Kleine Interpreten: Das Publikum lacht, das Krokodil weint

Wo der Esel Duke Ellington singt

Foto: Julia Eiden

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Ein wenig den Alltag vergessend die Seele baumeln lassen, dies konnte das begeisterte, wenn auch kleine Publikum im Gebrüder Busch-Theater beim „Festival kleiner Interpreten”.

Voraussetzung hierfür war die Gabe, sich auch als Erwachsener noch verzaubern zu lassen, eintauchen zu können in eine Welt von Poesie, Parodie und Surrealismus. „Bonsai-Theater” nennt Musik-Professor Hermann Voss schmunzelnd-despektierlich seine mit Partnerin und Musikerin Barbara Wojciechowska-Voss betriebenen Marionetten- und Maskenspiele, mit denen der Bratschist des Melos-Quartetts und Mitbegründer des Basoni-Ensembles tief- und hintersinnig zugleich auf die Welt schaut. Sichtbaren Spaß machte es beiden Künstlern, mit viel Fingerfertigkeit und Feingefühl die phantasievollen, selbst kreierten, schwerelos erscheinenden und den Menschen auch in Tiergestalt so ähnlichen Puppen tanzen zu lassen.

Und immer gab es einen Bezug zur Musik; so sperrte der Esel aus den Bremer Stadtmusikanten vor der Himmelspforte zwerchfellerschütternd sein Maul auf, um furchtbar laut schreiend mit dem „Creole Love Call” von Duke Ellington um Einlass zu singen, während der Hahn praktischerweise als Schnabel eine Trompete hat. Zu jeder Szene erzählte Voss eine kleine Geschichte; wie vom Cellisten, dem die Meereshexe seinen Heiligenschein aus reinem Gold stahl. Manches war auch persönlich erlebt, wie der brüderliche Zwist, dem nach deutlichen inneren Kämpfen eine Versöhnung folgte. Dank Camille Saint-Saens „Karneval der Tiere” verwandelte sich die Bratsche in einen schönen Schwan. Laut und herzhaft gelacht wurde bei der Geschichte von Florence Foster Jenkins, deren rote Luftballonbrüste bei ihrer schauderhaft schräg gesungenen Rachearie der Königin der Nacht („Zauberflöte”) gigantisch anschwollen, um dann vom blasiert dreinschauenden Papageien, ihrem Schüler, zerpickt zu werden.

Ob Johann Sebastian Bach beim Klang seiner Toccata und geschmückt mit all seinen Orgelpfeifen in den Himmel auffuhr, bleibt sein Geheimnis. Beim „Veghe-Feuer” flogen dessen Vogelfinger so teuflisch behände über die Tasten des kleinen roten Flügels, dass dem Krokodil vor Weinen sein Leckerbissen im Halse stecken blieb; und als bei der Zugabe der Geißbock mit seinen geklonten Schafen „Maria” und „Callas” zu einem Potpourri von Bizet und Co um die Wette jodelte, da blieb vor Lachen kein Auge trocken.

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