Erziehung

Kita-Leiterin: Auffälliges Verhalten bei Kindern nimmt zu

Entschleunigen, den Kindern Stress und Druck nehmen – das sehen viele Kitas als ihre Aufgabe an.

Foto: Michael Kleinrensing

Entschleunigen, den Kindern Stress und Druck nehmen – das sehen viele Kitas als ihre Aufgabe an. Foto: Michael Kleinrensing

Velbert.   Erzieherinnen beobachten Veränderungen bei den Kindern. Eltern haben weniger Zeit, Kinder mehr Druck. Die Einrichtungen versuchen gegenzusteuern.

Gewalt, Sprachschwierigkeiten, mangelndes Sozialverhalten – schon Kindergartenkinder zeigen immer häufiger Verhaltensauffälligkeiten. „Das hat enorm zugenommen“, sagt Margret Stukenbrock, Leiterin der Kita St. Paulus. Und Jessica Amica von der „Villa Weltentdecker“ hat festgestellt, dass „sozial-emotionale Störungen mittlerweile überhandnehmen“. Laut der KiGGS-Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen haben rund 20 Prozent der Drei- bis 17-Jährigen ein Risiko für psychische Auffälligkeiten – was mitunter schon in der Kita zu beobachten ist.

Viele Kinder langweilen sich schnell

„Wir hatten Kinder, die sich auf einmal ausgezogen haben, um dann im Sandkasten Pipi zu machen“, erzählt Jessica Amica. Dann gebe es Kinder, die sprachlich weit zurückliegen und andere, die Kontaktschwierigkeiten haben. „An erster Stelle steht aber Gewalt wie hauen, treten, spucken.“ Weiterhin hat die Kita-Leiterin festgestellt, dass viele Kinder sich schnell langweilen, weil zu Hause durch Fernseher, Computer und Co. viel mehr los ist. Hier sieht Jessica Amica auch eine der Ursachen für Verhaltensauffälligkeiten: „Die Gesellschaft und die Familien haben sich stark verändert. Meist arbeiten beide Eltern und haben dadurch weniger Zeit fürs Kind. Und da ist es mitunter einfacher, das Kind vor den Fernseher zu setzen, als sich mit ihm zu beschäftigen.“

Logopäden und Psychologen hinzuziehen

In der „Villa Weltentdecker“ gibt es einmal pro Jahr so genannte Entwicklungsgespräche mit den Eltern, bei denen die Erzieher mitunter auch dazu raten, einen Logopäden oder Psychologen zu konsultieren. Jessica Amica: „Wir sind ja keine Ärzte und können die Eltern nur beraten.“

„Das ist ‘ne Aufgabe“, sagt Margret Stukenbrock von der Kita St. Paulus zum Thema verhaltensauffällige Kinder. Ihr fällt täglich auf: „Selbst kleine Kinder stehen heute unter ständigem Druck und werden immer nervöser und hektischer. Da gibt es keine Zeit für Muße, es muss immer Aktion sein.“

Eine der Ursachen dafür sieht Margret Stukenbrok in der modernen Medienwelt. „Wer hatte früher schon einen Fernseher auf seinem Zimmer? Heute ist das ganz normal, da hantieren die Kinder auch schon von Klein auf mit dem Tablet und anderen Medien.“ Immer seltener werde hingegen das Vorlesen. „Da schiebt man eher schnell ein Hörspiel rein“, sagt die Kita-Leiterin, „wobei ich die Eltern verstehen kann – sie sind ja auch im Stress.“

Hektik und Überforderung aus dem Alltag nehmen

In dem katholischen Kindergarten versuchen die Erzieher dagegenzuwirken, indem sie Hektik und Überforderung aus dem Kita-Alltag möglichst heraushalten. „Wir versuchen, Ruhe in den Alltag der Kinder zu bringen. Altersentsprechend machen wir sehr viel mit Büchern, damit auch mal etwas ohne Hektik geschieht“, sagt Margret Stukenbrok. Wichtig sei es auch, den Kleinen Zeit zu lassen. Das gelte allerdings nur für „normale“ Auffälligkeiten. „ADHS ist wieder eine andere Schiene“, sagt Margret Stukenbrok.

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