dass möglichst viele dem Beispiel folgen: „Die Gegend hier mit dem Ruhrgebiet und der Rheinschiene sind so dicht besiedelt – selbst wenn hier noch 30 Anlagen stehen würden, hätten wir kein Problem.“

Ist das System erst einmal angelaufen, gibt es regelmäßig Fisch, Obst, Gemüse und Kräuter in Bioqualität. „Ich schätze, dass wir dann einige Hundert Leute versorgen können“, sagt Patrick Lempke. „Aber die Technik wird sich weiterentwickeln.“ In den USA etwa gibt es riesige Anlagen in ehemaligen Fabrikhallen, die tonnenweise Gemüse produzieren – mitten in der Stadt. Auch der heimische Garten bietet sich an: „Schon 30 Quadratmeter reichen“, sagt Lempke, „um eine Familie zu ernähren.“

<<< KONTAKT ZU LEMPKE UND BÄRLEKEN

Wer sich für das Projekt von Patrick Lempke und Lukas Bärleken interessiert, kann über Facebook zu den beiden Kontakt aufnehmen: Einfach nach Patrick Lempke suchen und ihn dann anschreiben.

So können dann auch Besichtigungstermine vereinbart werden. „Wir sind offen für jeden, der wirkliches Interesse an dem Verfahren hat“, bekräftigt Lempke.

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