Rathaus-Computer

EDV-Virus: Stadtverwaltung Sprockhövel bleibt im Krisenmodus

Die Stadtverwaltung plagt sich immer noch mit den Auswirkungen eines Computervirus’, das Mitte vergangener Woche die meisten digitalen Funktionen in der Verwaltung lahmgelegt hatte.

Die Stadtverwaltung plagt sich immer noch mit den Auswirkungen eines Computervirus’, das Mitte vergangener Woche die meisten digitalen Funktionen in der Verwaltung lahmgelegt hatte.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Sprockhövel.  Nach dem EDV-Virenbefall hat die Stadtverwaltung Sprockhövel ihre Probleme noch nicht im Griff. Das könnte bis zum Ende der Schulferien dauern.

Die Sprockhöveler Stadtverwaltung bleibt beim Thema EDV weiterhin im Krisenmodus. Seit Mittwoch vergangener Woche gibt es massive Probleme mit einem Computervirus mit zerstörerischer Wirkung auf die meisten digitalen Arbeitsbereiche der Verwaltung. Zwar hatte Fachbereichsleiter Stephan Sturm am Dienstag gegenüber dieser Zeitung angekündigt. die von ihm mit der Behebung der technischen Probleme beauftragte externe Firma werde bis zum Wochenende einen Abschlussbericht vorlegen. Doch jetzt am Freitag musste Sturm nüchtern feststellen, dass eine völlige Wiederherstellung aller Funktionen noch bis voraussichtlich Ende der Sommerferien in Anspruch nehmen könnte.

Normalisierung schreitet voran

„Fortschritte können wir im Bereich der E-Mail-Verkehrs vermelden, die Bürgerbüros arbeiten bis auf den Bereich der Aktivierung von Ausweisen wieder normal“, berichtet Sturm. Glücklicherweise könne das Rathaus in diesem Bereich auf die Unterstützung der Stadtverwaltung in Gevelsberg bauen, damit die Ausgabe von Pässen und Personalausweisen stattfinden könne. „Weitere Schwierigkeiten haben wir derzeit noch in der Finanzabteilung, im Lohnbereich und bei der Zeiterfassung“, berichtet Sturm. Auch im Bereich Bauen hakt es bei einem wichtigen Computerprogramm, so dass etwa Pläne nicht ausgedruckt werden können. 650 Computer müssen die Mitarbeiter der EDV-Abteilung neu installieren.

Rückkehr zu handausgefüllten Formularen

Nun läuft der Betrieb trotz aller Ausfälle am Rathausplatz aber weiter. Die Verwaltungsmitarbeiter sind in der derzeitigen Ausnahmesituation dazu übergegangen, wieder analog zu arbeiten: Vorgänge werden per Hand auf Formularen aufgeschrieben, „hinzu kommt, dass wir die auflaufenden Daten aus der Datensicherung wiederherstellen müssen“, sagt Stephan Sturm. Stau also – die Auflösung werde Zeit in Anspruch nehmen.

Kundenfreundlichkeit hat gelitten

Offensichtlich hat in der Stadtverwaltung neben der Technologie aber auch die Kundenfreundlichkeit des Personals zwischenzeitlich gelitten. Die Haßlinghauserin Regina Lange berichtet von einer 19-Jährigen, die kurzfristig eine Urlaubsflugreise für den 17. Juli gebucht hatte. Doch ihr Personalausweis lief eine Woche früher ab, und so versuchte sie am Tag nach Auftreten des Computervirus’, sich einen vorläufigen Ausweis ausstellen zu lassen. „Sie wurde dann immer wieder vertröstet, am nächsten Tag wiederzukommen, weil dann die technischen Probleme behoben seien“, berichtet Regina Lange. Mal vormittags, dann wieder nachmittags gab es neue Termine, der Reisetermin rückte näher und bei der jungen Frau wuchs die Angst, ihre Reise gar nicht antreten zu können.

Bürgerin wollte sich in Gevelsberg helfen lassen

Lange schaltete sich ein, bat bei der Verwaltung um eine Erledigung des Falles durch eine benachbarte Stadtverwaltung. „Sehr unhöflich wurde mir durch eine Mitarbeiterin am Telefon erklärt, das dies allein durch eine Ermächtigung der Stadt Sprockhövel erfolgen könne“, so Lange. „Meine Bitte zwei Tage vor Reisebeginn, uns doch den Gefallen zu tun, die Ermächtigung auszustellen, wurde abgelehnt: Heute nicht, morgen!“ Zwei Tage vor der Reise reagierte die Verwaltung dann doch noch wunschgemäß, und Gevelsberg konnte auf den allerletzten Drücker noch ein Übergangsdokument für die 19-Jährige ausstellen. „Ich bin über die Behandlung sehr verärgert und auch darüber, dass das Bürgerbüro selbstständig nicht in der Lage war, eine alternative Lösung für die in Bedrängnis geratene Bürgerin anzubieten“, sagt Regina Lange. Die Haßlinghauserin führt noch ein weiteres Beispiel eines Bürgers an, der einen Reisepass abholen wollte und während der Öffnungszeiten vor verschlossenen Türen stand. Nachdem er geklopft habe, teilte man ihm mit, wegen technischer Probleme sei heute geschlossen.

Stadtverwaltung will Öffentlichkeit informieren

Regina Lange kritisiert, die Stadt habe es versäumt, die Bürger über die schwierige Situation zu unterrichten – und sei es auch nur handschriftlich auf Papier an den Eingangstüren.

Zumindest hier gibt es ein Einsehen bei der Verwaltung: „Wenn wir hier wieder alles im Griff haben, werden wir den Kontakt zur Öffentlichkeit suchen und umfassend über den Störfall informieren“, verspricht Fachbereichsleiter Stephan Sturm.

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