Stadtmeisterschaft

Beim Skat bleiben Erwachsene in Sprockhövel unter sich

Seit fast einem Vierteljahrhundert organisiert Bodo Gollbach Skat-Stadtmeisterschaften, seit zehn Jahren in Sprockhövel. Der Erlös wird traditionell gespendet.

Seit fast einem Vierteljahrhundert organisiert Bodo Gollbach Skat-Stadtmeisterschaften, seit zehn Jahren in Sprockhövel. Der Erlös wird traditionell gespendet.

Foto: Walter Fischer / Fischer / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  Zum zehnten Mal richtet Bodo Gollbach die Skat-Stadtmeisterschaft in Sprockhövel aus. Leider fehlt die Jugend, das Kartenspiel sterbe aus.

18, 20, zwei, null, vier – Spaß zu dritt mit 32 Spielkarten: Am kommenden Sonntag, 20. Oktober, wird die 10. Sprockhöveler Skat-Stadtmeisterschaft im Vorraum der Sporthalle Geschwister-Scholl-Straße in Haßlinghausen (Einlass ab 9.30 Uhr, Turnierbeginn um 11 Uhr) ausgetragen. Organisator ist einmal mehr Bodo Gollbach. Der 77-jährige Haßlinghauser hat das regionale Spitzentreffen der Kartenspieler 13 Jahre lang in Schwelm, dann seit zehn Jahren in Sprockhövel quasi im Alleingang auf die Beine gestellt. Aber der Job wird zunehmend schwerer.

Herr Gollbach, wer ist amtierender Stadtmeister im Skat?

Gollbach: Das ist Wilfried Greis aus Hemer. Sie sehen also, dass die Teilnehmer auch von weiter weg anreisen. Bester Sprockhöveler ist Dieter Leber. Ich hoffe, beide sind wieder dabei.

Wie viele Spielerinnen und Spieler erwarten Sie in Haßlinghausen?

Wir starten ohne Voranmeldungen, aber es werden zwischen 50 und 80 Spieler sein. Zuschauer gab es bislang übrigens aus Platzmangel nicht. Da wird jetzt aber in der Halle spielen, sind interessierte Zuschauer auch herzlich willkommen.

Sind auch jüngere Menschen dabei?

Ein trauriges Kapitel. Ich erinnere mich, dass früher über viele Jahre immer auch sehr junge Leute gekommen sind, die habe ich dann auch extra prämiert. Die letzten Male aber kamen keine mehr. Es gibt beim Skat keinen Nachwuchs mehr, dieses Kartenspiel stirbt aus! Und ich mache mir auch nichts vor: Wenn ich nicht überall in der Region bei Skatwettbewerben Flyer unserer Stadtmeisterschaften verteilt hätte und auch selbst angetreten wäre, dann gäb’s am Sonntag wahrscheinlich dünne Besetzung.

Früher luden Sie zum Skatkloppen regelmäßig in den Jägerhof ein. Der ist jetzt geschlossen, wo treffen sich die Spieler im Alltag?

Wir treffen uns jeden Samstag um 14 Uhr im Kolpinghaus in Schwelm, dazu am ersten und zweiten Donnerstag um 18 Uhr ebendort. Da finden sich Skatspieler aus einigen Nachbarstädten ein.

Kneipen sind akute Mangelware in Sprockhövel. Befördert das den Niedergang des Skatspiels zusätzlich?

Die Beobachtung ist richtig. Ungelogen, wir hatten vor 50 Jahren zig Kneipen im Stadtgebiet – und überall wurden begeistert Karten gekloppt. Irgendwie gehört das zusammen: die gesellige Atmosphäre mit einem Bierchen und das Blatt, das man spielt. Zu Hause im Wohnzimmer klappt das nicht so richtig.

Wie hoch ist der Frauenanteil unter den Skatspielern?

Das hat sich merkwürdigerweise über all die Jahre nicht groß verändert. Nach meinen Beobachtungen bewegt sich der Anteil zwischen 10 und 15 Prozent. Zugenommen haben kartenspielende Ehepaare. Skat ist nie eine reine Männerdomäne gewesen.

Wo können Interessierte Skat lernen?

Dafür gibt es meines Wissens keine Volkshochschulkurse. Wer Interesse hat, soll sich bei den kleineren Turnieren bei mir melden. Das meiste lernt man beim Zuschauen. Am Rande erklären wir gerne die Kunst des Reizens, die Strategie. Skat ist keine Zauberei, sondern beim gemeinsamen Spielen zu erlernen.

Bürgermeister Ulli Winkelmann fungiert bei der Stadtmeisterschaft nächsten Sonntag als Schirmherr. Spielt er eigentlich selbst Skat?

So weit ich weiß nein.

Das erspielte Geld geht auch in diesem Jahr an die Lebenshilfe Sprockhövel und die Selbsthilfegruppe MS in Schwelm. Wie schaffen Sie es, dass trotz vergleichsweise hoher Preisgelder doch noch was übrig bleibt?

Gute Frage, letztes Jahr waren das immerhin 1080 Euro. Also, Stadtmeisterschaft funktioniert bei den Finanzen so: Ohne Preisgelder und Pokale würde niemand antreten, so die Erfahrung. Jeder Spieler bezahlt 15 Euro Startgeld, für jedes verlorene Spiel muss ein Euro Abreizgeld gezahlt werden. Entscheidend ist jedoch, dass ich vor dem Turnier Klinken putze und Spenden und Sachpreise einwerbe. Das hat sich über die Jahre mit den Firmen in Sprockhövel und den Nachbarstädten schön eingespielt, bedeutet aber für mich auch viel Arbeit. Meine Prognose ist, wenn ich es nicht mehr mache, wird es keine Skat-Stadtmeisterschaft mehr geben.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben