Der junge Sozialist begeisterte das Publikum in Velbert

Kerstin Griese hatte Juso-Chef Kevin Kühnert in ihre Talkrunde eingeladen.

Kerstin Griese hatte Juso-Chef Kevin Kühnert in ihre Talkrunde eingeladen.

Foto: Carsten Klein

Velbert  Kerstin Griese hatte Juso-Chef Kevin Kühnert zu ihrer Talkrunde eingeladen. Was der Jungpolitker zu Verstaatlichung und Sozialismus erklärte.

. Sein Name zieht, ohne Frage. Aber der Juso-Vorsitzende hat in den letzten Wochen ja auch für mächtig Schlagzeilen gesorgt. Und so kamen rund 160 Zuhörer zur „Kerstin Griese trifft Kevin Kühnert“ ins Bilo.

Mit seinem Vorstoß, den Besitz von Immobilien in Deutschland zu beschränken und Firmen wie etwa BMW in ein Kollektiv umzuwandeln, hat Juso-Chef Kevin Kühnert eine heftige Sozialismus-Debatte angestoßen. Und so waren viele Velberter, darunter eine Reihe von Sozialdemokraten, neugierig auf den jungen, rebellischen Juso-Chef. Natürlich fragte die Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin Kerstin Griese (SPD) ihren Genossen nach seinem Vorstoß. „Ich fand es schon erstaunlich, dass es so viele überrascht hat, dass ich als Juso-Chef mich als Sozialisten bezeichnet habe“, erklärte er nur kurz dazu.

Juso-Chef hat Sympathie für Reaktivierung der Vermögenssteuer

Aber zur Debatte um die Gerechtigkeit in unserer Gesellschaft hatte der 29-Jährige dem Publikum dann doch noch einiges zu sagen. „Ich habe große Sympathie für die Reaktivierung der Vermögenssteuer“, sagte Kühnert. Als Beispiel führte er die BMW-Erbin Quandt an. Sie verdiene an Dividende in einer halben Stunde soviel wie ein Polizeibeamter in einem Jahr.

Dies sei nicht angemessen. Und es sei auch nicht gerecht, dass große multinationale Konzerne wie Starbucks hier bei uns gute Geld verdienten, aber an ihrem Firmensitz in Irland nur Mini-Steuern zahlten. „Und bei uns bezahlt jeder Eiscafébesitzer den vollen Steuersatz. Wer hier Geschäfte macht, soll hier auch was zurückgeben“, so Kühnert unter großem Applaus des Publikums. Hier müsse es europäische Regelungen geben.

Europa ist für viele zur Selbstverständlichkeit geworden

Europa, das war wenige Tage vor der Europawahl das eigentliche Thema der Talk-Veranstaltung von Kerstin Griese. Die Bundestagsabgeordnete attestierte den Jusos, dass sie in diesem Europawahlkampf sehr aktiv seien. „Wir junge Leute haben uns Jahre lang viel zu sicher gefühlt, was Europa anging. Wir kannten ja nur offene Grenzen und internationales Studieren mit dem Erasmus-Programm“, sagte der Juso-Chef. Nun aber werde es durch Brexit und nationalistische Parteien allüberall in Europa bedroht. „Wenn wir den Hintern jetzt nicht hochbekommen, kann es damit schnell vorbei sein“, begründete Kühnert das Engagement der Jusos für diese Wahl. Zugleich rügte er die Zusammenarbeit von Konservativen mit den Rechtspopulisten à la Österreich. Kühnert: „Die Konservativen spielen mit Europa“. Und der Seitenhieb auf die CDU/CSU war deutlich zu spüren.

Für einen europäischen Mindestlohn

Allerdings haderten viele seiner Altersgenossen in einigen Ländern mit Europa. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von 25-30 Prozent sähen sie keine Perspektive für sich. „In den Cafés meiner Heimatstadt Berlin werde ich oft von jungen Leuten aus Südeuropa bedient, die einen Uni-Abschluss in ihrer Heimat gemacht haben, dort aber keine Arbeit fanden, die zum Leben reichte“, bericht Kühnert. Er forderte einen europäischen Mindestlohn von 12 Euro pro Stunde. Zudem bräuchten die Länder Hilfe beim Aufbau einer Berufsbildungsstruktur.

Griese lobte noch einen Erfolg der Jusos: Sie hätten sich seit Jahren für eine Mindest-Ausbildungsvergütung stark gemacht, die nun realisiert worden sei. Weiter ging es durch soziale Themen wie Grundrente, Entsenderichtlinie, Mindestbesteuerung und Pflegereform. Der Juso-Chef schlug sich gut auf diesen manchmal komplizierten Themenfeldern und kam kompetent und sympathisch rüber. Auch das Publikum war angetan von dem 29-Jährigen; davon zeugten die Zwischenapplause und der donnernde Beifall am Ende. Die Velberter Juso luden dann ihren Chef, der nach eigener Aussage erstmals in Velbert war, zu einem ausgedehnten Kneipenbummel im Anschluss an die Talkrunde ein.

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