Flüchtlingsunterbringung

Freie Plätze: Sprockhövel will Flüchtlingscontainer abbauen

Die Flüchtlingscontainer der Anlage Merklinghausen in Sprockhövel sollen reduziert werden, weil zu viele Plätze nicht belegt sind. Foto:

Die Flüchtlingscontainer der Anlage Merklinghausen in Sprockhövel sollen reduziert werden, weil zu viele Plätze nicht belegt sind. Foto:

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  In den fünf Flüchtlingsunterkünften in Sprockhövel gibt es einen Leerstand von 104 Plätzen. Jetzt soll Merklinghausen verkleinert werden.

Die Stadt Sprockhövel erwägt, überschüssige Kapazitäten bei den Flüchtlingsunterkünften abzubauen. Konkret lautet der Vorschlag, am Standort Merklinghausen eine Containerreihe zu entfernen. Im Sozialausschuss informierte Fachabteilungsleiterin Evelyn Müller über die aktuellen Belegungszahlen: 155 Asylbewerber befinden sich aktuell noch in Sprockhövel, 32 von ihnen in selbst angemieteten Wohnungen, 13 zur Miete in Wohnungen der Zentralen Gebäudebewirtschaftung (ZGS), 73 in Gemeinschaftsunterkünften und 37 Personen in Wohncontainern.

Hinzu kommen, so Müller, 21 Personen als so genannte Fehlbeleger, die auch in städtischen Gemeinschaftsunterkünften oder Containern wohnen, obwohl sie mittlerweile Grundsicherung vom Jobcenter beziehen oder über ein so hohes Einkommen verfügen, dass sie keine Hilfeleistungen mehr erhalten. „Das ist ein Personenkreis, der auf dem nahezu leer gefegten freien Markt keine geeignete Wohnung gefunden hat“, sagt Müller.

Merklinghausen im Fokus der Stadt

Ein Blick auf die Grafik zeigt: An allen fünf Standorten der Gemeinschaftsunterkünfte gibt es freie Plätze – 104 insgesamt im Stadtgebiet. Die Stadt hat aber Merklinghausen in den Blick genommen: Hier leben 28 Personen, doch Kapazitäten gibt es hier für 90, so dass tatsächlich 62 ungenutzt bleiben. „Unser Vorschlag ist, eine Containerreihe mit 30 Plätzen abzubauen“, sagt ZGS-Chef Ralph Holtze.

Laut seinen Berechnungen ergäben sich Einsparungen von jährlich 76.000 Euro, also 6334 Euro monatlich. Zur Kalkulation gehören auch Abbaukosten in Höhe von 17.000 Euro, wobei alle Versorgungsleitungen liegen bleiben sollen für den Fall, dass die Containerreihe aufgrund höherer Zuweisungen von Flüchtlingen wieder zunähmen. Dann fielen gut 40.000 Euro Aufbaukosten an. „Damit ein Einspareffekt entsteht, müssen zwischen Abbau und Wiederaufbau mindestens neun Monate Zeit vergehen“, rechnet Holtze vor.

Bezirksregierung gibt keine Prognose

Die zentrale Frage, vor der die Verwaltung nun steht, ist die: Mit wie vielen Neuaufnahmen von Flüchtlingen muss Sprockhövel rechnen? Die Entscheidungen hierüber trifft die Bezirksregierung in Arnsberg. Anfang Mai hat sie mitgeteilt, dass Sprockhövel bei der Zuweisung von Asylbewerbern zwar eine Erfüllungsquote von 86 Prozent aufweise und damit für diese Personengruppe eine Aufnahmeverpflichtung von 15 Personen bestehe, für die andere Gruppe von Menschen mit gesichertem Flüchtlingsstatus prognostiziert die Bezirksregierung bis zu 50 Neuzugänge. Im Ergebnis also 65 Personen – aber: „Aussagekräftige Prognosen“ können nicht getroffen werden, Planungssicherheit für Sprockhövel beim Thema Unterbringung von Flüchtlingen gebe es nicht, da es letztlich weltpolitische Ereignisse sind, die neue Flüchtlingswanderungen auslösen können.

Nachfragen kritischer Bürger

Vor diesem Hintergrund warben Müller und Holtze darum, auf Erfahrungswerte im Rückblick auf die vergangenen Monate zu vertrauen. „Im letzten halben Jahr sind uns gerade mal 18 Personen aus Arnsberg zugewiesen worden“, berichtet Müller; das Risiko, zu wenig Kapazitäten vorzuhalten, scheint beherrschbar. Ratsfrau Helga Wieland-Polonyi (WfS) brachte in den Ausschuss zudem Erkenntnisse aus ihren Bürgerkontakten ein. „Viele Sprockhöveler können es nicht verstehen, wenn teuer zu unterhaltende Flüchtlingseinrichtungen leer stehen. So etwas ist leider sehr geeignet, die Populisten auch in unserer Stadt zu stärken.“ Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung einstimmig mit dem Abbau einer Containerreihe.

KOMMENTAR

Die Kalkulation von Flüchtlingsunterkünften ist für jede Stadtverwaltung eine Rechnung mit einigen Unbekannten. Die Fehlplanung mit der teuren Traglufthalle hat gezeigt, wie sehr auch vorausschauendes Verwaltungshandeln daneben liegen kann.

Insofern ist es wichtig, die Auslastung der Kapazitäten im Blick zu behalten. Merklinghausen fällt mit 62 leeren Betten besonders auf, hier zu reduzieren und auf längere Sicht (hoffentlich) Geld einzusparen, war eine gute Entscheidung für eine Kommune, deren Haushalt gerade wieder eine Sperre gesetzt bekam.

Flüchtlinge kosten Geld, Investitionen in ihre Integration helfen ihnen und sichern die Akzeptanz in der Bevölkerung. Teure leere Wohncontainer hingegen belasten das Flüchtlingsthema unnötig.

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