Naturschutz

Immer mehr Tiere werden von ihren Besitzern entsorgt

Weil sie Herrchen oder Frauchen lästig geworden sind, landen viele Tiere  beim Tierschutz und im Tierheim.

Weil sie Herrchen oder Frauchen lästig geworden sind, landen viele Tiere beim Tierschutz und im Tierheim.

Foto: Jürgen Theobald / FUNKE Foto Services

Velbert.  Beim Velberter Tierschutz werde mehr Hunde und Katzen abgegeben oder gleich ausgesetzt. Tierschützerin Uta Schokolinski ist deshalb sehr erzürnt.

„Es werden mehr Tiere bei uns abgegeben“, sagt Uta Schokolinski vom Tier- und Naturschutzverein Niederberg. Die Velberterin und ihre Kollegen geben ausgesetzten und nicht mehr gewollten Tieren ein neues Zuhause – zumindest solange, bis sich jemand anderes für die Tiere interessiert und sie gegebenenfalls adoptieren möchte.

„Dass mehr Tiere abgegeben werden, hat mit dem Wohlstand zu tun; die Leute schaffen schnell an und schaffen dann auch schnell wieder ab“, sagt Schokolinski.

Viele Käufer haben keine Ahnung von Tierhaltung

Vermehrt sei zu beobachten, dass Tiere gekauft würden, ohne dass die Käufer vorher gut über die teilweise jahrzehntelang notwendige Pflege nachdächten. „Die Leute wissen vorher oft gar nicht, dass das Kaninchen stinkt“, sagt sie und verweist auf das typische Szenario: Das Kind wünscht sich ein Tier, beide Eltern arbeiten, wollen dem Wunsch aber nachkommen. „Und wenn das Tier dann nach einem Jahr wieder abgegeben werden muss, heißt es: ‘Na ja, wir haben es ja wenigstens versucht’.“

Nicht nur in den Sommerferien

Thomas Schröder, Präsident des Tierschutzbundes, hatte vor kurzem berichtet, dass während der bisherigen Sommerferienzeit schätzungsweise bis zu 70.000 Tiere in die deutschen Tierheime gekommen seien. Diesen mutmaßlichen Trend kann Schokolinski nicht bestätigen. „Ja“, sagt sie, „bei uns werden auch vermehrt Tiere abgegeben – aber das hat nichts mit den Sommerferien zu tun“. Die Tierschützerin verweist aber auch darauf, dass es sich bei Velbert um eine kleine, ländliche Stadt handele. „Ich kann mir schon vorstellen, dass das in den Großstädten anders aussieht.“

Genaue Planung vor der Anschaffung

Ähnliches weiß Sabine Timmermann vom Velberter Tierheim zu berichten. „Wir merken schon, dass immer mehr Tiere abgegeben werden“, sagt sie. Das hänge oft damit zusammen, dass die Tiere den Leuten lästig werden würden. „Sie werden älter und krank und werden dann abgegeben.“ Damit weder Mensch noch Tier dieses traurige Schicksal blüht, rät Timmermann immer erst, sich vor der Anschaffung eines Tieres umfassende Gedanken zu machen: Passt das Tier in meinen oder unseren Alltag, gibt es Urlaubsbetreuungen? Bei dieser Planung steht auch das Tierheim mit helfender Hand zur Seite.

Pflegeplätze zum Kennenlernen

Damit Menschen, die an der Anschaffung eines Tieres interessiert sind, sich erst einmal in den Alltag mit einem plüschigen Freund einfinden können, bietet der Tier- und Naturschutzverein Niederberg so genannte Pflegeplätze an. Einige Tage lang kommt das gewünschte Tier in die Familie, die sich in dieser Zeit intensiv mit dem potenziellen neuen Familienmitglied auseinandersetzen kann. „In dieser Zeit können die Leute dann schauen, ob sie dem Tier gerecht werden. Und wenn es dann nicht passt, dann bleibt das Tier eben nicht. Da gibt es keine Verpflichtungen“, erzählt Schokolinski. Damit, wie sie es drastisch ausdrückt, nicht noch ein Tier zum „Wohlstandsmüll“ wird.

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben