Borkenkäfer

Waldsterben in Deuz: 85 Prozent der alten Fichten müssen weg

Berthold Daub führt die CDU auf Einladung von Sebastian Zimmermann durch den Wald in Deuz und zeigt, wo die aktuellen Probleme liegen.

Berthold Daub führt die CDU auf Einladung von Sebastian Zimmermann durch den Wald in Deuz und zeigt, wo die aktuellen Probleme liegen.

Foto: Jennifer Wirth / WP

Deuz.  Auf Initiative der CDU Netphen informiert Berthold Daub von der Waldgenossenschaft Deuz Interessierte über die angespannte Situation.

Etwa 85 Prozent der alten Fichten auf dem Gebiet der Deuzer Waldgenossen müssen weg, schätzt Waldvorsteher Berthold Daub. Er blickt auf die riesigen, einst kräftigen Bäume, die nun schlapp ihre trockenen Nadeln abwerfen. Ihre Stämme sind pink markiert; bald werden sie abgeholt. Unter anderem der Borkenkäfer hat den Bäumen den Todesstoß gegeben – die meisten sind nicht mehr zu retten. Beim Rundgang durchs Gebiet erklärt der Fachmann rund 15 Interessierten auf Initiative des Netpher CDU-Stadtverbandes, mit welchen Problemen sich die Waldbesitzer momentan auseinandersetzen müssen.

Start- und Endpunkt des etwa zweistündigen Rundgangs ist der Parkplatz des Friedwaldes am Nauholzer Weg. Zunächst sieht alles aus wie immer: am Wegesrand sind Hölzer gestapelt, es ist kühl und riecht leicht modrig. Wald eben. Doch immer wieder hält Berthold Daub inne: „Es ist eine schwierige Situation.“

Krankheiten und Preis: Daub erklärt, dass er den Borkenkäfern seit Mai auf der Spur ist – mit bloßem Auge. „Es beginnt immer gleich“, sagt der Fachmann. An den Spinnweben könne er erkennen, ob sich dort Bohrmehl oder Nadeln gesammelt haben. Bis die Baumkronen vertrocknet sind, vergeht Zeit. Aber spätestens dann wird selbst für Laien sichtbar, dass der Baum krank ist. „Der ganze Bestand hier kommt weg. Das Holz geht nach China, wenn alles klappt.“ Konkret geht es um 2000 bis 3000 Festmeter Fichte. Ein normaler Einschlag, so Daub, liege im Jahr bei 1600 Festmetern. Das befallene Holz (rund 3500 Bäume) findet keine Abnehmer und wird deshalb verschifft. Das Überangebot drückt dabei den Preis. „Früher gab es etwa 75 Euro für einen Festmeter. Jetzt sind es noch 25 Euro, wenn alles gut geht.“ Bei den 300 bis 400 Hektar Wald mache das einen Preisverfall von rund einer Million Euro, rechnet er vor.

Aufforsten und Wild: Aufforsten ist nicht so einfach. Niemand habe momentan eine Ahnung, wie der richtige Weg ist. Auch nicht der Landesbetrieb Wald und Holz, so Daub, da es an Erfahrung fehle. Im Deuzer Gebiet gibt es sowohl Mischbestände als auch Monokulturen („Damit sind wir nicht so glücklich.“). „Wir wollen durchforsten und neue Bäume dazu setzen“, sagt Berthold Daub – so sollen die Monokulturen aufgelöst werden. Aber: „Seit zwei Jahren haben wir keinen Wirtschaftsplan mehr gemacht.“ Durch die „Wirklichkeit“, sprich Trockenheit und Stürme, würden die Pläne immer überholt. Hinzu kommen durch die Trockenheit die Probleme mit Borkenkäfern und anderen Insekten wie dem Kupferstecher. „Vor 150 Jahren hat man sich hier für die Fichte entschieden. Die findet nun langsam ihr Ende. Der Klimawandel ist nicht aufzuhalten und wenn das Wetter so bleibt, überlebt die Fichte nicht.“ Und auch zum Thema Wild und Verbiss („Der Bestand ist viel zu hoch“) hat Daub eine klare Meinung: Ohne übergreifende Konzepte zur Bejagung werde eine Neuaufforstung nicht funktionieren.

Erosion: Ob Erosionsgefahr bestehe, wenn so viele Bäume zeitnah gefällt werden, wollte Alexandra Wunderlich wissen. Möglich. Eigentlich, so Berthold Daub, sei ein Kahlschlag deshalb nicht erlaubt. Aber man befinde sich in einer Ausnahmesituation. Die Wurzeln bleiben zur Sicherheit im Boden.

Genossen und Ausblick: Rund 99 Genossen halten 240 Anteile am Wald. Früher, so Daub, hätte es 3840 Anteile gegeben. Doch das sei zu unübersichtlich gewesen. Bei der vergangenen Auszahlung seien 600.000 Euro über den Tisch gegangen. „Nächstes Mal werden wir empfehlen, nicht mehr auszuzahlen“, so Berthold Daub weiter. Rücklagen seien wichtig, um in Zeiten von sinkenden Einnahmen zurecht zu kommen. „Wir müssen nicht unbedingt davon leben“, sagt Daub. Aber das Ziel sei, den Wald zu erhalten.

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