Wahl 2017

Volkmar Klein (CDU) gewinnt zum 3. Mal in Siegen-Wittgenstein

Die Gäste auf der Wahlparty im Lyz verfolgen gespannt die erste Hochrechnung.

Die Gäste auf der Wahlparty im Lyz verfolgen gespannt die erste Hochrechnung.

Foto: Florian Adam

Siegen-Wittgenstein.   CDU, SPD und Grüne verlieren. FDP legt stark zu und wird vor der AfD drittstärkste Kraft. Heiko Becker muss zittern, Sylvia Gabelmann ist drin.

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Volkmar Klein (CDU) hat den Bundestagswahlkreis Siegen-Wittgenstein zum dritten Mal direkt gewonnen — mit großem Abstand vor Heiko Becker, der sich erstmals für die SPD beworben hatte. Der 34-jährige Kreuztaler will in die Fußstapfen von Willi Brase aus Littfeld treten, der nach fünf Wahlperioden nicht wieder kandidiert hat und – er wird in wenigen Tagen 66 – in den politischen Ruhestand tritt.

Zwei oder drei?

Wie viele Abgeordnete Siegen-Wittgenstein im nächsten Bundestag wirklich vertreten, ist am Wahlabend noch offen. Erst spät in der Nacht wird feststehen, wie groß der Bundestag aufgrund von Überhang- und Ausgleichsmandaten tatsächlich wird. Bliebe Volkmar Klein die einzige Stimme des Kreises in Berlin bleibt, hätte der 57-jährige Burbacher denselben Part wie Willi Brase während der ersten großen Koalition von 2005 bis 2009, als die CDU den Nachfolger für Paul Breuer – er war 2003 Landrat geworden – nicht durchbekam.

So gut wie sicher werden am Ende aber zwei, vielleicht sogar drei Siegen-Wittgensteiner nach Berlin ziehen, zumindest mit einem Zweitwohnsitz: Heiko Becker hat den Platz 25 auf der SPD-Landesliste – bevor es ans Ausrechnen der zusätzlichen Ausgleichsmandate ging, hatte der Kandidat auf Platz 20 schon sein Mandat. Vorgänger Willi Brase als Nummer 3 der NRW-SPD musste sich auf dem Zenit seiner Karriere solche Sorgen nicht machen.

Eher im Windschatten der großen Parteien arbeitet sich Sylvia Gabelmann nach oben: Sie hat bei den Linken sowohl in NRW als auch in Hessen schon führende Positionen bekleidet. Kein Geheimnis macht die soeben 59 Jahre alt gewordene gebürtige Bad Homburgerin daraus, dass sie mit ihrem Zweck-Wohnsitz Siegen — derzeit noch — wenig Heimatgefühle verbinden. Ihr Listenplatz 9 dürfte höchstwahrscheinlich für das Mandat reichen. Volkmar Klein, Listenplatz 25 bei der CDU, hätte sich übrigens so oder so keine Sorgen machen müssen: Als die CDU 34,1 Prozent holte, konnten noch 26 Kandidaten über die Landesliste nachrücken, der letzte von Platz 50.

„Hochburgen“, die diesen Namen verdienen, hat die SPD in Siegen-Wittgenstein nicht mehr. Über 30 Prozent Zweitstimmen holt sie nur noch in Wittgenstein und Kreuztal, bei den Erststimmen überrundet Heiko Becker in Kreuztal und Erndtebrück Volkmar Klein, mehr als knapp 40 Prozent sind aber nirgendwo drin. Die CDU kommt bei den Zweitstimmen in keiner Kommune mehr über 50 Prozent, auch zu Hause in Burbach schafft Volkmar Klein kein Erststimmen-Ergebnis über 60 Prozent mehr. Bis auf Burbach und Bad Laasphe gelinge es der FDP überall, sich vor der AfD zu platzieren. Und überall hat die Linke die Grünen eingeholt, in Siegen sogar mit zweistelligem Stimmenanteil, während die Grünen ihre Marginalisierung als Schreckgespenst vor Augen haben dürften..

Keine Überraschung

Überrascht sind die Kandidaten der beiden großen Parteien vom Ergebnis nicht. „Man kann viel machen im Wahlkampf, gegen den Bundestrend kommt man nicht an“, kommentiert Becker. „Katas­trophal“ sei es auf Bundesebene für die SPD ausgegangen, „wir müssen uns Gedanken und wieder mehr sozialdemokratische Politik machen“.

Volkmar Klein ist von seiner Wahl zwar nicht überrascht, „es ist dann ja aber doch immer spannend zu sehen, wie meine Arbeit der letzten vier Jahre von den Leuten zu Hause bewertet wird.“ Dienstag wird Klein in Berlin sein. Es werde schwierig, nun die Suche nach Koalitionspartnern „zu guten Ergebnissen zu bringen“, sagt der Burbacher. „Viele Optionen gibt es nicht – was die Sache aber nicht unbedingt einfacher macht.“

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