Einzelhandel

Kein Nachfolger: „Klein-Karstadt“ in Sundern schließt

Lotta (fünf Jahre alt) kommt immer gern mit ihrer Mutter in den Laden von Renate Hauhoff-Grünebaum an der Silmecke in Sundern, vor allem wegen des Spielzeugs. Das Geschäft schließt am 31. Dezember.

Lotta (fünf Jahre alt) kommt immer gern mit ihrer Mutter in den Laden von Renate Hauhoff-Grünebaum an der Silmecke in Sundern, vor allem wegen des Spielzeugs. Das Geschäft schließt am 31. Dezember.

Foto: Matthias Schäfer / WP Sundern

Sundern.  Renate Hauhoff-Grünebaum gibt zum Jahresende ihren Laden an der Silmecke in Sundern auf. Es findet sich kein Nachfolger.

Wer kennt es nicht in Sundern und Umgebung, das kleine Geschäft an der Fußgängerampel an der Silmecke, im Volksmund „Klein Karstadt“ genannt? Bedauerlicherweise wird es nun – trotz der breiten Vielfalt, die es dort seit Jahrzehnten zu kaufen gibt – zum Jahresende schließen. „Leider sieht es derzeit so aus, dass ich keinen Nachfolger für mein Geschäft finde“, berichtet Renate Hauhoff-Grünebaum.

Schon seit dem Sommer hat die 61-Jährige das Jahresende als festen Termin ins Auge gefasst. Zwar haben sich einige Interessenten gemeldet, aber ein Nachfolger war nicht dabei. „Jetzt beginnen wir mit dem Räumungsverkauf“, sagte die Einzelhändlerin am Wochenende. Zum Jahreswechsel werde sie den Laden schließen, auch wenn darüber viele Menschen in Sundern traurig seien, sagt sei, sie selbst aber wohl am meisten. Die Hoffnung gibt Renate Hauhoff-Grünebaum, die seit den 1970er Jahren ein festes Gesicht im Sunderner Einzelhandel ist, aber nicht auf: „Vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der den Laden übernimmt. Mir tut es leid um unsere Kunden.“

Seit 2000 im Geschäft

Übernommen hat Renate Hauhoff-Grünebaum den kleinen Laden am 1. Juli 2000 von der Familie Schröder: „So weit ich weiß, hatten sie den Laden zu dem Zeitpunkt schon drei Jahrzehnte geführt“, erinnert sich die jetzige Inhaberin. Sie habe dann mehr Ambiente und Kunstgewerbe ins Angebot genommen. „Das hat dann auch Kunden aus der ganzen Region gebracht“, findet sie heute. So wäre es oft passiert, dass am Montag Kunden aus Neheim oder Arnsberg vor der Tür standen. Die hätten die gegenüberliegende Pizzeria „Calabria“ besucht und nach dem Parken neben dem Geschäft eines ihrer Angebote im Schaufenster gesehen: „Das wollten wir doch mal genauer betrachten“, gibt die 61-Jährige die Rückkehr-Argumente der Kunden wieder. Und aus manchen seien oft Stammkunden geworden.

Die gibt es bei Renate Grünebaum jede Menge. So gehört die fünfjährige Lotta dazu. Ihre Mutter erinnert sich, dass sie schon fast im gleichen Alter wie die Tochter bei Familie Schröder zu Besuch im Laden war: „Das ist jetzt 35 Jahre her, da habe ich immer die Kaugummi-Kugeln hier gekauft.“ Ohnehin ist für Marienschüler und Kinder aus der Kita Christkönig der Laden ein Muss. Viele gehen nach der Schule oder später dorthin, um sich mit dem Wichtigsten einzudecken, was man in der Schule benötigt: Hefte, Stifte, Malutensilien und Blöcke, aber auch Schulbücher gibt es dort zu bestellen.

Viele Devotionalien

Für die Kinder ist seit Jahrzehnten natürlich das Spielzeug ein großer Anziehungspunkt. Und natürlich in der Zeit vor dem Karneval die vielen Masken und Verkleidungen. So hat sich am Morgen unseres Besuchs auch Klein-Lotta nochmals etwas ausgesucht, dass sie dann im kommenden Fasching tragen will.

Daneben suchten die Menschen in Obersundern so manches, was es sonst nicht in so großer Vielfalt mehr zu finden gibt in der Stadt: Alles rund um die Kinderkommunion, Devotionalien, Karten aller Art, aber auch das Gotteslob und viele Dinge zur Taufe. Zum Programm gehörten aber schon immer Zigaretten, Tabak, Zeitungen, Zeitschriften, Romane und Reiseführer. „Unsere Devise war immer: Wir haben, was der Kunde braucht. Eben wie in einem Karstadt“, sind sich Renate Hauhoff-Grünebaum und ihre langjährige Mitarbeiterin und Freundin Uschi Schmoll sicher.

Kunden und Ladenteam seien immer ein richtige kleine Familie gewesen: „Viele kannte man eben von klein auf“, sagt Renate Hauhoff-Grünebaum. Sie dankt den langjährigen Stammkunden, vor allem Schule und Familienzentrum, die sie in den vergangenen Jahren unterstützt haben. Aus vielen Kunden seien dabei liebe Bekannte geworden: „Manche kommen vorbei, um mit uns Kaffee zu trinken.“ Viele haben eben gespürt, dass dieser Laden mit ganz viel Herz geführt wurde. „Manchmal waren wir auch Kummerkasten oder Informationszentrale“, erinnert sich Renate Hauhoff-Grünebaum.

Angebot fehlt in Obersundern

Zum 31. Dezember soll nun aber Schluss sein. Für viele Sunderner noch unvorstellbar, denn nun fehlt das ortsnahe Angebot an der Silmecke, und sie müssen den Weg in den Supermarkt oder den Discounter antreten.

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