Offener Ganztag

Ärger über Missstände im offenen Ganztag an Birther Schule

Seit August stehen die Container auf dem Basketballfeld an der Grundschule Birth. Doch der Ärger der Eltern über das Provisorium ist groß – denn das Dach ist undicht.

Seit August stehen die Container auf dem Basketballfeld an der Grundschule Birth. Doch der Ärger der Eltern über das Provisorium ist groß – denn das Dach ist undicht.

Foto: Alexandra Roth / FUNKE Foto Services

Velbert-Mitte.  An der Grundschule im Velberter Stadtteil Birth herrscht großer Unmut unter Eltern und Lehrern: Grund dafür ist eine fehlende Baugenehmigung.

Kalt ist es in den Containern, die seit August auf dem Basketballfeld neben der Grundschule Birth stehen. Kalt und dunkel. Denn der Strom ist weg. Mal wieder. Die Rollos gehen nicht mehr hoch. Und nass ist es auch. Auf dem Teppichboden, auf dem sonst Kinder spielen, liegen große Aufnehmer, darauf ein großer gelber Eimer. Es riecht, wie in einem Kaninchenstall.

„Nicht haltbar“, nennen die Elternvertreter der Grundschule Birth diesen Zustand. Denn eigentlich sollten in diesen Containern rund 60 Kinder des offenen Ganztags untergebracht sein. Doch das Risiko sei zu groß: Immer wieder fliege die Sicherung raus, in Kombination mit dem durchs Dach eindringenden Wasser sei das ein Sicherheitsrisiko.

Handwerker dichten das Dach ab

„Ja, die Container sind nachweislich undicht“, bestätigt auch Jörg Ostermann, zuständiger Dezernent bei der Stadt Velbert. „Und wir haben den Vermieter informiert. Wir machen auch Druck, denn auch wir kennen die Brisanz des Themas.“ Eine Gefahr durch Strom habe aber „nach Einschätzung unserer Elektriker nicht bestanden“, sagt Ostermann, dennoch „habe ich Verständnis dafür, dass die Erzieherinnen lieber auf Nummer sicher gegangen sind.“

Für ihn sei es „bedauerlich und ärgerlich, in dieser Situation von anderen abhängig zu sein“, denn die Container seien eben angemietet. Gehandelt worden sei aber inzwischen auch: Am Freitag habe ein Unternehmen die Dächer abgedichtet, „ab Montag sind die wieder nutzbar“, sagt Manuel Villanueva-Schmidt vom Immobilienservice der Stadt.

Container eigentlich als Provisorium gedacht

Eigentlich sollten die beiden Container auf dem Basketballfeld neben der Schule nur eine Übergangslösung sein. Denn die Grundschule und der OGS-Bereich sollen ausgebaut werden. Bereits vor etwa zweieinhalb Jahren kamen die Bäume neben dem Gebäude des offenen Ganztags weg. Doch die sind inzwischen wieder nachgewachsen, denn gebaut wird an der Von-Humboldt-Straße noch nicht.

„Es gibt keine Baugenehmigung“, erläutern Frank Trossen und Dennis Hirsch von der Elternpflegschaft. Das jedenfalls sei die Antwort der Stadt auf Nachfragen gewesen. Es gebe „nur eine Sachbearbeiterin und die ist sehr penibel und hat viel zu tun“, führen die beiden die Antwort weiter aus.

Jörg Ostermann bestätigt das, fügt aber an: „Das Bauamt ist nicht nur ausgelastet, es ist überlastet.“ Allein die Stadt habe im Bereich Kita/Schule aktuell 19 Anträge zur Bearbeitung dort liegen. „Da müssen wir priorisieren.“ Zumal das Konzept nachträglich überarbeitet werden musste, „wir hatten uns geeinigt, dass dort noch eine Brandmeldeanlage installiert werden muss.“

Eltern ärgern die vielen Verzögerungen

„Verzögerungen können auftreten“, sagt Frank Tossen von der Elternpflegschaft der Grundschule. „Aber nicht in dem Umfang. Wir wollen jetzt keine guten Worte und Beschwichtigungen mehr hören. Wir wollen zeitnah Klarheit.“ Neuigkeiten hat Dennis Hirsch dann am Tag nach der Pflegschaftssitzung zu berichten: „Die Stadt möchte wohl bis Mitte November einen Zeitplan aufstellen.“ Empörend findet er das. „Bis dahin passiert nichts, dann steht der Winter vor der Tür, da kann auch nicht gebaut werden. Vor Februar wird sich nichts tun“, befürchtet der Vater. „Das ist unglaublich und für uns nicht haltbar.“

Dezernent nennt Zeitplan

Das sei so nicht ganz richtig, sagt Jörg Ostermann: „Wir gehen davon aus, dass noch in diesem Jahr mit der Bautätigkeit begonnen wird.“ Zuerst sollen ab November die Rigolen – das sind Behälter, die Regenwasser aufnehmen – erweitert werden. „Dazu haben wir nun die wasserrechtliche Genehmigung vorliegen“, sagt Ostermann. „Der Auftragnehmer will noch in diesem Jahr alle ,gründigen’ Arbeiten erledigen“, ergänzt Manuel Villanueva-Schmidt. Er und Ostermann gehen derzeit davon aus, „dass wir den Übergabetermin Juni/Juli 2020 halten können.“

Um die Wogen zu glätten, werde er nach den Herbstferien das Gespräch mit der Schulleitung suchen, versicherte Gerno Böll, der für den Bereich Bildung zuständige Dezernent der Stadt Velbert.

OGS-Träger findet Situation „nicht akzeptabel“

Auch der Träger des Ganztagsbetriebs an der Grundschule Birth, der SKFM, ist alles andere als begeistert von der momentanen Situation. „Wir können den Unmut der Eltern sehr gut verstehen“, sagt Stefan Hagel aus der Geschäftsführung. „Wir können hier vertraglich vereinbarte Konzepte nicht umsetzen, trotzdem zahlen die Eltern den Beitrag. Diese Situation ist auch für uns nicht akzeptabel.“

Denn: Dass die Container nun nicht genutzt werden können, stellt die Schule vor ein logistisches Problem. Die Klassenzimmer und Räume im Gebäude sind nahezu komplett ausgelastet. Und das nicht nur am Vormittag. „Wir haben AGs, Jeki, Jekits, muttersprachlichen Unterricht, Hausaufgabenbetreuung“, zählt Schulleiterin Sabine Klose auf. Die Kinder haben also keinen festen Raum mehr für die Nachmittagsbetreuung.

Gymnasium und BiLo helfen aus

Zwar hat das benachbarte Gymnasium zwei Räume zur Verfügung gestellt, auch im Stadtteilzentrum BiLo können Kinder versorgt werden, aber: „Die Kinder müssen ja auch dahin. Also müssen die Kolleginnen als Begleitung dabei sein. Das ist Zeit, die für die Umsetzung von pädagogischen Angeboten verloren geht.“

Die neue Leiterin der OGS, Melanie Czwalina, berichtet in der Sitzung der Elternpflegschaft der Grundschule, dass sie und ihre Kolleginnen inzwischen per Handy regelmäßig Kontakt haben und Listen prüfen, „damit kein Kind verloren geht.“ Stefan Hagel ergänzt: „Das ist ja dann auch eine Haftungsfrage, ein Sicherheitsrisiko.“

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