Coronavirus

Corona: Senioren im Velberter Heim sehen die Krise gelassen

Einzelbetreuung statt Gruppenspaß: Im Domizil Burgfeld bleiben die Senioren aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung zurzeit auf ihren Zimmern.

Einzelbetreuung statt Gruppenspaß: Im Domizil Burgfeld bleiben die Senioren aus Sorge vor einer möglichen Ansteckung zurzeit auf ihren Zimmern.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Neviges.  Zurzeit dürfen Senioren im Burgfeld Domizil keinen Besuch empfangen. Die Lücke schließt das Betreuer-Team mit vielen guten Ideen.

Keine Besuche von der Familie, kein gemeinsames Mittagessen. Keine lustigen Spielenachmittage und auch die Bastelstunden sind gestrichen. Im Seniorenheim Domizil-Burgfeld in der Emil-Schniewind-Straße herrschen zurzeit strenge Sitten – alles aus Fürsorge für die 57 Bewohner, denn für sie könnte eine Ansteckung mit dem Coronavirus tödlich sein. Die älteren Herrschaften sind hermetisch abgeschirmt, nicht nur von der Außenwelt, auch untereinander. Sie bleiben auf ihren Zimmern, auch zur Essenszeit. Um die Senioren bei Laune zu halten, keine Langeweile oder gar Einsamkeit aufkommen zu lassen, stemmt das engagierte Burgfeld-Team noch mehr Arbeit als bisher. „Ja, wir haben unser gesamtes Gruppenangebot in Einzelbetreuung umgewandelt. Die Mitarbeiter sind jetzt den Zimmern zugeordnet“, sagt Domizil-Geschäftsführerin Katja Donay.

Basteln im eigenen Zimmer

Das heißt, dass sie das gewohnte Programm jetzt in abgespeckter Form jedem einzelnen anbieten. „Wir lesen die Zeitung vor, nehmen uns Zeit für ein Gespräch. Dabei natürlich immer mit Abstand, und jeder Mitarbeiter trägt einen Mundschutz“, erzählt Stefanie Schlimme, bei Domizil verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit. Mal über die Hand streichen, den Arm tätscheln – alles zu gefährlich. Man versucht, das Beste aus der Situation zu machen. Dann werden eben im Zimmer die Ostereier angemalt, das Gedächtnis mit diversen Übungen trainiert, das Kreuzworträtsel gelöst. „Auch die Gymnastik fällt nicht ganz aus, da kann man ja ein paar Übungen machen.“

Bewohner schicken sich Videos

Und wie gehen die alten Herrschaften mit der Situation um? Stefanie Schlimme: „Die nehmen das sehr gelassen hin. Wir hören öfters: Wir haben den Krieg überlebt, das hier haut uns jetzt nicht um.“ Trotzdem vermissten sie natürlich die Gemeinschaft, vermissten ihren Tischnachbarn, die Partie Skat. Damit sie wenigstens wissen, was im Heim so läuft, wie es den anderen geht, setzt die Domizil-Leitung neben ganz viel Fürsorge und Liebe auf moderne Technik. „Wir haben uns Tablets angeschafft. Damit können die Bewohner Videos senden und auch empfangen und sich so auf dem Laufenden halten. Viele sagen damit einfach: Mach dir keine Sorgen, mir geht es gut“, erzählt Stefanie Schlimme. Dabei hätten die Bewohner kaum technische Starthilfe gebraucht. „Da hatten wir gar nicht viel zu tun. Viele hier haben ein Smartphone und kennen sich technisch ganz gut aus.“ Und natürlich sehen sich die Bewohner auch noch, sie sind ja nicht auf der Isolierstation. Bei gutem Wetter geht es raus auf die Sonnenterrasse oder in kleinen Gruppen in den Wald, natürlich auch hier immer mit großem Abstand.

Der Abstand schmerzt auch die Tochter

Dass sie ihre Mutter nicht mal eben in den Arm nehmen darf, schmerzt auch Gabriele Pohley. Da ihre 93-jährige Mutter Rudith Reeder im Domizil-Burgfeld eine kleine Wohnung hat, darf sie die alte Dame unter strengen Vorsichtsmaßnahmen alle zwei Tage besuchen. Auch, um sie zu versorgen, sich um Post zu kümmern, einen Blick auf die Wäsche zu werfen. „Bis auf das Putzen mache ich alles. Morgens und abends kommt die Pflege, für das Abendessen kaufe ich dann ein.“ Mit Handschuhen und Mundschutz wird der Kühlschrank gefüllt, ihre Mutter hält sich solange im Schlafzimmer auf. „Wir winken uns dann zu, das ist schon sehr komisch“, sagt Gabriele Pohley (69) und seufzt. „Früher, da hab ich als erstes Kaffee gekocht, manchmal kam mein Mann auch mit, es gab Kuchen, wir haben zu dritt zusammen gesessen.“

Seniorin vermisst den Friseur

Auch kann sie jetzt nicht auf dem Smartphone die Fotos und Video-Filme vom kleinen Urenkel Gustav zeigen, unmöglich bei einem Abstand von fast zwei Metern. Und ja, ihre Mutter vermisse die Gemeinschaft, vermisse das fröhliche Treiben in der Tagespflege, die bis voraussichtlich 19. April geschlossen bleibt. „Die Demenz meiner Mutter wäre viel schneller fortgeschritten ohne Tagespflege, da bin ich ganz sicher“, sagt Gabriele Pohley, die dem Burgfeld-Team ein dickes Lob ausspricht: „Alle hier sind freundlich und sehr engagiert.“ Was für ihre Mutter, die zeitlebens großen Wert auf ihr Äußeres gelegt habe, ein echtes Problem sei: „Die Fußpflege fällt ja jetzt aus, und auch der Friseur. Das ist richtig schwierig.“

Hier finden Sie unsere interaktive NRW-Karte mit allen aktuellen Fallzahlen. https://interaktiv.waz.de/corona-virus-karte-infektionen-deutschland-weltweit/#regio

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