Ärztliche Versorgung

Sunderns ärztliche Versorgung bald auf der Kippe

Untersuchung vor Ort? Kein Problem: Die Bevölkerung der Röhrstadt ist derzeit noch gut versorgt. Doch in zehn bis 15 Jahren  könnte es schon ganz anders aussehen...Foto:dpa/Bernd Weissbrod

Untersuchung vor Ort? Kein Problem: Die Bevölkerung der Röhrstadt ist derzeit noch gut versorgt. Doch in zehn bis 15 Jahren könnte es schon ganz anders aussehen...Foto:dpa/Bernd Weissbrod

Sundern.   Derzeit gibt es 45 niedergelassene Mediziner in Sundern – doch ab 2027 wird sich die Situation deutlich verschlechtern.

Die „medizinische Bestandsaufnahme“ vor Ort fällt auf den ersten Blick recht positiv aus: 16 Hausärzte mit vollem Versorgungsauftrag praktizieren derzeit in Sundern. Hinzu kommen zwölf Fachärzte verschiedenster Fachrichtungen, die aktuell ihre Praxen in Sundern betreiben. 17 Zahnärzte runden die Palette der nieder­gelassenen Mediziner ab. Die Bevölkerung der Röhrstadt ist demnach noch gut versorgt; noch, denn fast die Hälfte der heimischen Hausärzte ist älter als 60 Jahre.

„In Zukunft gefährdet“

Ein erster Hinweis darauf, dass die ärztliche Versorgung in einigen Jahren „auf der Kippe steht“, wie es Ralph Brodel formuliert. In Sundern sei die (medizinische) Welt noch in Ordnung, aber in Zukunft gefährdet, stellt Sundern Bürgermeister fest. Eine Erkenntnis, die unsere Zeitung bereits im vergangenen Jahr thematisiert hat – im Verlauf der Serie „Was braucht Sundern?“ „Das hat für mich seit Amtsantritt eine ganz hohe Priorität“, gab der Verwaltungschef Mitte 2017 mit Blick auf den Bereich ­Gesundheitsversorgung Auskunft.

Medizinisches Versorgungszentrum

Zuvor hatte Brodel ein Gespräch mit etwa 20 der niedergelassenen Ärzte geführt. Ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), wie es der Bürgermeister damals anregte, fiel allerdings nicht bei allen Anwesenden auf fruchtbaren Boden.

Seither hat Brodel das Thema auf dem Schirm, innerhalb des Rathauses wurde eine Projektgruppe eingerichtet, die sich darum kümmert, dass Sundern ärztlich gut versorgt bleibt: „Jede Bürgerin, jeder Bürger der Stadt Sundern soll und muss auch zukünftig in quantitativer und qualitativer Hinsicht die Gesundheitsversorgung erhalten, die gebraucht wird – hier vor Ort“, legt sich der Bürgermeister fest. Die „übergreifende Projekt­gruppe“ sei mit Ärzteschaft und Kassenärztlicher Vereinigung in einem beständigen Austausch. „Auch, wenn es hier sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt. So sieht die Kassenärztliche Vereinigung die Sicherstellung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung in ihrem Hoheitsgebiet“, schildert Ralph Brodel.

Kreativität und Entschlossenheit

Deren regionaler Vertreter, Dr. Hans-Heiner Decker (Leiter Bezirk HSK/Kreis Soest, Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe) hatte die Position der KV schon 2017 ausführlich dargestellt: Kreativität und Entschlossenheit der niedergelassenen Ärzte entscheide mit darüber, ob die unverzichtbare medizinische Basisversorgung funktioniert. Es gelte mehr denn je – auch für Sundern – die in ganz Deutschland herrschende problematische Nachwuchssituation bei Hausärzten und einigen Fachärzten (z. B. Kinderärzte/Augenärzte/ Gynäkologen) zu ­meistern, sagt Dr. ­Decker.

Wie berichtet, „ist eine Kuh inzwischen vom Eis“, für Sunderns einzige Kinderarzt-Praxis hat sich ein Nachfolger gefunden.

„Notstand“ in zehn bis 15 Jahren

Die KV unterstütze gemeinsam mit dem Land NRW mittels Förderprogrammen schon seit vielen Jahren dort, wo sich eine drohende Unterversorgung abzeichnet oder bereits eingestellt hat, so Dr. Decker.

In Sundern drohe Letzteres in zehn bis 15 Jahren, hat Ralph Brodel ausgemacht – und reagiert: Um negativen Trends frühzeitig entgegen zu steuern, trifft sich die Projektgruppe nicht nur mit ortsansässigen Medizinern oder der KV, sondern auch mit Wissenschaftlern und Forschungseinrichtungen.

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