Verkehr

VWS wollen bis 2018 wieder fit sein

VWS-Zentrale in der Marienhütte.

VWS-Zentrale in der Marienhütte.

Foto: WP

Siegen.  Klaus-Dieter Wern hat schnell gehandelt: Am Dienstag hat der Eigentümer der Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) sein Konzept vorgestellt, wie das einst kommunale Unternehmen bis zur Neuvergabe der Linienkommissionen 2018 „wettbewerbsfähig“ werden soll.

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Beraten wird er von einem Kompetenzteam um Walter Reinarz, den ehemaligen Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Rhein-Sieg (VRS). Um „mindestens“ fünf Millionen Euro jährlich soll das VWS-Ergebnis verbessert werden. Derzeit fahren die VWS in jedem Jahr etwa 4,5 Millionen Euro Defizit ein.

„Wenn das so weitergeht, werden wir an die Wand fahren“, warnte Wern, der sein erstes VWS-Jahr im nachhinein als verloren bezeichnet: Gerade einmal 250.000 Euro Verbesserung hätte das Gutachten aufgezeigt, das ihm Landräte und Nahverkehrs-Zweckverband ZWS nahe gelegt hätten. Versprochen worden sei ihm eine „Optimierung“ von bis zu vier Millionen Euro. „Ich hatte mir das auch einfacher vorgestellt.“ Und so soll es jetzt laufen:

Personal

Gewerkschaft und Betriebsrat wissen, dass die Belegschaft einen Beitrag zur Sanierung leisten soll: Zunächst ist von Mehrarbeit die Rede, die 39-Stunden-Woche soll aufgegeben werden.
Bis zur Neuausschreibung der Konzessionen möchte Klaus-Dieter Wern erreichen, dass für alle 290 Beschäftigten der Wern-Gruppe gleiche Tarifbedingungen gelten. Auf der Hand liegt, dass das der vom privaten Omnibusgewerbe abgeschlossene Vertrag sein soll. „Mit dem VWS-Tarif“, gemeint ist der Spartentarif Nahverkehr des öffentlichen Dienstes, „werde ich 2018 keine Ausschreibung gewinnen.“
Walter Reinarz verhandelt mit dem Pensionssicherungsverein über eine Entlastung von den Verpflichtungen, die vor dem ersten Verkauf des Unternehmens im Jahr 2005 entstanden sind. Aus jener Zeit stammen auch die Verbindlichkeiten gegenüber den Zusatzversorgungskassen. „Da kann man rauskommen.“ Verhandlungspartner sind die Stadtwerke Bonn, von 2005 bis 2009 letzter kommunaler VWS-Eigentümer, die derzeit für die Zahlungen der Wern-Gruppe bürgen und sich dafür einen Teil des VWS-Gebäudebestands als Sicherheit haben geben lassen.

Fahrplan

Bereits zum F ahrplanwechsel am 9. Januar werden Verkehrsspitzen abgebaut. Damit Schulkinder den Bus erreichen, wird der Taktfahrplan flexibel gemacht. Dann kommt der Bus nicht zur vollen Stunde, sondern auch einmal zehn Minuten später oder früher. Allein durch gestrichene Zusatzfahrten werden eine Million Kosten und 20 Fahrzeuge eingespart.
Der nächste Schritt ist die Schulzeitenstaffelung. „Wir sind gespannt“, sagt Betriebsleiter Gerhard Bettermann über das angekündigte Gutachten, das der ZWS in Auftrag gegeben hat. Zum Schuljahr 2014/15 sollen Schulbeginn und -schluss benachbarter Schulen so entzerrt sein, dass weniger Busse mehr Standorte bedienen können. Klaus-Dieter Wern ist aber skeptisch, dass die Politik die vermeintlich unbequemen Beschlüsse vor der Kommunalwahl fasst: „Man drückt sich davor.“
Kreistagsbeschlüsse werden gebraucht, um die Nahverkehrspläne der beiden Kreise zu ändern. Ziel ist, das Angebot der Nachfrage anzupassen. Wern nennt beispielhaft die Verbindungen Freudenberg-Hünsborn oder Neunkirchen-Wilden: „Da müssen Sie lange warten, um zu erleben, dass da jemand im Bus sitzt.“ Gerhard Bettermann erwähnt die elf Fahrten samstags zwischen Dahlbruch und Müsen: „Insgesamt keine elf Fahrgäste“ – die Linie ist Kandidatin für eine Umwandlung zum Taxibus.

Perspektive

Alle Verhandlungen, sagt Unternehmensberater Walter Reinarz, geben „Anlass für Zuversicht“. Die Siegen-Wittgensteiner Probleme seien nicht ungewöhnlich – eher schon typisch für ländliche Regionen mit schrumpfenden Einwohnerzahlen. „Gut und einmalig“ nannte Reinarz die Absicht des Kreises, allen Schülern ein Schülerticket zu geben: „Eine erhebliche Mehreinnahme“. Solange es genug Schüler gibt. Aber das sagte der Berater nicht.

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