Wasser war schon immer úmkämpft

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Teo Schwarz aus Oberfischbach hat die Anfänge der zentralen Wasserversorgung zu Beginn des 20. Jahrhunderts erforscht.

In kleinen Dörfern wie Oberfischbach war eine zentrale Wasserversorgung bis Anfang des 20. Jahrhunderts weitgehend unbekannt. Brunnen und Quellen lieferten das tägliche Trink- und Brauchwasser. Heimatforscher Teo Schwarz hat die Mühen dieser Zeit am Beispiel eines Konfliktes deutlich gemacht.

In vergilbten Originalakten des Stadtarchivs von Freudenberg, die teilweise nur mühsam zu entziffern sind, fand er das Gesuch des Kaufmanns Albert Müller aus Oberfischbach, der am 13. Mai 1901 beim Königlichen Amt in Freudenberg den Bau einer Wasserleitung beantragte. Mit einigen Gleichgesinnten bildete Müller eine Genossenschaft, die die Quellen im Flurstück 1213/61 oberhalb des heutigen Berschewegs erschließen und ihren Mitgliedern mit einer Rohrleitung das Wasser zur Verfügung stellen wollte. Zwölf Häuser sollten an Berscheweg, Heuslingstraße und im Kirchweg angeschlossen werden, dazu noch die florierende Molkerei.

Wasser war also auch schon vor 108 Jahren im ländlichen Siegerland ein heiß umkämpftes Gut: Längst waren die Trinkwassertalsperren an Breitenbach (1956) und Obernau (1971) nicht als zentrale Wasserspeicher in Sicht. In der Landwirtschaft war es üblich, Quellen umzuleiten und zur Bewässerung zu nutzen.

Genau aus diesem Grund legte eine Oberfischbacher Bürgerin bereits fünf Tage nach Antragstellung Widerspruch gegen die Wasser-Umleitung ein. Die Frau machte geltend, dass ihre rund 1400 Quadratmeter große Wiese seit Jahrzehnten von denselben Quellen bewässert werde, die jetzt in Leitungen ihrem Grundstück entzogen würden. Der Durchschnittsertrag von zwölf Zentnern Heu werde in trockenen Jahren durch die Umleitung auf die Hälfte sinken. Nur wenn die Genossenschaft ihr diesen Schaden ersetze, werde sie zustimmen.

Im Wasserstreit war die Polizei zuständig

Andere Zeiten, andere Zuständigkeiten: Solcher Streitigkeiten nahm sich die Polizei an. Aber auch damals galt Fachwissen viel: Ein bergbauerfahrener Steiger wurde zu Rate gezogen. Auf dem Dienstweg wurde allerdings der Einwand der Oberfischbacherin fälschlicherweise einem ähnlichen Antrag in Niederndorf zugeordnet; wertvolle Zeit verrann. Erst ein Ortstermin „unter Einbeziehung der Wiesenschöffen”, einer seinerzeit wichtigen Institution, brachte Klarheit. Eine Einigung, so entnahm Teo Schwarz den Akten, muss dabei erzielt worden sein, denn der Einspruch der Wiesenbesitzerin wurde zurückgenommen. Die Wasserleitungsgenossenschaft verpflichtete sich im Gegenzug, die weitere Bewässerung der Wiese zu ermöglichen. Ende Juni 1901 war die Sache fast aus der Welt.

50 Jahre später, um 1951/52, reichte die Quelle längst nicht mehr, um alle Bürger zu versorgen. Deshalb wurde aus dem Bereich der Straße „Am Bach” eine neue, 300 Meter lange Leitung in Richtung Berscheweg gebaut und das Wasser mit einer Pumpe in die höheren Regionen des Dorfes befördert. 1954 folgte allerdings die zentrale Wasserversorgung für Oberfischbach. Den damals lebenswichtigen Brunnen gibt es aber heute noch; der Besitzer des Grundstücks, Friedhelm Langenbach, hat ihn noch in Betrieb.

Teo Schwarz zieht aus solchen Begebenheiten für sich den Schluss, dass es „schon nachdenklich” stimme, wenn die Bewässerung einer Wiese und der potenzielle Minderertrag von drei bis sechs Zentnern Heu im Jahr 1901 so wichtig gewesen seien. Es galten andere Maßstäbe als in der heutigen Zeit: „Viele landwirtschaftliche Flächen liegen einfach brach, es gibt Stilllegungsprämien, oder sie sind mit Fichten bepflanzt.”+

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