Nachhaltige Ernährung

Warum Erdbeeren aus Italien nicht nachhaltig sind

Judith Schneider (links) und Janine Lückerath haben Vorschläge, wie Ernährung nachhaltig gestaltet werden kann. Sie arbeiten für die Hilchenbacher KlimaWelten.

Judith Schneider (links) und Janine Lückerath haben Vorschläge, wie Ernährung nachhaltig gestaltet werden kann. Sie arbeiten für die Hilchenbacher KlimaWelten.

Foto: Ina Carolin Lisiewicz

Hilchenbach.   Zwei Umweltpädagoginnen der KlimaWelten Hilchenbach raten, auf Transport und Verpackung zu achten. Doch lohnt sich ein Verzicht überhaupt?

Die Erdbeeren aus Italien haben einige Kilometer hinter sich, bis sie schließlich in Deutschland gegessen werden. Allein der Transport setzt reichlich CO2 frei. Wie gestaltet man seine Ernährungsweise nachhaltiger? Janine Lückerath (27) und Judith Schneider (46) sind Umweltpädagoginnen in den „KlimaWelten“ in Hilchenbach. Sie geben Ratschläge, worauf bei einer umweltbewussten Ernährung zu achten ist.

Wie ernährt man sich nachhaltig?

„Umweltfreundliche Ernährung fängt beim Einkauf an“, sagt Judith Schneider. Hier sollte der Verbraucher auf regionale und saisonale Produkte setzen, da bei jedem Transport CO2 freigesetzt wird. Außerdem empfiehlt es sich, loses Obst und Gemüse einzukaufen: Wenn zum Beispiel nur eine Paprika einer Dreier-Packung verschimmelt ist, wird in Supermärkten gewöhnlich die ganze Packung weggeworfen, erklärt Janine Lückerath. Ein hoher Konsum von Fisch und Fleisch sowie von tierischen Produkten belastet ebenso die Umwelt. Deshalb sollte dieser möglichst gering gehalten werden. „Auch wenn man Hof- und Bioläden in der Nähe nutzt, ist man auf einem guten Weg“, sagt Judith Schneider. Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist nur ein grober Richtwert. „Viele Produkte kann man auch noch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums verzehren“, sagt Janine Lückerath. Hier sollte sich der Verbraucher auf seine Sinne verlassen und überprüfen, ob das jeweilige Lebensmittel noch gut riecht oder aussieht.

Sollte der Einkauf vorher geplant werden?

Judith Schneider rät zu einer Einkaufsplanung. So ist ein einmaliger Großeinkauf in der Woche ökologischer als jeden Tag loszufahren. Mit einer Liste ist auch die Wahrscheinlichkeit, Lebensmittel zu kaufen, die dann doch nicht benötigt werden, geringer.

Darüber hinaus kann auch der Hunger verführen: „Wenn man hungrig einkaufen geht, ist die Gefahr groß, dass man wesentlich mehr kauft, als man eigentlich braucht“, so die 46-jährige Mitarbeiterin der Klimabildungsstätte..

Mit Hilfe einer Einkaufsliste kauft der Verbraucher im Optimalfall weniger, gezielter ein. Damit Plastikmüll vermieden wird, sollten möglichst unverpackte Waren eingekauft werden, rät Judith Schneider. Eigene Baumwoll-Taschen oder Körbe helfen beim Transport und können immer wieder verwendet werden. Die Hin- und Rückfahrt zum Supermarkt kann auch mit dem Fahrrad oder mittels öffentlicher Verkehrsmittel erfolgen.

Wie kocht oder backt man möglichst nachhaltig?

„Wenn man sich eine neue Küche zulegen will, kann man drauf achten, dass die Geräte eine möglichst gute Energieeffizienz haben“, sagt Judith Schneider. Falls man schon eine Küche besitzt, sollte man allerdings nicht alle Geräte ersetzen, da auch bei der Geräteherstellung Energie aufgewendet wird. „Ich sollte mich auch immer fragen, ob ich das jeweilige Gerät wirklich brauche“, sagt Janine Lückerath.

Beim Kochen sollte die Kochplatte passend zum Topf gewählt werden. „Bei einer zu großen Kochplatte und einem zu kleinem Topf geht Energie verloren“, erklärt Judith Schneider. Janine Lückerath empfiehlt, Lebensmittelreste „kreativ zusammenzuwürfeln“ und so eigene Gerichte zu kreieren. „Übrig gebliebene Speisen können auch eingefroren werden“, ergänzt Judith Schneider. Beim Backen kann man bei vielen Rezepten auf das Vorheizen verzichten. „Ich verlängere die Backzeit dann einfach um fünf bis zehn Minuten“, sagt die Umweltpädagogin. Ist der Backofen einmal warm, kann diese Wärme ausgenutzt und für die Fertigstellung anderer Gerichte verwendet werden.

Lohnt sich der Verzicht, der zumeist mit einer nachhaltigen Ernährung verbunden ist?

„Das ist eine Frage des Blickwinkels und des Bewusstseins“, sagt Judith Schneider. Jeder könne „auch mal“ exotische Früchte essen. „Ich sollte mir aber bewusst sein, wie weit eine Ananas gereist ist sowie darauf achten, dass sie biologisch angebaut und fair gehandelt ist.“

Sich selbst hinterfragen und sich dann reflektiert für oder gegen ein Lebensmittel entscheiden – das ist im Rahmen der nachhaltigen Ernährung wichtig. So werden Erdbeeren oder Kirschen wieder zu etwas Besonderem, wenn sie nur innerhalb der Saison verzehrt werden. „Es macht einen Unterschied, ob ich die Lebensmittel kaufe, weil sie mich gerade anlachen oder sie bewusst kaufe“, sagt Judith Schneider.

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