Sozialetat

Kosten für Jugendhilfe in Sprockhövel explodieren

Eine Außenwohngruppe wird auch durch den städtischen Sozialetat finanziert. In Sprockhövel gibt es jüngst einen erheblichen Mehraufwand im Bereich der Kinder,- Jugend- und Familienhilfe.

Eine Außenwohngruppe wird auch durch den städtischen Sozialetat finanziert. In Sprockhövel gibt es jüngst einen erheblichen Mehraufwand im Bereich der Kinder,- Jugend- und Familienhilfe.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  In Sprockhövel sind die Fälle bei Hilfeleistungen stark angestiegen. Der Mehrbedarf von 1,4 Millionen Euro kann jedoch weitgehend gedeckt werden.

In allen Kommunen schlägt der Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe besonders teuer zu Buche. In Sprockhövel steht die Verwaltung aktuell vor der Herausforderung, aufgrund deutlich angestiegener Fallzahlen seit Juli eine Finanzierungslücke in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro überbrücken zu müssen.

Planungen erwiesen sich als nicht zutreffend

Die zuständige Fachabteilungsleiterin Evelyn Müller berichtete im Fachausschuss, es sei eine erhebliche Diskrepanz zwischen den im vergangenen Jahr für 2019 prognostizierten Fallzahlen in Einrichtungen (Mehrkosten bis Jahresende: 616.000 Euro) sowie außerhalb von Einrichtungen (+632.000 Euro) sowie in der Kindertagespflege (+161.000 Euro) entstanden. „Bis Ende Juli lagen wir wie veranschlagt gut im Plan, dann wurden es sprunghaft mehr Fälle, die wir laut Sozialgesetzbuch zu finanzieren verpflichtet sind“, berichtete Müller.

Beispiel Heimerziehung

Die Beamtin veranschaulichte das Problem an einem prägnanten Bespiel im Bereich der Heimerziehung: Im vergangenen Jahr wurde mit drei Fällen für 2019 geplant, doch stiegen die Fälle 2018/19 auf aktuell acht, zwischendurch sogar auf elf. Die durchschnittlichen monatlichen Kosten einer solchen Hilfe bewegen sich je nach Betreuungsintensität und Personalausstattung zwischen 4500 und 8000 Euro. „Dabei sind Gründe der Sicherstellung des Kindeswohls und die Umsetzung des Schutzauftrags ausschlaggebend für diese intensive pädagogische Intervention gewesen“, führte Evelyn Müller aus. Allein in diesem dargestellten Aufgabenbereich beträgt der Mehrbedarf bis Ende des Jahres 263.664 Euro.

Ansprüche an die Jugendhilfe sind gewachsen

Ilse Crefeld, Leiterin des städtischen Jugendamtes, versuchte für die verblüfften Ausschussmitglieder eine Einordnung des Sachverhaltes vorzunehmen. „Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel, und die Ansprüche an die Jugendhilfe sind gewachsen. Immer mehr Erwachsene sind nicht mehr oder nur eingeschränkt in der Lage, ihre Kinder richtig zu erziehen.“ Hinzu kommen vielfältige Formen der Behinderung, Adoptions- und Pflegeeltern-Sachverhalte, Einzel- und Gruppenbetreuungen. Somit seien Hilfen des Staates zur Erziehung stets Pflichtleistungen. „Wir sind schon froh, wenn Eltern zu uns ins Amt kommen und von ihren Problemen berichten“, sagte Crefeld. Schlimmer – und teurer – werde es, wenn Kinder sprichwörtlich „in den Brunnen gefallen“ seien, und verfahrene Situationen aufwändig „repariert“ werden müssen.

Beispiel Integration

Andere Handlungsfelder der Betreuung wiederum sind durch politische Entscheidung überhaupt erst entstanden: Ilse Crefeld führt da die Eingliederungshilfe an, die im Zuge der Integration geleistet werde. „Eltern haben heute das Recht, ihre behinderten Kinder an Regelschulen unterrichten zu lassen, da stellen wir als Stadt zusätzliche Integrationshilfen für den Unterricht bereit.“

Deckung durch Minderausgaben und Mehreinnahmen

Die besagten 1,4 Millionen Euro werden den städtischen Haushalt jedoch nicht mit voller Wucht erreichen. Im Gesamtkomplex der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe gibt es auch Mehreinnahmen für die Stadt, andererseits auch Minderausgaben, die zur Deckung der finanziellen Mehrbelastung dienen werden. Etwa bei den Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz seien spürbar weniger Ausgaben aufgelaufen, so dass am Ende vom Millionenbetrag ein Minus in Höhe von etwa 140.000 Euro noch zu verkraften ist.

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