Tradition

Begegnung ist Schlüssel zum Herzen

Patronatsfest St. Johannes Sundern

Patronatsfest St. Johannes Sundern

Foto: Wolfgang Becker

Sundern.   Der Weg der Integration führt über die Begegnung. Das ist die Ansicht von Klaus-Rainer Willeke, der die Festansprache zum Patronatsfest hielt.

Beim Patronatsfest ziehen Stadt Sundern und Kirchengemeinde in alter Tradition an einem Strang, denn Johannes Evangelist ist der Schutzpatron von beiden. So folgte auf das Festhochamt, das Pfarrer Stefan Siebert in der St.-Johannes-Kirche in Konzelebration mit einigen Mitbrüdern hielt, der Festakt im Johanneshaus. Dort widmete sich Klaus-Rainer Willeke, beruflich Leiter der VHS Arnsberg-Sundern und ehrenamtlich im Bürgernetzwerk „Willkommen in Sundern“ tätig, dem Thema Integration. Sein Fazit: Integration geht nur über Begegnung.

Schlüssel zum Herzen

„Begegnungen sind der Schlüssel zur Integration – weil sie der Schlüssel zu den Herzen der Menschen sind, weil sie Verständnis und Empathie auf

der zwischenmenschlichen Ebene wecken können. Und weil sie in der Regel geeignet sind, Vorurteile zu revidieren. Begegnungen lassen aus Typen Individuen und aus BAMF-Nummern Menschen werden“, so Willeke in seinem Vortrag. Und jeder solle die Chance dazu nutzen, im Sportverein, auf Straßen- und Nachbarschaftsfeiern, beim Warten, beim Einkaufen, im Bus oder beim Arzt: „Es ergeben sich dann immer Möglichkeiten, sich gegenseitig wahrzunehmen, anzusprechen, zuzulächeln oder nur zu grüßen. Wie heißt es so schön: Der kürzeste Weg zwischen zwei Menschen ist ein Lächeln.“

Zwei Gleise - ein Thema

Willeke machte auch auf die Beidseitigkeit der Integration aufmerksam: Die volle Integration sei nicht erreicht, wenn alle jungen Nordafrikaner in Sundern in den Schützenverin eingetreten seien: „Das wäre Assimilation“, grenzte Willeke ab, die völlige Anpassung. Um den Blick der Menschen auf

der Flucht auf uns Sauerländer zu verdeutlichen, brachte er einige Beispiele: „Stellen die Holzgewehre beim Schützenfest eine Bedrohung dar? Warum finden wir es so wichtig, pünktlich zu sein, zum Beispiel beim Deutschunterricht?“ Viel Neues würden die Flüchtlinge im Kontakt mit uns erfahren: Auch Männer können spülen und putzen, es gibt tatsächlich verschiedene Müllsorten und eine Heizung muss nicht immer auf 28 Grad bei offenem Fenster laufen.“ Noch wichtiger beurteilte Willeke aber die Erfahrung, dass man in Deutschland über politische und religiöse Themen reden dürfe. „All dies lernt man nicht aus Büchern oder im Unterricht. Man muss es erfahren, erleben, es muss den Menschen begegnen“, kam er zum Ursprungsthema zurück.Dazu solle man die vielen institutionalisierten Begegnungen nutzen, etwa im Kindergarten oder in der Schule.

Ähnlichkeiten erkennen

Interkulturelle Begegnungen glichen zwischenmenschlichen Begegnungen: Die Konzentration auf Entsprechungen, Vergleichbares, Unterschiedliches lasse einen immer in den Spiegel blicken: „Erst das Gewahr werden, was anders ist, was ähnlich ist, führt zu einem Erkenntnisgewinn bezüglich des eigenen Status quo. So geht es nicht nur Menschen, so geht es auch Gesellschaften. Letztlich geht es um die Frage, wie die Welt, wie unser Land und natürlich auch das Sauerland zu einem guten Ort für alle werden kann. Die Chancen dazu sollten wir nutzen.“

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