Serie: "24 Stunden"

Reinhold Lübke lenkt die MS Sorpesee

Der Langscheider Reinhold Lübke (75) ist seit 20 Jahren Kapitän auf dem Sorpesee.

Der Langscheider Reinhold Lübke (75) ist seit 20 Jahren Kapitän auf dem Sorpesee.

Foto: Mathias Schäfer

Langscheid.   12 Uhr: Früher hat er einen 36-Tonner gelenkt, heute sind es 200 Tonnen: Reinhold Lübke steuert seit 20 Jahren die MS Sorpesee.

Wenn am heutigen ­Maifeiertag wieder viele Menschen durch die Natur wandern, ist Reinhold Lübke nicht dabei. Denn seit am Karfreitag die Saison auf den Sauerländer Seen begonnen hat, ist der Kapitän der MS Sorpesee auf dem See unterwegs. „Und das schon seit 20 Jahren“, lobt seine Chefin Dagmar Bierhoff, die Pächterin des Fahrgastschiffes der Lux-Werft.

Inzwischen tritt auch Sohn Rainer Lübke, der auch die Eignung zum Schiffsführer erworben hat, in Vaters Fußstapfen.

Ein schönes Angebot

Die Arbeit auf dem Fahrgastschiff macht dem 75-Jährigen viel Spaß. Begonnen hat das Ganze allerdings mit deutlich anderen Vorzeichen: „Ich war Berufskraftfahrer. Aber durch einen Unfall wurde ich mit knapp 55 Jahren berufsunfähig, konnte nicht mehr Lkw fahren“, erzählt Lübke bei einer ruhigen Fahrt am Montagmittag von diesem einschneidenden Ereignis in sein ­Leben.

24-h-Südwestfalen

Reportage zum Tag der Arbeit.
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Doch dann gab es von einem Sangeskollegen aus dem MGV „Westfalia“ ein Angebot: „Ich könnte doch auf Kapitän umschulen“, erinnert sich Lübke an diese Chorprobe. Er ließ es sich das einige Tage durch den Kopf gehen, dann schlug er bei Werner Riedel ein.

Ausbildung auf Schulschiff

Es folgte die Ausbildung in einem Team von sechs Personen auf einem Schulschiff auf dem Rhein bei Duisburg, zunächst in der Theorie, nach

mehreren Wochen dann der Praxistest auf dem Sorpesee. Seitdem ist er jedes Jahr gefordert, sich in Dortmund auf seine Gesundheit prüfen zu lassen: „Das Zeugnis für 2018 ­habe ich vorige Woche bei der Schifffahrtsgenossenschaft wieder bekommen“, strahlt der Sorpekapitän.

„Der einzige Unterschied zwischen einem Lkw und dem Schiff ist, dass Du mit dem Schiff nicht bremsen kannst“, zeigt Reinhold Lübke eine ständig zu bedenkende Anforderungen des Berufs auf. Schon beim ­Ablegen des 200 Tonnen schweren Arbeitsplatzes an der Sorpe-Promenade heißt es Augen und Ohren aufhalten. „Hier ist vor allem im Sommer ­immer einiges los, glücklicherweise haben wir seit vielen Jahren schon eine Heckkamera“, berichtet Lübke, der gerade in dieser Phase nicht gestört werden möchte.

Es war schon Frühsommer

Die 20. Saison startete nicht so ruhig wie in den Jahren zuvor: „An den ersten Frühsommertagen war das Schiff schon recht voll“, sagt Lübke. Und auch bei dieser Mittagsfahrt sind wieder einige Stammkunden aus der näheren Umgebung dabei. Reinhold Lübke kennt sie seit vielen Jahren. Einige kommen schon seit Jahrzehnten und genießen die Ruhe auf dem Wasser.

Derzeit ist die Fahrt über den Sorpesee ein Genuss, denn der See ist randvoll und die Fahrtstrecke am längsten. Dennoch muss der Kapitän den Takt halten: zur vollen Stunden ab Langscheid, zur halben Stunde in Amecke, dazwischen liegen sechs Kilometer entlang von sattem Grün, auf tiefblauem Wasser.

Hohe Verantwortung

„Das ist nicht immer so entspannt“, räumt der Kapitän mit einem Vorurteil auf: „Im Sommer muss man enorm aufpassen: Segler, Surfer und überall Schwimmer, die den See überqueren wollen.“

Und immer einen Schritt vorausdenken, wie so ein Segelboot reagiert: „Denn an der Sorpe gibt es tückische Fallwinde, das muss man immer im Blick ­haben. Denn wir können nicht einfach bremsen. Wenn ich fahre, dann bin ich verantwortlich für die Passagiere. Wir haben hier am Ruder eine hohe Verantwortung.“ Auch für das Schiff ist der Wind eine Gefahr, denn bei über 300 qm Breitseite ist es sehr anfällig und kann seitwärts gedrückt werden.

Viele menschliche Kontakt

Dennoch macht es Reinhold Lübke, nicht zuletzt wegen der vielen menschlichen Kontakte, weiterhin Spaß. Auch wenn die Arbeitstage ja nicht nur aus dem Steuern des ­Schiffes bestehen: Schon eine Stunde vor der ersten Fahrt, ab dem heutigen 1. Mai ab 11 Uhr, richtet er sich nach dem in der Ausbildung gelernten Stichwort „WOLKE“: „Wasser, Ölstände, Luft, Kraftstoff und Elektrik - das muss alles überprüft werden vor dem Start am Morgen.“ Dazu müssen die Rettungsringe raus, die Taue überprüft und die Signalglocke wieder angebracht werden. Abends dann alles umgekehrt.

Alle 400 Betriebsstunden Wartung

Außerdem steht die Reinigung der drei Decks an: „Das alles kann gut zwei Stunden dauern.“ Zusätzlich gibt es noch komplette Wartungen: „Die sind alle 400 Betriebsstunden fällig, also etwa vier Mal im Jahr.“

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