Kleidung

Wie Siegener Schulen mit unangemessenen Outfits umgehen

Jogginghosen gelten unter Jugendlichen als „chillig“ und werden sowohl im privaten Alltag als auch auf dem Schulhof immer öfter getragen. Nicht an allen Schulen wird das gern gesehen.

Jogginghosen gelten unter Jugendlichen als „chillig“ und werden sowohl im privaten Alltag als auch auf dem Schulhof immer öfter getragen. Nicht an allen Schulen wird das gern gesehen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Siegen.  Wenn Jugendliche in zu legerer Kleidung zum Unterricht erscheinen, reagieren Siegener Schulen unterschiedlich. Manche halten T-Shirts bereit.

Miniröcke, Hotpants, tiefe Ausschnitte, Jogginghosen, Caps und Adiletten – zum Thema Kleidung herrscht an den Schulen im Siegener Raum ein breites Meinungsspektrum. Vielerorts gelten bestimmte Kleidungsstücke als unangemessen oder schlicht fehl am Platz. Im nordrhein-westfälischen Schulgesetz sind keine Kleidungsvorschriften aufgeführt. Ob und inwiefern Grenzen gesetzt werden, können die Schulen individuell entscheiden.

Jenseits der Dreißig-Grad-Marke greifen manche jungen Mädchen im Sommer gerne mal zu superknappen Hotpants oder zu körperbetonten, bauchfreien Tops. Beim Thema sexualisierte Kleidung setzen die meisten Schulen nicht auf konkrete Regelungen, sondern auf pädagogische Maßnahmen, um den Jugendlichen eine reflektierte Sichtweise bezüglich ihrer Kleidung beizubringen.

XXL-T-Shirts bei zu knapper Kleidung

„Etwa ab der siebten Klasse sollten sie lernen, wie viel Freizügigkeit in der Schule und auch im Berufsleben angebracht ist und welche Wirkungen sie mit ihrer Kleidung erzielen“, sagt Dieter Fischbach, Schulleiter des Peter-Paul-Rubens-Gymnasiums. Am besten eigneten sich dafür Einzelgespräche mit Schülerinnen und Schülern. Am Evangelischen Gymnasium in Weidenau setzt stellvertretender Schulleiter Thomas Süßenbach dafür vor allem auf weibliche Lehrkräfte, die den Dialog mit den jungen Mädchen suchen: „Männer haben oft Hemmungen, das durchaus sensible Thema adäquat anzusprechen.“

Zu konkreten Maßnahmen bei zu freizügig gekleideten Schülerinnen greifen die Realschule auf der Morgenröthe und die Freie Christliche Realschule Niederndorf. Hier werden in Extremfällen auch mal ausgediente XXL-T-Shirts an die Jugendlichen verteilt. „Wenn Mädchen im Bikinioberteil oder extrem kurzen Kleid in der Schule auftauchen, muss ihnen klargemacht werden, dass das nicht geht“, betont Birgit Wagner, Lehrerin an der Realschule auf der Morgenröthe. „Aus Scham davor, das hässliche T-Shirt anziehen zu müssen, kontaktieren die Schülerinnen auch mal die Eltern, die dann mit neuer Kleidung vorbeikommen.“

Jogginghosen sind nicht überall gern gesehen

An der Freien Christlichen Realschule Niederndorf gelten Shorts, die bis zur Mitte des Oberschenkels reichen, als in Ordnung. Viel kürzer sollten sie jedoch nicht sein. Bauchfreie Oberteile und extrem tiefe Ausschnitte sind ebenfalls tabu. Wenn das nicht eingehalten wird, muss ein Ersatz-Shirt für die Schülerinnen her.

An der Hauptschule Achenbach sei freizügige Kleidung bei Mädchen bisher nie ein Problem gewesen, sagt Schulleiter Christoph Henrichs. Allerdings sind Jogginghosen und Leggins hier nicht gerne gesehen: „Es ist einfach unangemessen. Wir bitten auch unsere Schülerinnen und Schüler des Öfteren, diese Hosen nicht in der Schule zu tragen. Das hat in der Vergangenheit schon viel Diskussionsstoff geliefert.“

Ansonsten herrscht auch für die Jogginghose kein Konsens an den Schulen. Die einen empfinden sie als „abstoßend“, andere sehen das lockerer. „Das liegt nun einmal bei den Jugendlichen gerade im Trend“, argumentiert Christian Manzius, Leiter der Rudolf Steiner Schule Siegen. „Wir haben nicht die Entscheidungsmacht darüber, ob das jetzt angemessen ist oder nicht.“

Sonderregeln im Sportunterricht

Im Sportunterricht wird das Thema Kleidung gesondert behandelt. „Natürlich muss in jedem Fall der Unfallschutz gewährleistet sein“, erklärt Dr. Mario Vallana, Schulleiter der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule. „Kleidung, die zu kurz ist oder die Schülerinnen und Schüler anderweitig bei manchen Sportarten gefährden könnte, sollte daher vermieden werden.“

Ob Mützen, Hüte und Caps im Unterricht abgenommen werden sollten, hängt immer individuell von den jeweiligen Lehrkräften ab. Die meisten sind hier der Meinung: „Das Cap muss runter.“ Das sei nicht nur ein Zeichen des Respekts, sondern vor allem erforderlich für eine angemessene Face-to-Face-Kommunikation.

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