Benimmkursus

Hauptschüler erlernen das perfekte Benehmen

Andrea Leimann leitet den Kursus und zeigt den Schülern, was unterschiedliche Körperhaltungen (Hände in die Hüften gestemmt) für eine Wirkung haben.

Andrea Leimann leitet den Kursus und zeigt den Schülern, was unterschiedliche Körperhaltungen (Hände in die Hüften gestemmt) für eine Wirkung haben.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Wie trete ich beim Vorstellungsgespräch auf? Wie verhalte ich mich? Die Zehntklässler der Hauptschule in Sprockhövel lernten es im Seminar.

Am Ende ihrer Schullaufbahn haben die meisten Schüler der Mathilde-Anneke-Schule klare Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft. Doch vor dem Traumjob kommen Bewerbung und Vorstellungsgespräch – für manche eine große Hürde. Ein Benimm-Kursus der Malteser will da Hilfestellung leisten.

Trainerin drängt zur Entscheidung

25 Zehntklässler begannen am Mittwoch ihr letztes Schuljahr gleich mit einer Seminar, das ihnen helfen soll, mit „perfektem Auftritt“, so der Titel, ins Berufsleben zu starten. Schon die Altvorderen wussten: Wie du kommst gegangen, so wirst du auch empfangen. Und obwohl Schulen immer mehr auch Erziehung da leisten müssen, wo die Elternhäuser ausfallen, sind es Institutionen wie die Malteser, die bereits seit zehn Jahren die Vermittlung des ordentlichen Auftretens und Verhaltens schulen und so benachteiligte Schulabsolventen fit machen. In zwei Gruppen aufgeteilt waren es die ehrenamtlichen Kräfte der Malteser, Andrea Leimann und Rosemarie Gurski, die die gut motivierten Hauptschüler an die Hand nahmen. „Viel Zeit habt ihr nicht mehr, ihr müsst euch klar werden, was ihr lernen wollt“, kommentierte Leimann nach der Vorstellungsrunde ihrer Schützlinge, als deutlich wurde, dass immerhin drei Schüler von einem Dutzend aktuell noch keine rechte Vorstellung von ihrem Wunschberuf haben.

Wohltuende Kompetenz im Umgang mit den Schülern

Zahnarzthelferin, Landschaftsgärtner, Kfz-Mechatroniker, Einzelhandelskaufleute, „irgendwas Kreatives“ – so sahen sich die übrigen Mitschüler. Hier gab es bereits die erste Korrektur: „Bitte laut und deutlich sprechen!“, forderte Andrea Leimann auf, die früher als Vorstandsassistentin der Geschäftsführung in einem Konzern gearbeitet hat und während des Seminars eine wohltuende Kompetenz im Umgang mit den Schülern bewies. Zwei jeweils dreieinhalbstündige Seminartage, der zweite in der kommenden Woche mit Unterstützung der Schauspielerin Maria Wolf, dann zum Schluss mit freundlicher Unterstützung der Sparkasse Sprockhövel ein Abschlussessen im Steakhaus Rose, wo die Anneke-Schüler nach Unterweisung auch in gelebter Tischkultur an einem schön gedeckten Tisch sitzen, ohne Handy, eine Unterhaltung mit dem Tischnachbarn führen. Da wird sich zeigen, was die Schüler gelernt haben.

Handschlag üben, ein freundliches Gesicht

Aber bis dahin geht es um die Verinnerlichung von allerlei Regelwerk, unter anderem um schlichte Begrüßungsregeln: Da ließ Trainerin Leimann jeweils zwei Schüler den Handschlag üben, „bitte dabei anschauen, ein freundliches Gesicht machen.“ Der Abstand müsse stimmen – „nicht anmaßend nah herantreten, aber auch nicht zu weite Distanz halten.“ Das musste einige Male wiederholt werden, bis die Situation angemessen gemeistert werden konnte. Körperhaltung, Aufmerksamkeit, „Arme in die Hüften geht gar nicht, auch nicht die Beine über Kreuz im Stehen“, vermittelte die Trainerin: Beim ersten werde eine Bedrohung geäußert, beim zweiten eine Unsicherheit.

Verzicht auf Umgangssprache

Einige Zeit verwandte Andrea Leimann darauf, überzeugendes Sprechen zu vermitteln: Insbesondere anhand der Beispiele von Namen der Mitschüler mit Migrationshintergrund zeigte sie, wie wichtig die deutliche Aussprache sei. „Egal, ob am Telefon oder beim direkten Zusammentreffen mit Personalverantwortlichen sollten Namen klar rüberkommen und auf Umgangssprache wie ,Hörma, Komma, oder Kannsse mal’ sollte unbedingt verzichtet werden“, riet sie. In der Anfangsphase des Seminars war ein gewisses Maß an Schüchternheit der Schüler da hinderlich, später jedoch wuchs die Selbstsicherheit bei den Kandidaten.

INFO
Auch der Umgang mit Sozialen Medien wurde im Zusammenhang mit der Kommunikation thematisiert.

Zum Ende des Seminars werden die Zehntklässler der Mathilde-Anneke-Schule ein Zertifikat über den Benimm-Kursus der Malteser erhalten.

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