Trödelmarkt

Familiäre Atmosphäre auf dem Trödelmarkt in Sprockhövel

Der Frühjahrströdelmarkt in Haßlinghausen war bei gutem Wetter wie immer sehr gut besucht. Foto:

Der Frühjahrströdelmarkt in Haßlinghausen war bei gutem Wetter wie immer sehr gut besucht. Foto:

Foto: Barbara Zabka / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Zweimal im Jahr lädt der Werbering Haßlinghausen zum Großereignis Trödelmarkt auf die Mittelstraße ein.

Ein paar Schuhe für fünf Euro – gekauft. Zehn Kinderbücher für zwei Euro – gekauft. Drei T-Shirts für nur 10 Euro – gekauft. Tütenweise tragen die Besucher des Haßlinghauser Trödelmarktes ihre Schnäppchen nach Hause. Das Sortiment reicht wie immer vom Spielzeugauto bis zur Küchenmaschine. Entlang der Mittelstraße geht es ums Feilschen, ums Bummeln und vor allem darum, Kontakte zu knüpfen.

Wilma Wiese (73) hat ihre kleinen Schätze auf einem wackeligen Tisch vor sich ausgebreitet. Sie verkauft heute alles, was der Hausstand so her gibt. Sie kann diese Dinge nicht mehr gebrauchen. Aber vielleicht können das ja andere. Oberteile in großen Größen liegen sorgsam gefaltet neben hochwertigen Designergeldbörsen. Hemden, Blusen und Jacken baumeln an Kleiderbügeln. Auch Bücher und CDs liegen aus zum Verkauf. Die Skulptur einer weißen Katze rundet das Bild ab.

Stand um 7 Uhr aufgebaut

Heute Morgen um sieben Uhr hat sie ihren Stand aufgebaut. Nach nicht einmal zwei Stunden waren bereits alle Männerhemden ausverkauft. „Trödelmärkte sich tatsächlich immer noch aktuell. Die billige Ware aus dem Ausland ist da keine große Konkurrenz. Und das, obwohl die Deutschen ja ganz gerne mal nur auf das Geld achten.“ Für die Rentnerin kann es dafür nur einen Grund geben: „Die Atmosphäre hier in Haßlinghausen. Alles ist ganz familiär. Ich treffe immer wieder nette Leute und führe tolle Gespräche.

Schuhe für den Enkel

Auf große Flohmärkte gehe ich gar nicht gerne.“ Eva Scherwat (55) blickt interessiert auf den Stand von Wilma Wiese. Ihre Freundin sucht nach Büchern, sie dagegen möchte sich nur umsehen. „Ich wohne gleich um die Ecke. Immer, wenn hier etwas los ist, zieht es mich vor die Tür.“ Auch sie hat auf dem Trödelmarkt schon einige neue Bekanntschaften gemacht. Ein Schnäppchen hat sie außerdem ergattern können: „Ein Paar Schuhe für meinen Enkel. Dasselbe suche ich jetzt noch für Mädchen.“ Mit diesen Worten macht sie sich auf den Weg zum nächsten Stand.

Feilschen gehört immer dazu

Ein Verkaufszelt fällt besonders auf: Sabine Hehemann-Brunnerts (56) Ware kann man unmöglich als Trödel bezeichnen. Sie möchte Wolle, geschnitzte und bemalte Figuren und Gehäkeltes unter die Leute bringen. Feilschen gehört für sie trotzdem dazu. „Das ist auf einem Trödelmarkt ja praktisch Pflicht. Wolle hat zwar oft ihren Festpreis, aber meistens lasse ich doch mit mir reden.“ Obwohl ihre Ware neuwertig ist, sieht sie sich den anderen Verkäufern gegenüber nicht im Vorteil. „Wolle gibt es ja an keinem anderem Stand. Da entsteht auch keine Konkurrenz. Wir Anbieter verstehen uns alle super. Im Grunde geht es ohnehin um den Spaß an der Sache.“

Bedarf an Second-Hand-Ware ist groß

Gerade bedient Sabine Hehemann-Brunnert eine Kundin, die auf der Suche nach altroséfarbener Wolle ist. Daraus sollen einmal Socken entstehen. „Die Farbe ist leider sehr selten und schwer zu kriegen“, muss die Verkäuferin zugeben. Sie stellt fest: „Aber sonst gibt es hier ja nichts, was es nicht gibt. Ich habe den ganzen Vormittag beobachtet, wie unzählige Leute unzählige Paare Schuhe anprobiert haben. Das finde ich unglaublich.“ Der Bedarf an Second-Hand sei nach wie vor groß. Hehemann-Brunnert: „Das ist auch der Vorteil des Handels im Laden oder auf dem Trödelmarkt gegenüber dem Internet. Man kann sich die Sachen genau angucken, sie anfassen und anprobieren.“

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