Geschichte

Aus der dunklen Zeit für heute lernen

Die Mitglieder der jüdischen Familie Klein aus Sundern: von links Fritz, Mutter Rika, Hugo, Vater Levi und Julius. Die Aufnahme entstand etwa um 1930.

Die Mitglieder der jüdischen Familie Klein aus Sundern: von links Fritz, Mutter Rika, Hugo, Vater Levi und Julius. Die Aufnahme entstand etwa um 1930.

Foto: Privat

Sundern.   Sundern ist kein weißer Fleck auf der Landkarte. Seit 30 Jahren spricht man offen über die Geschehnisse in der Reichspogromnacht 1938.

Juden in Sundern gab es um 1930 genauso wie überall im Sauerland. In der Hauptstraße war es die Familie Klein, die eine Metzgerei betrieb, in Hachen die Familie Grüneberg. Und Sundern ist kein weißer Fleck auf der Landkarte, wenn es um die Reichspo­gromnacht geht. Wenn auch mit etwas Verzug. Am Nachmittag des 10. November 1938 zogen etwa ein Dutzend SA-Männer vom sogenannten „Braunen Haus“, dem Gasthof Bode, zur Metzgerei Klein an der Hauptstraße 58 und zerschlugen Fensterscheiben, zerstörten die Einrichtung der Räume. Besonders schrecklich: Die zerschlagenen Einmachgläser mit Marmelade färbten die Gardinen blutrot.

Düsteres Kapitel

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zur 80. Wiederkehr der Reichspogromnacht wird die Erinnerungskultur in Sundern an dieses düstere Kapitel der Stadtgeschichte gepflegt: Am morgigen Freitag, 9. November, finden in der Stadtgalerie am Lockweg - nur unweit des ehemaligen Hauses Klein - eine Lesung und ein anschließender Diskurs zum Leben und zur Erinnerung an die jüdische Familie Klein aus Sundern statt (19 Uhr).

Politische Radikalisierung

Die Geschichte der jüdischen Familie Klein aus Sundern und deren Bedeutung vor dem Hintergrund zunehmender politischer Radikalisierung

und Wiedererstarken von Antisemitismus und Rassismus in Deutschland stehen im Fokus der Lesung von Franz Blome-Drees und Irmgard Harmann-Schütz. „Wir erinnern in Sundern im öffentlichen Raum seit 30 Jahren an die Verbrechen der Nazi-Zeit in unserer Stadt. Davor lagen 50 Jahre Schweigen. Für viele, unter ihnen unser ehemaliger Bürgermeister Franz Josef Tigges, die die NS-Zeit in Sundern selbst erlebt hatten, war die Erinnerungsveranstaltung im Rathaus 1988, wie er es damals ausdrückte, eine Art Befreiung, weil sie das jahrzehntelange Schweigen als Schande gegenüber den Opfern empfunden hatten“, berichtet Franz Blome-Drees. Er ist einer der Autoren des Buches „Die Geschichte der Juden in Sundern“, das anlässlich der Gedenkveranstaltung zum 50. Jahrestag der Pogromnacht erstmalig vorgestellt wurde. Seitdem haben Franz Blome-Drees und Irmgard Harmann-Schütz in diversen Veranstaltungen Erinnerungsarbeit zu diesem Thema geleistet.

Die aktuelle Lesung bietet ein Novum: Der Historiker Christian Wenzel aus Sundern wird im Anschluss an die Lesung zum Thema „Entstehung und Funktion von Erinnerung im stadtgeschichtlichen Kontext“ sprechen.

Mehr über die Zeit erfahren

Die Initiatoren der Veranstaltungsreihe zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, das Bündnis für Vielfalt und Toleranz in der Stadt Sundern und die Stadt Sundern, laden alle ein, gemeinsam etwas über die Geschehnisse in Sundern während des Pogroms 1938 zu erfahren, der verfolgten und umgekommenen Familienmitglieder der jüdischen Familien zu gedenken und von den Erinnerungen, von diesem dunklen Kapitel der Geschichte der Stadt Sundern zu lernen. Der Eintritt ist frei.

In der Pressekonferenz zur Vorstellung der Reihe riet Bürgermeister Ralph Brodel allen Menschen, sich den Doppelband „12 von 700 Jahren“ von Berthold Schröder in der Bücherei auszuleihen und über diese Zeit in der Stadt lesen. Leider ist das Werk ausverkauft.

Mehr zum Thema:

https://www.wp.de/staedte/sundern/5000-euro-an-sunderns-buendnis-fuer-vielfalt-und-toleranz-id214939809.html

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