Serverausfall

Virus-Alarm in der Stadtverwaltung von Sprockhövel

Vor bald einer Woche versagten die Computerserver in der Stadtverwaltung Sprockhövel ihren Dienst – möglicherweise wegen eines Virus.

Vor bald einer Woche versagten die Computerserver in der Stadtverwaltung Sprockhövel ihren Dienst – möglicherweise wegen eines Virus.

Foto: Uli Deck / dpa

Sprockhövel.  Seit vergangenem Mittwoch leidet die Kommunikation zwischen Bürgern und Stadtverwaltung in Sprockhövel wegen lahmgelegter Computerserver.

Was passiert, wenn in einer Stadtverwaltung die Computerserver ihren Dienst verweigern, müssen Bürger wie Bedienstete der Stadt Sprockhövel seit Mittwoch leidvoll erfahren. „Wir haben erhebliche technische Probleme“, räumt Fachbereichsleiter Stephan Sturm, der bei der Stadt auch für EDV zuständig ist, ein. Um diesem Problem auf den Grund zu gehen, beauftragte er eine externe Firma mit der Behebung des Ausfalls, Unterstützung gibt es dabei durch die hauseigene kleine EDV-Abteilung.

Ursache ist weiterhin nicht geklärt

Seit Mitte der vergangenen Woche und auch übers Wochenende werde mit Hochdruck gearbeitet. Mittlerweile funktioniere das Mailsystem wieder, und wer Anfragen telefonischer Art an die Verwaltung habe, kommt auch wieder durch. Doch die Ursache ist noch nicht geklärt. „Einen abschließenden Bericht erwarte ich bis zum Wochenende“, sagt Sturm, der aber bestätigt, dass es sich wohl um einen Virus handele; ob die Stadtverwaltung von Sprockhövel Opfer eines Hackerangriffs geworden sei, stehe bislang noch nicht fest. „Bis wir da Klarheit haben, wird sich hier niemand spekulativ äußern.“

Stadt will Krisenmanagement verbessern

Liegen aber gesicherte Erkenntnisse vor, werde der Verwaltungsvorstand das Krisenmanagement für Fälle wie den vorliegenden überdenken. „Die Bürger können von uns erwarten, dass wir mit ihren Daten sorgsam umgehen und auch im Falle von Systemabstürzen ein hoher Sicherheitsstandard gewährleistet werden kann“, sagt der Verwaltungsbeamte. Der Fachbereichsleiter gibt in diesem Zusammenhang jedoch auch zu bedenken, dass Sicherheit im digitalen Zeitalter letztlich auch eine Kostenfrage sei. „Natürlich besteht technisch die Möglichkeit, einen Standard wie etwa bei der Nato einzurichten, das würde Sprockhövel aber finanziell nicht tragen können.“ Die totale Sicherheit gebe es nicht, das zeige ja auch der Ausfall des europäischen Navigationssatelliten-Systems Galileo in der vergangenen Woche aufgrund technischer Probleme.

Übergangsweise Rückkehr zur analogen Arbeit

Aber der Bürger müsse jetzt jedoch wissen: „Nach unserem Kenntnisstand sind keine Daten abgezogen worden“, betont Sturm. Nun hat ein Ausfall bei den Behördenservern weiterhin Auswirkung auf den Service, den die Stadt ihren Bürgern für gewöhnlich anbietet. „Wenn das Digitale seinen Dienst versagt, besteht aber die Möglichkeit, auf analoge Praxis der Vergangenheit zurückzugreifen“, so Sturm. Für die Bürger bedeutet das: Ihre Anliegen werden bis auf Weiteres bei den Sachbearbeitern handschriftlich auf Vordrucken aufgenommen. Sind die Reparaturarbeiten beendet, sollen alle Informationen, Anträge und sonstiges wieder digital eingepflegt werden. Wie haben die betroffenen Sprockhöveler auf den tagelangen Ausfall reagiert? Stephan Sturm berichtet von nur wenigen Fällen, wo Bürger kein Verständnis für die besondere Situation aufgebracht haben. „Ansonsten ist der Sprockhöveler eher relaxed.“

Kritiker sieht Sprockhövel schlecht aufgestellt

Ein von dieser Zeitung befragter IT-Berater aus Hattingen wundert sich, dass die Stadt Sprockhövel so lange zur Behebung des Serverproblems benötigt. „Ich vermute, dass die hauseigene EDV-Abteilung sehr schwach aufgestellt ist und zu spät fremder Sachverstand eingeholt wurde“, so der Experte. Wichtig sei in solchen Fällen, nichts unter den Tisch zu kehren. „Der sofortige Kontakt zur Bundesnetzagentur ist empfehlenswert, um auf das Problem aufmerksam zu machen.“

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