Lesercafé

Themen, bunt wie das Leben selbst

Jeden letzten Freitag im Monat begrüßt Redakteuer Matthias Spruck (r.) Leser wie Alexander Karsten und Gerdi Wagner im Lesercafé zu Gesprächen und einem Kaffee.

Foto: Bastian Haumann

Jeden letzten Freitag im Monat begrüßt Redakteuer Matthias Spruck (r.) Leser wie Alexander Karsten und Gerdi Wagner im Lesercafé zu Gesprächen und einem Kaffee.

Sprockhövel.   Das Lesercafé ist ein Gewinn für die Sprockhöveler und ihre Zeitung. Im vergangenen Jahr hat es sich bewährt und wird auch 2018 fortgesetzt.

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Im Idealfall befindet sich eine Lokalredaktion inmitten der Stadt, über die sie berichtet. Um den Lesern in Sprockhövel auch persönlich näher zu kommen, hat die Tageszeitung im zurückliegenden Jahr ein monatliches Lesercafé eingerichtet, ganz zentral, im Café Metamorphose am Busbahnhof in Niedersprockhövel.

Die Einladung gilt immer am letzten Freitag des Monats. Zwei Stunden lang, von 10 bis 12 Uhr, sind Kaffee, Tee oder Kaltgetränk vom Verlag spendiert, der Lokalredakteur vis-a-vis und ganz Ohr. Die Themen für die beiden folgenden Sprechstunden sind bunt wie das Leben selbst. „Chaotische Zustände bei der Grünschnittabgabe“, wird da geschimpft, von einem Konzert eines der Schittek-Chöre geschwärmt oder ein Lokalpolitiker frontal angegangen.

Blattkritik und Themenvorschläge

Die ersten beiden Kaffeerunden standen indes noch ganz im Zeichen der Blattkritik: „Warum schreiben Sie nicht mehr über die Umgehungsstraße“, fragte ein ehemaliger Leserbeirat im April, als die L70n noch auf eine juristische Bewertung am OVG Münster wartete. Eine Sprockhövelerin fand einige der abgedruckten Fotos zu groß, andererseits die Klassenbilder der i-Dötzchen zu klein.

Darüber ist das Lesercafé längst hinausgewachsen. Zu den Besuchern zählen mittlerweile einige Stammgäste, die über Aktuelles aus der zweipoligen Stadt debattieren möchten, zumal auch Kommunalpolitiker wie Rita Gehner (CDU), Alexander Karsten (Grüne) und Dirk Schulz (Piraten/MiS) häufiger dabei sind. „Was könnt ihr Politiker tun, damit sich hier mehr Gewerbe ansiedelt“, wurde im Sommer gefragt. Oder der Dauerbrenner: „Wie lange müssen wir noch diese Traglufthalle ertragen?“

Mitnehmen können alle etwas aus den Runden: Die Bürger, die sich Luft verschafft oder neue Erkenntnisse gewonnen haben – und der Lokalredakteur, der zusätzliche Themen gefunden, Stimmungen aufgenommen und nicht selten neue Gesichter kennengelernt hat. So zum Beispiel die von Heike Standke und Dorothea Lippa von der evangelischen Kirchengemeinde Haßlinghausen-Herzkamp-Silschede, die seit vielen Jahren Hilfspakete für notleidende Menschen im Kaukasus packen. Ihre ehrenwerte Sache wieder bekannter zu machen gelang der Zeitung.

Oder Helmut Dewald, der zum Ende des Zweiten Weltkrieges als kleiner Junge mit seiner Mutter aus dem heutigen Polen floh und nun nach Jahrzehnten in Sprockhövel den Mut sammelt, gemeinsam mit seiner Tochter eine Reise zu seinen Wurzeln anzutreten und seine erste Heimat zu besuchen. Diese bewegende Geschichte soll noch im Lokalteil erzählt werden.

Andere gehören der reichen Vereinsszene an. „Die Zeitung sollte mal über meinen Verein berichten, er ist nur wenigen bekannt und könnte mehr Mitglieder vertragen“, ist manchmal zu hören. So ist das Lesercafé ein Gewinn für alle, die ein bisschen Zeit investieren. Im neuen Jahr wird es fortgesetzt.

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