Zahlungsunfähigkeit

Kunststoffwerk Bossel in Sprockhövel meldet Insolvenz an

Das Kunststoffwerk Bossel steht wegen Rückgangs der Umsätze vor der Notwendigkeit einer Sanierung.

Das Kunststoffwerk Bossel steht wegen Rückgangs der Umsätze vor der Notwendigkeit einer Sanierung.

Foto: Fischer / Funke Foto Services GmbH

Sprockhövel.  Der Folienhersteller aus Sprockhövel befindet sich in einer Liquiditätskrise. Der Geschäftsbetrieb soll aber uneingeschränkt fortgeführt werden.

Der Obersprockhöveler Folienhersteller Kunststoffwerk Bossel (KWB) hat jetzt beim Amtsgericht Essen Insolvenz beantragt. Geschäftsführer Alexander Wagner begründet diesen Schritt mit Umsatzrückgängen und Margenverschlechterungen bei den Kunden „in einem sehr engen Markt“. Das Ergebnis sei eine Liquiditätskrise, die es durch ein Sanierungskonzept zu überwinden gelte. Die Produktion laufe uneingeschränkt weiter, Ziel sei die Sicherung des Standortes und der Arbeitsplätze.

Unternehmen wurde 1969 gegründet

Die KWB-Geschäftsführung berichtet, das 1969 gegründete Unternehmen habe sich mit Unterstützung der Gesellschafter in den vergangenen Jahren auf dem zunehmend internationaler werdenden Markt ausgerichtet. KWB produziert mit deutschlandweit rund 100 Mitarbeitern Verpackungen für Brot- und Backwaren sowie Hygieneartikel. „Wir werden den eingeschlagenen Weg konsequent zur Restrukturierung nutzen und die Möglichkeiten des Insolvenzplanes einsetzen“, erklärt der zur Sanierung des angeschlagenen Unternehmens bestellte Geschäftsführer Tillmann Peeters. Es sei geplant, im Rahmen der Insolvenzplanes das Verfahren noch in diesem Jahr zu beenden. Die beantragte Eigenverwaltung soll die Sanierung und Neuausrichtung des Unternehmens zum Abschluss gebracht werden. Durch die Neuausrichtung beabsichtige KWB, seine Marktstellung zu festigen.

2017 Wechsel in der Geschäftsführung

Das Kunststoffwerk Bossel war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Schlagzeilen geraten. Im Mai 2016 hatte der frühere Inhaber Bernd Knäpper angekündigt, sein Unternehmen zu verkaufen. Zur Jahreswende 2017 übernahmen dann die beiden Geschäftsführer Alexander Wagner und Stephan Lauer. Der Belegschaft war dieser Neubeginn nicht geheuer; die neuen Chefs wollten zunächst keine Angaben zu ihren bisherigen Tätigkeiten machen und die Mitarbeiter hatten vom Wechsel durch eine Mitteilung am schwarzen Brett erfahren. Der Arbeitgeberverband Chemie Westfalen gab bekannt, Wagner und Lauer seien Branchenfremde – Unternehmensberater und Finanzinvestoren. Beim Eintrag ins Handelsregister in München wurde das Firmenziel von den beiden neuen Chefs mit „Erwerb und Verwaltung von Beteiligungen im In-und Ausland“ sowie „Übernahme der persönlichen Haftung und Geschäftsführung bei Gesellschaften“ angegeben. Der Vorgänger Knäpper hat in der Übergangszeit noch als Berater zur Verfügung gestanden. Während seiner letzten Jahre vor der Übernahme hatte es im Betrieb Unfrieden gegeben, Belegschaft und Betriebsrat waren in zwei Lager gespalten. Dieser Konflikt hatte damit begonnen, als 80 Mitarbeiter von der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie zu Verdi wechseln wollten. Der Betriebsratsvorsitzende wurde daraufhin fristlos entlassen und bekam Hausverbot, 31 Gerichtsverfahren waren dann die Folge.

Großes Lob für die Mitarbeiter

Wagner und Lauer starteten dann 2018 mit ehrgeizigen Plänen. „Wahrscheinlich sind wir in unserer Sparte die Nummer eins“, hatte Lauer der WAZ im März 2018 mitgeteilt. Er lobte die Mitarbeiter damals in den höchsten Tönen: „Flexibilität je nach Arbeitsaufträgen haben die Mitarbeiter in den Genen.“ Doch jetzt mit der Insolvenz zeigt sich, dass der Betrieb am Leveloh 7 nicht zur Ruhe kommt.

INFO

Eine Insolvenz bezeichnet die Situation eines Schuldners, seine Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Gläubiger nicht erfüllen zu können. Die Insolvenz ist gekennzeichnet durch akute Zahlungsunfähigkeit („Illiquidität“ oder mangelnde Liquidität) oder drohende Zahlungsunfähigkeit, die aus Überschuldung abgeleitet werden kann.

Die Zahlungsunfähigkeit kann faktisch festgestellt werden, wohingegen die Überschuldung als Ergebnis ökonomischer Einschätzungen (ggf. unter Einhaltung buchhalterischer Vorschriften) nicht immer eindeutig ist.

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