Brauchtum

Sprockhöveler empfinden Dankbarkeit nicht nur zu Erntedank

Freya Bölling und Karin Theegarten verkauften selbst gefilzte Herbstdeko beim Erntedankmarkt Herzkamp im vergangenen Jahr.

Freya Bölling und Karin Theegarten verkauften selbst gefilzte Herbstdeko beim Erntedankmarkt Herzkamp im vergangenen Jahr.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Am Sonntag wird auch in Sprockhövel der Ertrag der Landwirtschaft gefeiert. Doch welchen Stellenwert hat Dankbarkeit im Leben des Einzelnen?

Katholiken und Protestanten feiern am ersten Sonntag im Oktober das Erntedankfest. In den Gottesdiensten wird es um die Bewahrung der Schöpfung gehen, um die Gewissheit, dass Mensch und Natur eins sind, dass Gott es wachsen lässt, der Mensch erntet und teilt. Aber auch abseits des kirchlichen Umfeldes ist Dankbarkeit im Alltag ein tief gehendes Gefühl, das viele Menschen in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen empfinden.

Manche Ereignisse sind keine Selbstverständlichkeit

Dorothea Lippa ist gläubige evangelische Christin, die sich aufgrund einer positiven Lebenseinstellung über viele Dinge freut. Aber Dankbarkeit, sagt die Hiddinghauserin, sei in Erweiterung zur Freude sehr viel mehr. „Wenn ich morgens aus dem Fenster schaue und den Garten um unser Haus sehe, empfinde ich aufrichtige Dankbarkeit gegenüber meinem Vater, der das alles geschaffen und uns hinterlassen hat.“ Auch die Hochzeit der Tochter, die vor Kurzem gefeiert wurde, war für Dorothea Lippa nicht einfach nur ein schönes Ereignis. „Wir durften das erleben, und das ist doch keine Selbstverständlichkeit. Somit ist ein bleibendes Gefühl.“ Die Grundstimmung, die dadurch erzeugt werde, helfe auch über eher schwierige Zeiten hinweg. „Gut möglich, dass ich durch meinen Glauben eher geneigt bin, dankbar zu sein.“

Gesundheit als höchstes Gut

Auch Bodo Gollbach, in Sprockhövel weithin für die Stadtmeisterschaften in Skat bekannt, die er organisiert, weiß zwischen schönen Stimmungen im Alltag und Dankbarkeit zu unterscheiden. „Ich habe mein Leben lang immer meine Familie und deren Wohl im Blick gehabt. Die Tatsache, dass alle gesund sind, erfüllt mich wirklich mit Dankbarkeit“, sagt der Haßlinghauser. Ihn wundere manchmal, dass viele Menschen ihr Wohlbefinden an materielle Dinge hängen und in schwierigen Zeiten dann buchstäblich abstürzten. „Erst wenn körperliche oder geistige Gesundheit ernstlich in Frage gestellt sind, wächst die Erkenntnis, wie dankbar wir in gesundem Zustand sein können.“

Das Glück eines Tages mit der Familie

Auf eine ähnlich kurze Formel bringt es Nick Schulz vom Stammes-Vorstand der St.-Januarius-Pfadfinder. „Dankbarkeit stellt sich bei mir ein, wenn mit meiner Familie alles in Ordnung ist.“ Gerade verlasse er das Hallenbad – „ich habe einen Tag frei und kann ihn bei einer schönen Beschäftigung zusammen mit meinen Kindern genießen, das ist alles andere als selbstverständlich.“

Dankbar für die Fähigkeit, dankbar sein zu können

Dankbarkeit empfindet Anja Jensen weniger bei kirchlichen Veranstaltungen wie Erntedank. Die Mitwirkende in der Theatergruppe Schnick-Schnack in Niedersprockhövel sagt, Dankbarkeit entstehe, wenn man sich schöne Erlebnisse und Ereignisse bewusst mache. „Das sind oft Kleinigkeiten im Alltag“, führt die Sprockhövelerin aus: Wenn man sich etwa mit Freunden treffe „oder wenn ich es schaffe, mitten im Getümmel der vielen Aktivitäten eine Ruhepunkt zu finden, an dem ich für einen kurzen Moment aus dem Stress wegtauche“, sagt Anja Jensen. Wie Dorothea Lippa erwähnt auch sie ein Familienereignis, das sie mit Dankbarkeit erfülle: „Meine jüngste Tochter hat eine Ausbildungsstelle bekommen, nach vielen Bewerbungsversuchen.“ Überhaupt sei das Wohlergehen ihrer Kinder ein Lebensbereich, der sie immer wieder mit Dankbarkeit erfülle. Und letztlich, sagt Jensen, sei es auch ein Grund für Dankbarkeit, dankbar sein zu können.

INFO

Zum ersten Mal in der zwölfjährigen Geschichte der Pfarrei feiern die vier Gemeinden von St. Peter und Paul Herbede am 6. Oktober um 10 Uhr gemeinsam das Erntedankfest auf dem Bauernhof Krevert, Wittener Straße 292 in Hiddinghausen.

Zu der Pfarrei gehören St. Augustinus und Monika mit St. Liborius, St. Januarius, St. Josef und St. Peter und Paul mit St. Antonius.

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