Literatur

Der „Handtaschendoktor“ schreibt einen ganz besonderen Roman

David Usadel mit seinem Roman. Der Wittener hat meistens frühmorgens vor der Arbeit geschrieben und während eines zweimonatigen Aufenthalts in Neuseeland – in einem Häuschen mit Blick aufs Meer.

David Usadel mit seinem Roman. Der Wittener hat meistens frühmorgens vor der Arbeit geschrieben und während eines zweimonatigen Aufenthalts in Neuseeland – in einem Häuschen mit Blick aufs Meer.

Foto: Usadel

Sprockhövel/Witten.  Arzt David Usadel mit Praxis in Sprockhövel, der auch Taschen designt, hat einen Roman über Hochsensibilität geschrieben – schön und schrecklich.

Schmetterlinge in Pastelltönen flattern über das Cover. Ein ungewöhnlicher Inhalt verbirgt sich dahinter. Denn in dem vor wenigen Wochen erschienenen Roman „Die Ordnung der Schmetterlinge“ geht es um Hochsensibilität. Geschrieben hat ihn David Usadel. Der Mediziner mit Praxis in Sprockhövel, der nebenbei auch Handtaschen designt, ist jetzt unter die Schriftsteller gegangen.

Er habe mal wieder eine neue Herausforderung gesucht, sagt der 37-Jährige. „Ich lese gern, mag Märchen und habe viel Fantasie.“ Als Arzt liege ihm das Thema Hochsensibilität am Herzen. Menschen, die davon betroffen sind, seien sehr feinfühlig. „Sie nehmen sämtliche Reize, also etwa Gerüche, grelles Licht oder Geräusche, viel intensiver wahr“, erklärt Usadel. „Sie sind oft schreckhaft, fühlen sich überfordert und ziehen sich zurück.“ Ihr Umfeld nehme diese Reaktion selten ernst.

„Meine größte Stärke ist es, Menschen zuzuhören“

Schon als Hausarzt habe er Patienten mit diesen Symptomen gehabt – und gemerkt, „dass es meine größte Stärke ist, Menschen zuzuhören und sie zu verstehen“, sagt David Usadel. Deshalb auch hat er seinen Job als Allgemeinmediziner an den Nagel gehängt, sich weitergebildet und im Dezember 2018 eine eigene Praxis für Psychotherapie in Sprockhövel eröffnet. Um auch jenen helfen zu können, die nicht in der Lage sind, sich einem Therapeuten zu öffnen, habe er das Thema Hochsensibilität in einem Buch verarbeitet. Auch Angehörige würden nach der Lektüre die Betroffenen besser verstehen, davon ist Usadel überzeugt.

Dass es keine Fachliteratur geworden ist, sondern ein Roman, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. „Fachbücher darüber gibt es viele, auch echt gute.“ Doch über die sachliche Ebene könne man die Menschen oft nicht so gut erreichen. „Die belletristische Form ist viel emotionaler und bildreicher.“ Die Resonanz gibt ihm recht.

Hochsensible Menschen erkennen sich in der Hauptfigur wieder

„Ich habe total viele Rückmeldungen bekommen. Von Menschen, die beim Lesen stundenlang weinen mussten.“ Usadel nimmt das als Bestätigung, dass sein Plan, die Heilkraft der Sprache zu nutzen, funktioniert. Hochsensible Menschen erkennen sich in Coco, der Hauptfigur, wieder. Sie erfahren, so der Autor, dass es andere gibt, denen es ebenso geht wie ihnen – „und dass sie so sein dürfen“.

Das Mädchen leidet unter seinem tyrannischen Vater, einem Alkoholiker, und stellt dennoch die eigenen Bedürfnisse zu dessen Gunsten zurück. „Hochsensibilität kann nicht nur vererbt, sondern auch durch ein Trauma ausgelöst werden“, so Usadel.

Auch für andere Leser besitzt der Roman Unterhaltungswert

Schließlich bricht Coco auf der Straße zusammen. Eine ältere Frau, die geheimnisvolle Zahra, nimmt sie in ihrem schlossähnlichen Haus auf. Dort kommt sie, geschützt von äußeren Einflüssen, zur Ruhe. „Ein Happy End war dabei ganz wichtig“, sagt Usadel. Doch mehr wird nicht verraten, denn auch für andere Leser besitzt die spannende Geschichte durchaus Unterhaltungswert.

Dass das sehr romantisch gestaltete Buchcover vermutlich eher Leserinnen anspricht, ist gewollt. „Frauen sind offener für so etwas“, sagt Usadel. Nicht zuletzt soll aber schlicht auf Anhieb erkennbar sein, dass „Die Ordnung der Schmetterlinge“ kein Fachbuch ist. Eine Fortsetzung ist übrigens schon geplant.

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