Abfall

Schlechte Noten für Mülltrennung in Sprockhövel

Elisabeth Henne (l.) vom Ennepe-Ruhr-Kreis und Kollegin Karina Birka, hier bei der Kontrolle von Restmülltonnen im Frühjahr in Hattingen.

Elisabeth Henne (l.) vom Ennepe-Ruhr-Kreis und Kollegin Karina Birka, hier bei der Kontrolle von Restmülltonnen im Frühjahr in Hattingen.

Foto: Walter Fischer

Sprockhövel.   Bei Bio- und Grünabfällen liegt Sprockhövel deutlich unter dem Kreisdurchschnitt. Die Grünen regen die Einrichtung eines Arbeitskeises an.

Vorträge von Elisabeth Henne haben ihren ganz eigenen Charme und Unterhaltungswert. Doch was die Fachkraft für öffentlich-rechtliche Abfallwirtschaft des Ennepe-Ruhr-Kreises in der Sitzung des Sprockhöveler Umweltausschusses zum Thema Mülltrennung, Bio- und Grünabfälle vorbrachte, löste doch Besorgnis aus. Demnach liegt die Stadt mit rund 60 Kilogramm Bio- und Grünschnitt pro Jahr und Einwohner im Kreisvergleich deutlich hinten, der Kreisdurchschnitt mit 72 Kilogramm liegt merklich höher. Primus unter den kreisangehörigen Städten ist Witten mit 86 Kilogramm. „Damit befinden wir uns in Sprockhövel am vorläufigen Tiefpunkt einer Abwärtsentwicklung“, sagte Elisabeth Henne vor den Vertretern von Politik und Verwaltung.

Vergleichsweise schlecht ist die Bilanz Sprockhövels in diesem Bereich schon länger. 2013 hatte Hennes Abteilung den Verbrauchern daher systematisch in die Tonnen geschaut. „Unsere Stichproben haben wir medial begleiten lassen, auch der WDR hat die über die Trennmüdigkeit der Sprockhöveler berichtet“, sagt Henne. Die peinliche Prüfaktion zeitigte kurzfristig Wirkung, mehr Bürger forderten Biotonnen an, um ihren Müll künftig besser zu sortieren. Doch nach 62 Kilogramm Grünzeug pro Bürger im Jahr 2014 sank die Menge in den Folgejahren wieder. „Da die Gesamtmüllmenge ja nicht weniger wird, müssen Biomüll und Grünschnitt wohl wieder mehr im deutlich teurer zu entsorgenden Restmüll gelandet sein“, so Elisabeth Henne. Nun ist Mülltrennung ein Thema, das bei engagiertem Mittun Gewinn für alle Seiten bringt. „Die Müllgebühren können gesenkt werden, denn die Verbrennung von Restmüll kostet die Stadt 175 Euro pro Tonne. Weniger Falschbefüllung – weniger Gebühren.“ Und mit dem kreisweit aus Biomüll gewonnenen Gas wird zurzeit Strom für 2500 Haushalte gewonnen – das ist der ökologische Effekt, gibt Henne zu bedenken.

Einführung von Saisontonnen

Was kann Sprockhövel tun? „Jede Stadt muss zu ihrem eigenen Müllkonzept finden“, weiß die Entsorgungsexpertin. Wichtig sei, die Bürger mitzunehmen. In Witten scheint die Trennmoral gefördert worden zu sein, indem die Gebührensatzung verändert wurde: „Biotonne, Sperrmüll und Papierentsorgung sind hier kostenfrei, durch konsequent richtiges Befüllen schrumpft der Bedarf an teurer Restmüllkapazität“, sagt Henne.

In Sprockhövel hat die grüne Fraktion das Müllthema aufgegriffen. Im nächsten Umweltausschuss soll über die Einrichtung eines Arbeitskreises gesprochen werden. „Der Vortrag von Frau Henne hat deutliches Optimierungspotenzial dargelegt“, so Britta Altenhein. Elisabeth Henne begrüßt die Initiative. Ihr Debattenbeitrag für Sprockhövel: „Fordern Sie die Saisontonne für Gartenabfälle an. Die kostet nur im Sommer/Herbst Gebühren und fängt das zusätzlich anfallende Grün auf!“

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