Die Amtskette des Bürgermeisters von Siegen im Stadtarchiv „ans Licht geholt” – Präsentation im Krönchen Center

Von König und Kaiser huldvoll genehmigt

Foto: Dr. Knut Lohmann

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Siegen. Die Geschichte der Amtskette, die Siegens Bürgermeister bei feierlichen Anlässen tragen, stellt das Stadtarchiv im Krönchen-Center im Rahmen der Reihe „Ans Licht geholt – Schätze aus den Magazinen” im Februar vor.

Kaisers Geburtstag im Jahre 1908. 90 würdige Herren fahren in Pferdedroschken bei der Gesellschaft Erholung vor, um beim gemeinsamen Mahl ein „Hoch!” auf den allergnädigsten Monarchen auszubringen.

Und um ihren langjährigen Bürgermeister Anton Delius mit seiner neuen Amtskette zu bewundern, die ihm dank einer königlichen Hulderweisung vom vergangenen Jahr und einer nachfolgenden kaiserlichen Bestätigung nunmehr zu besonderen Gelegenheiten zu tragen gestattet ist.

Wilhelm II. hatte am 27. Januar Geburtstag. Hundert Jahre und zwei Tage später stellte Stadtarchivar Ludwig Burwitz die Kette mit ihrer Geschichte vor. Im Lesesaal des Archivs kann man sie jetzt aus der Nähe betrachten – allerdings nicht in die Hand nehmen.

Burwitz blendete bei der Veranstaltung am Dienstagabend weitere hundert Jahre zurück in die Zeit der Preußischen Reformen, die mit den Namen Stein und Hardenberg verbunden sind. Die wollten den Städten Selbstständigkeit geben, und die politisch dafür Verantwortlichen sollten der Amtszeichenpflicht unterliegen. Daraus hatte der regierende Monarch 1851 einen Gnadenerweis gemacht.

Wer dieser Gnade teilhaftig werden wollte, musste sich eine Prüfung gefallen lassen. Was im Leumundszeugnis des Siegener Bürgermeisters stand, weiß man (noch) nicht. Aber Lobesprädikate für die Amtsinhaber aus anderen Städten sind bekannt: Einer wird als „konservativ” gerühmt, ein anderer als „loyal patriotisch”. Der „nationale Sinn der Bürgerschaft” wird bei einem dritten herausgestellt, und einem vierten wird als Verdienst angerechnet, dass er die Sozialdemokratie in Schranken gehalten habe.

Der Siegener Kandidat durfte auf jeden Fall für sich verbuchen, dass die Stadt elektrischen Strom aus einem eigenen Kraftwerk bezog, dass es Straßenlaternen gab, dass im Oberen Schloss gerade ein Museum eingerichtet worden war und dass eine städtische Kanalisation angelegt wurde – kurz: dass Siegen eine aufstrebende Stadt mit 26 000 Einwohnern war. Und kaiserlich gesinnt.

Dennoch kam die Amtskette nicht in den Schmelzofen, als im Weltkriegsjahr 1917 die Parole „Gold gab ich für Eisen” ausgerufen wurde. Aber 1937 musste sie eines der eingearbeiteten Medaillons hergeben: Hitler ließ verbieten, dass in Amtsketten Portraits von Monarchen prangten. Wenigstens ließen die Siegener Verantwortlichen dafür keine Hakenkreuze einarbeiten.

Da die Familie Kraatz freundlicher Weise ein Gemälde als Leihgabe zur Verfügung stellt, wo Bürgermeister Fissmer noch mit der Originalkette abgebildet ist, kann man die beiden Fassungen vergleichen.

Inzwischen ist rechtlich geklärt, dass Kommunen selbst regeln können, ob ihr Bürgermeister eine Amtskette trägt. Und keinesfalls wird sie an eine Person verliehen. Sie gehört zur Stadt.

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