Osterfeuer

350 Osterfeuer in Sprockhövel auf dem Prüfstand

Das Osterfeuer in Herzkamp in Sprockhövel in diesem Jahr. Demnächst wird sich wieder die Politik damit beschäftigen müssen.

Das Osterfeuer in Herzkamp in Sprockhövel in diesem Jahr. Demnächst wird sich wieder die Politik damit beschäftigen müssen.

Foto: Uwe Möller / FUNKE Foto Services

Sprockhövel.  In kaum einer Stadt werden so viele Osterfeuer abgebrannt wie in Sprockhövel. Die Lokale Agenda hat jetzt eine Debatte darüber entfacht.

Manches ist in Sprockhövel rekordverdächtig, die Zahl von 350 Osterfeuern im vorvergangenen Jahr gehört gewiss dazu. In einer Stadt wie Witten, fast viermal so groß wie Sprockhövel, sind es gerade mal 14 Feuer, die zur selben Zeit abgebrannt wurden. Karin Bruschewski aus Hiddinghausen wollte sich diese „Maßlosigkeit“ nicht länger anschauen und schrieb im Frühjahr an Bürgermeister Ulli Winkelmann.

Kein Beitrag zur Brauchtumspflege

„Viele dieser Feuer dienen nicht der Brauchtumspflege, sondern dem Verbrennen pflanzlicher oder sonstiger Abfälle“, meint Karin Bruschewski. Jetzt befasste sich der Beschwerdeausschuss mit ihrer Eingabe und der votierte, dass die Politik das Thema wieder aufnehmen müsse.

Die Hiddinghauserin, die ihren Antrag im Namen der Lokalen Agenda 21 eingebracht hat, machte vor dem Ausschuss deutlich: „In den letzten Jahren hat der Schutz der Umwelt eine neue Bedeutung erlangt. Osterfeuer schädigen die Umwelt durch Verbrennungsprodukte wie Feinstaub, Dioxin und Kohlenmonoxid. Kleintiere können verbrennen, wenn der Holzhaufen kurz vor dem Anzünden nicht umgeschichtet wird.“

Forderung nach Begrenzung der Osterfeuer

Ihre Forderung: Die Anzahl der Osterfeuer in Sprockhövel müsse begrenzt und nur noch öffentliche Feuer durch die Stadt genehmigt werden. Angelika Densow, bei der Stadt auch für Sicherheit und Ordnung zuständig, wandte ein, bislang seien Osterfeuer in Sprockhövel nicht genehmigungspflichtig, sie müssten nur von den jeweiligen Organisatoren angezeigt werden.

Vorbild könnte Praxis in Ennepetal sein

2015 hatte der Rat Bemühungen um Veränderungen bei den Osterfeuern abgelehnt, die bisherigen Regelungen wurden beibehalten. Ihrem Antrag auf Einschränkung der Osterfeuer in Sprockhövel fügte Karin Bruschewski ein Genehmigungsformular der Stadt Ennepetal hinzu. „Die Praxis hier ist seit 2014 vorbildlich, denn Osterfeuer dürfen nur noch von in der Ortsgemeinschaft verankerte Gemeinschaften, Organisationen und Vereinen abgebrannt werden und nicht mehr von Privatpersonen.“ Das müsse durch eine neue Verordnung in Sprockhövel verfügt werden. Angelika Densow von der Stadt gab in diesem Zusammenhang zu bedenken, dass Genehmigungen auch kontrolliert werden müssten - „und das kann ich mit meinem geringen Personalbestand nicht leisten.“

Politik folgt der Agenda einstimmig

Dennoch stieß die Initiative der Lokalen Agenda überwiegend auf Zustimmung. „Seit 2015 hat sich in unserem Land viel verändert“, sagte Petra Schellhoff von den Grünen. „Es ist an der Zeit, wieder über unseren Umgang mit Osterfeuern nachzudenken“, fand auch SPD-Ratsherr Wolfgang Bammel. „Überprüfen ja, aber die Osterfeuer haben auch die Funktion der Nachbarschaftspflege und dürfen nicht zu sehr eingeschränkt werden“, sagte Ingolf Dammmüller (FDP). „Offenbar wurden die Osterfeuer jedoch in der Vergangenheit oftmals nur als Deckmantel für Müllverbrennung missbraucht, also müssen wir da nochmal ran“, wandte der Grüne Udo Beckmann ein. Letztlich stimmt der Anregungsausschuss geschlossen, dafür, das Thema Osterfeuer an den Umweltausschuss weiterzuleiten.

INFO

Der Brauch des Osterfeuers ist germanisch-heidnischen Ursprungs. Das älteste schriftliche Zeugnis ist ein Briefwechsel zwischen dem Missionar Bonifatius und Papst Zacharias aus dem Jahr 751. In diesem Brief wird der Brauch beschrieben, der als „ignis pachalis“ (Passahfeuer) bezeichnet wird.

Da die Frage aufgeworfen wird, wie die Kirche damit umzugehen habe, lässt sich schließen, dass die römische Kirche Osterfeuer noch nicht kannte.

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