Konjunktur

Wirtschaft in Siegen-Wittgenstein erfährt Stimmungsknick

Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft ist schlechter geworden. Die Baubranche ist allerdings zufrieden.

Die Stimmung in der heimischen Wirtschaft ist schlechter geworden. Die Baubranche ist allerdings zufrieden.

Foto: Sebastian Kahnert/dpa

Siegen.   Konjunkturklimaindex im IHK-Bezirk Siegen sinkt im April um elf Punkte, bleibt aber überdurchschnittlich. Baubranche und Einzelhandel zufrieden.

Die Zufriedenheit der Wirtschaft in Siegen-Wittgenstein und Olpe nimmt ab. Laut jüngster Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Siegen, deren Bezirk aus den beiden Kreisen besteht, fällt der Konjunkturklimaindex von 123 Punkten im Januar auf 112 Punkte im April. Damit liegt er zwar immer noch 6 Punkte über dem langfristigen Mittel, fällt aber zurück auf das Niveau von September 2015. „Das Konjunkturklima kühlte sich in der regionalen Wirtschaft im Frühjahr deutlich ab“, sagt IHK-Präsident Felix G. Hensel.

405 Unternehmen aus Industrie, Bauwirtschaft, Handel und Dienstleistungsbereich beteiligten sich diesmal an der Umfrage. Das nach jahrelangem Aufschwung – seit September 2014 stieg der Index bis Januar 2018 auf einen Höchststand von 137 Punkten – die Kurve wieder abwärtsgehe, sei grundsätzlich nicht überraschend, erläutert Felix G. Hensel. „Zahlreiche Unwägbarkeiten bremsen die Dynamik der heimischen Unternehmen. Vor allem unsere exportorientierte Industrie bekommt dies zu spüren.“

38 Prozent der Unternehmen bewerten ihre Geschäftslage als gut. Im Januar schätzte noch fast die Hälfte ihre Situation so ein. Verdoppelt hat sich mit elf Prozent der Anteil der Befragten, der die Geschäftslage als schlecht angibt. Das Niveau bleibt gleichwohl hoch. „Unsere Wirtschaft befindet sich nach wie vor in einer guten Verfassung“, betont der IHK-Präsident. Sorgen bereiteten allerdings die zum dritten Mal in Folge sinkenden Geschäftserwartungen.

21 Prozent gehen für die kommenden Monate von einer Verbesserung ihrer Lage aus, 22 Prozent von einer Verschlechterung. „Erstmals seit fünf Jahren sinkt der Saldowert der erwarteten Geschäftslage in den negativen Bereich“, sagt Felix G. Hensel.

25 Punkte schlechter als im Januar fällt die Lagebeurteilung in der Industrie aus. Das ist laut IHK der niedrigste Wert seit Januar 2016. 33 Prozent der Industrieunternehmen bewerten die Lage zwar als gut, Anfang des Jahres waren es aber noch 49 Prozent. Der Anteil der Betriebe mit schlechter Lagebeurteilung stieg von 4 auf 13 Prozent. „Wir kommen aus einer Hochkonjunktur“, ordnet IHK-Hauptgeschäftsführer Klaus Gräbener den Befund ein.

Die Industrieunternehmen hätten 2018 mehr als 17 Milliarden Euro umgesetzt, mehr als 179.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte seien „neuer regionaler Rekord“ und eine Arbeitslosenquote von rund 4 Prozent „nahe an der Vollbeschäftigung“. Trotz all dieser positiven Daten seien „die zum Teil deutlichen Rückgänge bei den Auftragseingängen, sowohl aus dem In- als auch aus dem Ausland“ problematisch, sagt Klaus Gräbener. Etwa 37 Prozent machten dies geltend. 35 Prozent rechneten mit geringeren Exporten. „Es sind international einfach zu viele Krisenherde auf einmal“, so Klaus Gräbener.

2 Punkte nach unten geht die Lagebeurteilung im Baugewerbe, bleibt aber immer noch auf dem zweithöchsten Stand innerhalb der vergangenen 20 Jahre und damit laut IHK „außerordentlich gut“. Erneut habe kein Unternehmen von einer schlechten Lage gesprochen. 85 Prozent der Firmen sind bis zur Spitze ausgelastet.

35 Prozent der Einzelhändler stufen die Lage als gut ein, ein Zuwachs von 3 Prozentpunkten. Die Branche ist die einzige, in der das Barometer rauf geht. Die Konsumlaune sei gut, „in den letzten Monaten profitierte der Konsum insbesondere von den guten Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Felix G. Hensel.

45 Prozent der Dienstleister melden eine gute Lage, nur 7 Prozent eine schlechte. „Zwar fällt damit die Lagebeurteilung um 14 Punkte, bleibt aber auch hohem Niveau“, schreibt die IHK.

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