Gericht

Verloren? Dann ist das Geld eben weg.

Foto: Michael Kleinrensing

Arnsberg/Sundern.  In die Seele einiger Anleger die Plattform „webet4you“ konnte das Gericht beim fünften Verhandlungstag am Landgericht Arnsberg schauen.

Einen interessanten Einblick in die Welt der Geldvermehrung gab es gestern beim fünften Verhandlungstag im Sportwetten-Prozesse vor der 6. großen Strafkammer. Richter Markus Jäger hatte vor allem Anleger der Wettplattform „webet4you“ geladen. Dabei hatte er das Kriterium der Wohnortnähe zum Landgericht Arnsberg gewählt.

Eine Zeugin aus Bochum, die 1000 Euro bei der Sportwetten-Plattform investiert hatte, erklärte frank und frei: „Ich gebe zu, ich habe gezockt.“ Sie erinnerte sich nur noch, in ein Online-Casino eingezahlt zu haben. Und was ist mit dem Verlust, fragte Richter Markus Jäger: „Dann ist es eben weg.“

Professorin fand Idee gut

Ähnlich sah es auch eine Angestellte aus Meinerzhagen: „Wir haben das

Geld in ein Darlehen gegeben, Stichwort Arbitrage“, erinnerte sie sich noch. Das hätte ihr Mann vorgenommen, Verträge, Details oder wofür das Geld angelegt worden sei, kenne sie nicht. „Eine Professorin hat in einem Artikel gesagt, dass so eine hohe Rendite durchaus möglich sei“, wusste sie noch eines der Argumente, die ihr Mann für die Beteiligung an dieser Investitions-Form genannt hatte. Etwa 2700 Euro hat das Ehepaar noch offen. Auf das Ende von „webet4you“ seien sie durch den Brief des Insolvenzverwalter von der Betreiberfirma eVision Networking GmbH aufmerksam geworden. Ein Stirnrunzeln vom Vertreter des Finanzamtes zog sie sich zu, als sie auf die Frage zur Versteuerung antworte: „Steuern? Warum auch?“

In Foren zunächst gute Kritiken

Etwas mehr erfuhr das Gericht von einem weiteren Zeugen. Er hatte das Geld seiner Ex-Lebengefährtin eingezahlt, um ihr für die Zeit nach der anstehenden Trennung etwas auf die Seite zu schaffen. „Was da genau im Hintergrund lief, wusste ich nicht. Aber in verschiedenen Foren wurde es zunächst ganz gut bewertet“, sagte der Mann von der Küste. Eine Rendite von 1 bis 4 Prozent in der Woche bekomme man bei keiner Bank. Insgesamt habe er in drei Chargen 14 000 Euro eingezahlt, in zwei Fällen, eine liegt nach der Verhaftung des Sunderner Geschäftsführers von eVision, bekam er auch eine Rückzahlung mit 48 Prozent Rendite.

Gelder eingefroren

„Ich hatte noch Hoffnung, dass es wieder weitergeht, nachdem die Staatsanwaltschaft die Gelder eingefroren hat“, erzählte der IT-Berater dem Gericht auf die Frage nach seiner Motivation, wo er doch 7000 Euro Verlust habe. Auch das eine Meinung, die vor den Türen des Gerichts diskutiert wird: Komme der Hauptangeklagte wieder auf freien Fuß, würden die Gelder schon gezahlt. „In diesem Staat kommt man doch mit Arbeit nicht dorthin, seinen Lebensstandard im Alter zu halten“, so ein Anleger aus Hessen, der sich gestern auf der Zuschauerbank den Prozess ansah. Auch er hat Summen eingezahlt, die die genannten deutlich überschreiten: „Aber das wussten doch alle, dass es auch das Risiko gibt, alles zu verlieren.“

Casinos nie gesehen

Einblick in die späteren Pläne des 52-jährigen Angeklagten aus Börnsen bei Hamburg gab ein IT-Entwickler, der im Sommer 2016 das Backoffice für eVision Networking eingerichtet hat: „Ich habe das Büro mit 16 bis 20 Mitarbeiterplätzen in Thailand gesehen. Es waren neben webet4you noch andere Dinge wie eine Autovermietung oder Investment auf einer Vergnügungsmeile geplant“, berichtete er von einem Besuch im Mai 2016 in Thailand. Er besprach dort mit dem Angeklagten den Support für spätere Kunden (Livechats, Telefon etc.). Die Lokale, Casinos und Bars in der Schwulen- und Lesbenszene, habe er nie gesehen. Er habe in der Ferienwohnung des Angeklagten gelebt, dieser habe auch den Flug gezahlt.

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