Gleichberechtigung

Sie kämpft für Gleichbehandlung und Wahrnehmung von Rechten

Ina Zylla ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Sprockhövel.

Ina Zylla ist Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Sprockhövel.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Ina Zylla ist Gleichstellungsbeauftragte in Sprockhövel. Sie setzt sich gegen Diskriminierung ein und informiert zum Beispiel über Pflegeauszeit.

Vierzehn Jahre hat sie in der Personalabteilung der Stadt gearbeitet, schrieb schon am 1. Frauenförderplan mit. Seit einigen Monaten sitzt Ina Zylla nun fest im Sattel als Gleichstellungsbeauftragte. Zylla kämpft für die Gleichbehandlung von Männern, Frauen und allem dazwischen ebenso, wie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Außerdem erklärt sie, weshalb es so wenige Frauen in Führungspositionen gibt.

Gleichstellung von männlich, weiblich und divers

Wichtig ist es der 49-Jährigen, dass es nicht nur um Gleichstellung, sondern auch um Gleichbehandlung geht. Mittlerweile sei klar, dass es nicht nur weiblich und männlich gibt, sondern auch „divers“, was in Stellenausschreibungen berücksichtigt wird. Es bezeichnet zum Beispiel Personen, als Mädchen geboren wurden, sich aber dem weiblichen Geschlecht nicht zugehörig fühlen. Das gilt natürlich auch für Jungen, die sich in ihrem männlichen Körper nicht zu Hause fühlen. „Da darf es keine Diskriminierung geben“, sagt Zylla.

Jahrelang war sie Stellvertreterin der früheren Gleichstellungsbeauftragten und kennt die Arbeit schon seit Jahren. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin ist sie ausschließlich für die Verwaltung zuständig. Die Stelle strahlt also nicht mehr nach außen in die Bevölkerung.

Hilfe gegen häusliche Gewalt

„Früher konnten sich zum Beispiel auch Frauen, die häusliche Gewalt erfahren haben, an uns wenden. Das ist nicht mehr vorgesehen. Aber natürlich helfen wir weiter und können Kontaktadressen nennen, wenn wir um Hilfe gebeten werden.“

Ina Zylla passt auch auf, dass es keine sogenannte Sprungbeförderung gibt. Denn im Beamtenrecht ist nicht vorgesehen, dass eine Besoldungsgruppe übersprungen werden kann. Auch im Tarifbereich soll es fair zugehen. Schon bei den Ausschreibungstexten ist die 49-Jährige beteiligt.

Wenig weibliche Bewerber für Führungspositionen

Warum die Luft in den obersten, gut dotierten Arbeitsbereichen dennoch für Frauen dünn ist, darauf haben Ina Zylla und Fachbereichsleiter Stephan Sturm eine klare Antwort. Es lägen einfach zu wenige Bewerbungen vor. „Die Frauen müssen endlich mehr Mut haben, sich auf solche Stellen zu bewerben“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte.

Was sie zurzeit sehr beschäftigt, ist die Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf. Der Bereich würde ständig wichtiger. Viele, die Angehörige pflegen, können mittlerweile auf gesetzlicher Grundlage mal eine Auszeit von ihrer normalen Arbeit nehmen oder sich Pflegezeiten bei der Rentenberechnung gutschreiben lassen. Das wüssten aber viel zu wenige.

Wann Frauen und Männer im Job bevorzugt werden

Auf die Besetzung einer Ausbildungsstelle ist Ina Zylla besonders stolz. „Wir hatten vor einiger Zeit ein Mädchen, das unbedingt einen Ausbildungsplatz als Straßenwärterin haben wollte. Auf die Stelle hatten sich auch Jungen beworben, aber das Mädchen hat alle in den Schatten gestellt. Wir sind froh, dass wir sie genommen haben.“

Rechtlich ist die Lage so, dass eine Frau einen Arbeitsplatz bekommt, wenn sie in einem männerdominierten Bereich eine vergleichbare Qualifikation wie männliche Bewerber hat. Das gelte anders herum aber genauso. Wenn ein Mann gerne eine Stelle als Erzieher hätte, würde man ihn bei vergleichbarer Qualifikation vorziehen, wenn Männer unterrepräsentiert sind.

Auf ihrer 30-Stunden-Stelle widmet sich Ina Zylla 20 Stunden der Gleichstellungsarbeit und zehn Stunden dem Bereich Soziales und Integration.

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