Kulturmärz

Jazz gegen die Depression des Krieges

Jazzkonzert in Sundern.

Jazzkonzert in Sundern.

Foto: Matthias Schäfer

Sundern.   Mit Jazz ging es in den Kulturmärz 2018, 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs.

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Mit einem Jazzkonzert startete der Kulturring Sundern in den Kulturmärz: Mit dem „Gatsby Quartett“ ging in der gemütlichen Stube des Hof Café in der Röhre der Blick über 100 Jahre zurück: „Mit Jazz kamen die Amerikaner nach dem Ende des Ersten Weltkriegs so richtig in Fahrt, es folgten die Roaring Twenties, die röhrenden Zwanziger“, berichtete Benedikt ter Braak zur Einführung in den Abend mit Liedern zwischen 1920 und 1940.

Drei Komponisten im Mittelpunkt

In den Mittelpunkt stellte die Gruppe zunächst den Old School Jazz, der direkt nach dem Krieg bestimmend war, drei Komponisten: George Gershwin, Cole Porter und Duke Ellington: „Dazu streuen wir auch noch mehrstimmigen Gesang von Frauengruppen wie den Andrew-Sisters ein.“

Den Auftakt machte dann das bekannte „Foggy Day in London Town“ von Gershwin, um sich langsam aus dem Sundern 2018 in die US-Metropolen der 20er Jahre zu begeben.

Mit Drogen komponiert?

Es folgten mit mehreren Songs von Cole Porter wie „You be so nice“ oder „Lets do it“, die in die Welt des überbordenden Spaßes in den Tanzsälen einführten: „Der wurde aber später von der Weltwirtschaftskrise abrupt gestoppt“, informierte Benedikt ter Braak die Zuhörer über die Entwicklungen in dieser Ära. „Es ist bekannt, dass Cole Porter Drogen konsumierte. So fand er viele Metaphern in seinen Liedern, was man alles so machen kann“, erzählte Sängerin Christina Schamei über den Komponisten. Ein Ausdruck dafür bot das Lied „I get a kick out of you“, bei dem Porter alles aufzählt, was ihn nicht anturnt: Champagner, Tabak und auch Drogen.

Ganz anders geartet waren da die sogenannten „Sister-Bands“, meistens drei hübsche Frauen, die vor den Soldaten an der Front sangen: „Sie vermittelten ihnen Geborgenheit und Heimatgefühl“, so Schamei. In Sundern bot das Quartett dann „If I had a boy“ und später von den berühmten Andrew-Sisters das weltbekannte und äußerst rhythmische „Bei mir bis du shaime“.

Azurblau

Im dritten Teil des Abend ging es um Duke Ellington, dem einzigen schwarzen Komponisten im Programm. In „Caravan“ zeigt er die Spuren des schwarzen Jazz auf. Und mit „Azurblau“ boten die vier aus dem „Gatsby Quartett“ die ersten Ansätze zum avantgardistischen Jazz. Schwungvoll wurde es dann nochmals mit „Love for Sale“ und dem Hit „Summertime“. Den Abschluss des Abends machte in der „Gatsby-Version“ der berühmte „Mr. Sandmann“.

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