Theater

Schnick-Schnack präsentiert Broadwayklassiker in Sprockhövel

Szene aus der Premierenveranstaltung „Mein Freund Harvey“ rund um den etwas merkwürdigen Elwood P. Dowd (l.).

Szene aus der Premierenveranstaltung „Mein Freund Harvey“ rund um den etwas merkwürdigen Elwood P. Dowd (l.).

Foto: Walter Fischer / Funke Foto Services GmbH

Sprockhövel.  Die preisgekrönte Theatergruppe Schnick-Schnack aus Sprockhövel hat ein neues Stück.. „Mein Freund Harvey“ ist kurzweilig und turbulent.

Der Herbst ist die Jahreszeit der Theateraufführungen. Seit Februar probt die Theatergruppe Schnick-Schnack unter der Regie von Ute Dessel den Broadwayklassiker „Mein Freund Harvey“ von Mary Chase, der durch die Verfilmung mit James Stewart im Jahr 1950 besonders bekannt wurde. Am vergangenen Samstag feierte das Stück im Evangelischen Gemeindehaus Premiere.

Erwachsenenstücke seit 2006

2006 wagte Schnick-Schnack mit dem „Foyer der Oper“ erstmalig den Versuch, ein Stück für Erwachsene zu inszenieren. Zuvor widmete sich die Theatergruppe primär dem Märchentheater. Das Stück war so erfolgreich, dass es im Jahr 2010 während der Kulturnacht der Evangelischen Kirchengemeinde als Programmpunkt des Kulturhauptstadtjahres noch einmal aufgeführt wurde. Mit ,,Mein Freund Harvey‘‘ wurde erneut ein Erwachsenenstück in zwei Akten inszeniert. Regisseurin Ute Dessel, die bereits seit 25 Jahren bei der Theatergruppe mitwirkt und seit ein paar Jahren Regie führt, zeigt sich zufrieden: Für das vergangene Wochenende wurden bereits 120 Karten verkauft. Am nächsten Wochenende würden es vielleicht noch mehr werden. „Theater ist mein Hobby. Es ist vergleichbar mit Knete. Das schöne Gestalten macht mir einfach großen Spaß. Ich habe auch eine Ausbildung zur Sozialkünstlerin absolviert. Die Idee zu diesem Stück kam mir, als ich mit einer Freundin den alten Klassiker angeschaut habe. Unser Ziel ist es, ein verstaubtes Stück zu entstauben.“ Dass dies gelingt, merkt man vor allem an der Reaktion des Publikums, das sich sichtlich amüsierte.

Liebevolle Gestaltung der Bühne

Das Bühnenbild, die Möbel und die Kostüme sind sehr liebevoll gestaltet und originalgetreu im Stil der Fünfzigerjahre gehalten. Auch an das klassische Wahlscheiben-Telefon wurde gedacht. Zwischen den Szenen werden Schwarz-weiß-Videos eingespielt. „Das Stück ist kurzweilig“, sagt Ute Dessel. „Die Botschaft ist, dass es wichtig im Leben ist, gute Laune und Spaß zu haben – egal, ob man einen neben sich herlaufen hat.“ Nach dem Motto „Lieber glücklich als normal“ beweist die Komödie um den schrulligen Elwood und seinen unsichtbaren besten Freund, dass Verrücktheit sympathisch sein kann. Elwood P. Dowd (Phillip Sonnek) ist wohlhabend und hat Manieren. Sonderbar ist sein bester Freund Harvey, ein so genannter „Puka“. Dies ist ein Geist in Tiergestalt – in Elwoods Fall ein zwei Meter fünf großer, weißer Hase – den nur er sehen kann und der ihn zur Verwirrung seiner Mitmenschen ständig begleitet.

Der Bruder soll ins Sanatorium

Seiner Schwester Veta (Antje Mülders) und ihrer Tochter Mörtel May (in erster Besetzung Miriam Mülders) sind Elwoods Eigenarten ein Dorn im Auge. Für Mörtel ist Elwood der „größte Narr der Stadt“ und sie fragt sich, wieso er nicht einfach überfahren werden könne. Mutter und Tochter versuchen, Elwood vor ihrer vornehmen Familie zu verheimlichen. Den liebenswürdigen Elwood scheint dies nicht zu stören – er stellt seinen Freund Harvey, der einen Hut mit zwei Löchern für die Ohren trägt, allen vor und weist sie auch darauf hin, wenn sie ihm im Weg stehen. Um dem ein Ende zu bereiten, sieht Veta, die inzwischen sogar selbst manchmal den weißen Hasen sehen kann, nur einen Ausweg: Ihr Bruder muss in ein Sanatorium. Doch dann landet dort wegen der Diagnose von Dr. Sanderson (Holger Schleichert) versehentlich Veta statt Elwood und das Chaos nimmt seinen Lauf.

INFO

Die seit 2001 unter dem Namen Schnick-Schnack bekannte Theatergruppe der Ev. Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel steht unter der Leitung der Theaterpädagogin Anja Jensen und dem Techniker Daniel Wiese. Die Mischung aus Jung und Alt und deren herzlicher Umgang miteinander zeichnen die über 100 Personen starke Theatergruppe aus.

Weitere Termine der Aufführung „Mein Freund Harvey“: Donnerstag bis Samstag, 3. bis 5. Oktober, 19 Uhr. Sonntag, 6. Oktober, 16 Uhr. Karten zum Preis von zehn Euro inklusive einem Freigetränk gibt es an der Abendkasse oder in „Der Buchladen“ an der Hauptstraße.

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