Musikszene

Virtuose Technik auf der alten Stradivari

Für das wunderbare Konzert im großen Salon von Schloss Melschede bedanken sich bei den Künstlern Aleksey Semenenko und Inna Firsova die Hausherren Martina und Thomas Wrede (beide außen).

Foto: Werner Hümmeke

Für das wunderbare Konzert im großen Salon von Schloss Melschede bedanken sich bei den Künstlern Aleksey Semenenko und Inna Firsova die Hausherren Martina und Thomas Wrede (beide außen). Foto: Werner Hümmeke

Melschede.   Eine sensationelle Entwicklung bis in die Weltspitze liegt hinter Aleksey Semenenko und Inna Firsova, das war im Schloss Melschede zu hören.

Bei der Einführung in das Schlosskonzert in Melschede am vergangenen Sonntag freut sich der künstlerische Leiter, Prof. Arnulf von Arnim, zwei junge Künstler nach deren ersten Auftritt 2013 erneut für die Konzertreihe gewonnen zu haben: Inzwischen weisen der aus Odessa (Ukraine) stammende Violinist Aleksey Semenenko und die in Tschitta (Russland) geborene Pianistin Inna Firsova, eine sensationelle Karriere bis in die Weltspitze vor.

Mit Mozart begonnen

Der beglückende Konzertnachmittag beginnt mit der Mozart-Violinsonate KV380: Mozart hatte sich aus den Kompositionszwängen beim verhassten Salzburger Fürsterzbischof Colloredo befreit und in Wien als erster freier Künstler niedergelassen (1781). Bei dem lebendig beschwingten Spiel dieses Werks hört man geradezu die Begeisterung Mozarts über die gewonnene Unabhängigkeit. Inna Firsova spielt die rasanten Mozart-Läufe mit gestochener Präzision. Im langsamen Satz entfaltet Partner Semenenko bereits eine samtene, betörende Klanglichkeit. Es kommt mit Firsova zu rührenden Tondialogen und einem fröhlich strahlenden Rondo-Kehraus.

Lied für den böhmische Paganini

Franz Schubert komponierte nicht nur herrliche Lieder, sondern auch eines der virtuosesten Violinenwerke, die große Fantasie C-Dur (1827). Er schrieb sie für den „böhmischen Paganini“ Josef Slawik. Entsprechend hat Aleksey Semenenko Gelegenheit, alle Facetten seines exorbitanten

Vermögens auf der Stradivari von 1699 (30 Jahre jünger als Schloss Melschede) ins Spiel zu bringen. Sie reichen von einem wie ein Hauch klingenden Piano über ein wunderbar austariertes Klangspektrum bis zum höchsten Flirren. Mit phantastischer Bogentechnik gelingen aberwitzige 32stel-Ketten, die das Publikum in Atem halten. Zur Bewunderung trägt auch das exzellente Spiel von Partnerin Inna bei. Die Künstler schwingen auf gleicher Wellenlänge und verstehen das gemeinsame Atmen in der Musik. Zugleich reißt eine unbändige, auch sichtbar werdende Musizierlust den voll besetzten Salon mit.

Vertrackte Griffe

Nach der Pause gibt es zunächst etwas schwierigere Kost: Als Hommage an J.S. Bach komponierte Eugène Ysaye sechs Sonaten für Solovioline. Auch auf die zwei daraus gespielten moderneren Stücke von 1925 lässt sich das Publikum ein und bestaunt die vertracktesten Griffe. Mit vertrauteren impressionistischen Klängen Claude Debussys verzaubern die Künstler beim „Mädchen mit dem flachsblonden Haar“, und im berühmten „Claire de lune“ leuchtet silbriges Mondlicht auf der Violine. Zur wahren Attraktion wird die „Fantasie brillante“ des polnischen Komponisten Henryk Wieniawski, dem neben Paganini berühmtesten „Teufelsgeiger“ des 19. Jahrhunderts.

Für das nach Bravourstücken lechzende Publikum schrieb er sich 1859 das Werk auf den Leib mit den Highlights aus der damals äußerst populären Oper „Faust“ von Charles Gounod. Ein Stück so recht auch für unsere Ausnahmemusiker. Dem grüblerischen Faust ist Inna Firsova mit düsteren Klavierakkorden auf der Spur.

Mephisto in Musik umgesetzt

Das „Rondo vom goldenen Kalb“ des Mephisto – ein Gassenhauer der Oper – verwandelt Semenenko in atemberaubende Kaskaden aus Doppelgriffen, Flageolettönen und Staccato-Läufen, die bis in den Himmel ragen. Mit süßem Schmelz spielt er die Variationen über die Gretchen-Arie. Wie könnte es anders sein: Der furiose Schlusswalzer mündet in stehenden Applaus des restlos begeisterten Publikum.

Die sympathische Natürlichkeit ausstrahlenden Künstler bedanken sich mit zwei weiterhin bejubelten Zugaben von Debussy und Tschaikowski.

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