Kunst

Sundern: Gymnasiastin schafft Kunstwerk im Bunker der Schule

Kunstwerk von Falun - geschaffen von Svenja Medack als begehbare Installation im Bunker des Gymnasiums Sundern

Kunstwerk von Falun - geschaffen von Svenja Medack als begehbare Installation im Bunker des Gymnasiums Sundern

Foto: Svenja Medack

Sundern.  Svenja Medack schafft ein begehbares Kunstwerk im Bunker des Gymnasiums Sundern – zusätzlich zum Abi-Stress.

Sie ist erst 17 Jahre, aber der Sundernerin Svenja Medack ist etwas gelungen, was es zuvor am Städtischen Gymnasium in Sundern noch nicht gab: Eine sogenannte BLL, eine Besondere Lernleistung. Kürzlich hat eine Prüfungskommission die Leistungen der Schülerin mit der Bestnote bewertet: 1plus oder 15 Punkte.

Svenja Medack hat in diesem Jahr am Städtischen Gymnasium in Sundern ihr Abitur gemacht. Durch die BLL hat sie ihre Gesamtnote verbessert: „Es war aber auch eine Menge Arbeit“, berichtet die Ameckerin über die gut einjährige Zusatzarbeit. Inzwischen studiert sie Kulturwissenschaften an der Fernuni Hagen (Schwerpunkt Philosophie), ab April 2021 wird sie dann Humanmedizin an der Universität Potsdam studieren.

„Außerdem bin ich freischaffende Künstlerin“, sagt die Sundernerin selbstbewusst im Gespräch mit unserer Zeitung. Allerdings habe das bis zum Abitur nie im Fokus gestanden. „Ich habe aber gemerkt, dass ich mit Kunst meine Gedanken ausdrücken kann“, erklärt Svenja Medack.

Premiere am Gymnasium

Die BLL hat die 17-Jährige dann auch im Fach Kunst erarbeitet. Dazu hat sie über den Zeitraum eines Kalenderjahres eine Kunstausstellung im alten Bunker der Schule vorbereitet. Stolz sagt sie: „Mein Projekt, die dazugehörige 30-seitige wissenschaftliche Ausarbeitung sowie das halbstündige Kolloquium wurden von der Prüfungskommission mit der Bestnote bewertet.“

Geschaffen hat die Schülerin eine Environstallation, das ist eine Wortschöpfung aus Environment (begehbare Raumkunst) und Installation. Sie trägt den Titel: „Kunstwerk zu Falun - eine künstlerische Auseinandersetzung mit Hochbegabung und Hochsensibilität“. Dabei liegt eine Geschichte von E.T.A. Hoffmann „Die Bergwerke zu Falun“ zugrunde, in der ein Seemann zum Bergmann wird, um das Unterirdische zu erforschen. „Das wurde oft von der Literaturkritik als Erforschen der Seele interpretiert“, erklärt Svenja Medack in ihrer Ausarbeitung.

Sie selbst hat das Ganze umgekehrt: „Ich habe versucht mit meinem Kunstwerk die Erforschung des Hirns zu zeigen.“ Die zentrale Rolle der Bergkönigin in der Hoffmann-Geschichte hat bei ihr eine Schaufensterpuppe erhalten. Im Gegensatz zur Geschichte ist das Kunstwerk begehbar: „Es geht in meiner Kunst jedoch vor allem um die gedankliche Auseinandersetzung mit dem Thema Hochbegabung und die Gefühle und Empfindungen, die der Rezipient in sich trägt, wenn er durch die Ausstellung läuft.“ Vor allem das Thema Reizüberflutung, die Hochbegabte täglich erleben, wird so für den Besucher nicht nur erklärbar, sondern erlebbar: „Ein Eintauchen in das ,Kunstwerk zu Falun’“, sagt die Künstlerin.

Jenseits von klassischer Kunst

Ihr Kunstwerk in dem alten Schulbunker ist jenseits von klassischer Kunst mit Bildern auf Leinwänden oder Skulpturen zu sehen: „Mein Ziel ist es, Kunst zu schaffen, mit der nicht nur die pseudoelitäre Gesellschaft etwas anfangen kann, sondern die auch für kunstfernere Leute interessant ist.“ Man könne es als einzelne Kunstwerke betrachten oder als ein Konstrukt, ein Gesamtzusammenspiel aus vielen Gedanken: „Einfach oder kompliziert, realitätsnah oder utopisch sowie feministisch und modern“, sagt Svenja Medack.

Leider konnte die Ausstellung nicht, wie zuvor geplant, mit einer Vernissage gefeiert oder öffentlich gezeigt werden. „Unter normalen Umständen sollte sie von mir an dem jährlich stattfindenden Gala-Abend des SGS vorgestellt werden. Nun bin ich leider gezwungen, die Ausstellung abzubauen, da der Raum anderweitig benutzt werden soll“, sagt die Studentin.

Damit die Ausstellung trotzdem auch für Externe begehbar wird, hat sie eine Internetseite (https://swwenja.jimdofree.com) erstellt, auf der man das Kunstwerk betrachten kann. Eine paar der Kunstwerke aus dem Bunker hat sich Svenja Medack gesichert und daheim untergebracht.

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