Wirtschaft

Wald gegen Wiesen tauschen?

Gewerbegebiete in Sundern fehlen, Flächen, die es gibt, sind zum Teil schwer zu erschließen oder aus ökologischer Sicht nicht nutzbar.

Gewerbegebiete in Sundern fehlen, Flächen, die es gibt, sind zum Teil schwer zu erschließen oder aus ökologischer Sicht nicht nutzbar.

Foto: Matthias Schäfer

Sundern.   Es wird eng in Sundern, wenn ein Unternehmen expandieren will. Denn die Stadt hat keine Gewerbeflächen mehr zu bieten.

Die Stadt Sundern bedroht mit dem derzeitigen Gewerbeflächenengpass ein Zukunftsrisiko, sieht SPD-Fraktionschef Michael Stechele. In der aktuellen Frage, ob städtische Waldgrundstücke als Tauschobjekte für zukünftige Gewerbegebiete dienen sollen, gab es am Dienstagabend im Fachausschuss Stadtentwicklung, Umwelt und Infrastruktur keine eindeutige Lösung. Mit 13 Ja-Stimmen, bei einer Gegenstimme und einer Enthaltung, stimmte der Ausschuss dafür, dass die Verwaltung schnellstmöglich die Grundlagen für eine Entscheidung in dieser Frage erarbeiten soll.

Prekäre Lage

Wie schon in der Vorlage erläuterte Ralph Brodel die prekäre Lage: „Wir

haben eine verschärfte Situation“, betonte er. Gerade suchen in der Stadt vier Firmen aus Sundern mit hoher Priorität nach neuen Gewerbeflächen. Es handelt sich um Betriebe aus dem Bereich Logistik, Fahrzeugbau, Metallverarbeitung und Oberflächenveredlung. Gesucht werden Flächen zwischen 10 000 und 40 000 qm, dazu kommen weitere zwei Unternehmen die mittelfristig neue Flächen benötigen. In der Anlage zu den Sitzungsunterlagen sieht man aber auch, dass weitere Betriebe suchen, derzeit noch ohne Priorität.

Ausweisung schwierig

Die Lage ist deshalb prekär, weil die Stadt keine Gewerbeflächen zur Verfügung stellen kann: „Einerseits verfügt die Stadt über keine eigenen Gewerbeflächen mehr, des Weiteren sind Eigentümer von ungenutzten Bauflächen nicht bereit diese zu veräußern. Schließlich ist die Ausweisung und Entwicklung von neuen Gewerbeflächen aus verschiedenen Gründen schwierig“, heißt es in der Vorlage, genannt werden Vorgaben der Landesplanung und Umweltschutzauflagen.

Im Ausschuss sahen alle Fraktionen akuten Handlungsbedarf, vor allem, dass flächennachfragende Unternehmen abwandern könnten. In seiner Haushaltsrede hatte CDU-Fraktionschef Stefan Lange schon darauf hingewiesen: „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht die vergraulen, die hier den Wohlstand sichern. Wenn diese Unternehmen Flächen suchen, dann müsse sie Flächen bekommen.“

Sorgfältige Abwägung

Die Frage, ob ein Tausch von Wald gegen potentielle Gewerbeflächen in dieser Situation hilft, soll nun aber nach sorgfältiger Abwägung der Rat treffen. Dabei wird auch er nicht umhin kommen, zwischen zwei Zielen zu entscheiden: „Erhaltung von Arbeitsplätzen vs. Bewahrung der städtischen Waldgrundstücke“, so Michael Stechele. Das Dilemma beschreibt er so: „Kurz und mittelfristig werden mindestens 10 ha benötigt. Daran hängen viele Arbeitsplätze, und daran hängen dauerhafte Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Brechen diese Einnahmen weg, können viele freiwillige Leistungen nicht mehr finanziert werden, bzw. müssten an anderer Stelle Einnahmen erhöht werden.“

Grundsatzbeschluss des Rates

Ein Thema, das die nächsten Monate die Politik beschäftigen wird. Zudem gibt es einen Grundsatzbeschluss des Rates: Kein Verkauf städtischer Waldflächen. Die SPD fordert vorher eine genaue Prüfung und die Untersuchung von Alternativen, und eine langfristige Entscheidung über die Ausrichtung der kommunalen Wirtschaft.

Mehr zum Thema:

https://www.wp.de/staedte/sundern/unternehmer-vermissen-gewerbegebiete-id210103721.html

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