Verkehr

Verkehrsentwicklung in Siegen: Weniger Autos für Klimaschutz

Knotenpunkt Kochs Ecke:

Foto: Hendrik Schulz

Knotenpunkt Kochs Ecke: Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Mit Hilfe eines Mobilitätskonzepts will die Verwaltung die Verkehrsströme gerade in den Innenstadtbereichen besser steuern, Rad und ÖPNV stärken.

Um Verkehrsströme besser steuern zu können, erarbeitet die Verwaltung ein Mobilitätskonzept: Der Autoverkehr soll zunehmend aus den Innenstadtbereichen verschwinden, alternative Verkehrsträger wie Bus und Bahn und vor allem Fahrrad gestärkt werden.

Für mehr Lebensqualität, für den Klimaschutz. „Das sind harte Einschnitte“, sagt Stadtbaurat Henrik Schumann – angesichts steigenden Verkehrsaufkommens und begrenzten Platzes müsse der Verkehr besser abgewickelt werden.

Die Situation

„Bei unserer Topografie sind die Verkehrsachsen im Wesentlichen vorgegeben“, sagt Schumann – an den Routen lässt sich nicht mehr viel machen. Ein möglicher Siegbergtunnel könnte die Ost-West-Verbindung stärken – ansonsten „wird unser System in 20 Jahren noch ungefähr so aussehen wie heute.“

Beim Großbrand unter der HTS wurde deutlich, was es für Konsequenzen hat, wenn das System an einer wichtigen Stelle gestört ist. So ein Zusammenhang lässt sich nicht herstellen, wenn man den Bereich zwischen Kochs Ecke und Reichwalds Ecke betrachtet – sondern den von Eiserfeld bis Buschhütten. Mindestens. „Gesamtstädtisch können wir den Verkehr heute nicht überblicken“, sagt Stefan Wied von der Abteilung Straße und Verkehr.

Die Ziele

Das Wo ist also relativ konstant. Was sich ändern lässt, ist das Wie: Verkehr reduzieren und verlagern. Nicht nur um die Grenzwerte innerhalb der Umweltzone endlich einzuhalten, sollen weniger Autos durch die Zentren fahren, Rad- und Öffentlicher Nahverkehr gestärkt werden. Ein Paradigmenwechsel, der mit dem Abriss der Siegplatte sichtbar wurde: Der Städtebau verabschiedete sich von der Maxime, Zentren mit Parkplätzen zuzupflastern. Das neue Mantra: autofreie Innenstädte, Klimaschutz, Öffentlicher Raum mit Aufenthaltsqualität.

Der Verkehr kann gesteuert werden über

Optimierung von Ampelanlagen
Umbauten (Kreisverkehre)
Straßenquerschnitte (Bus- und Radstreifen).

Letztere werden immer mehr in Siegen ausgewiesen, „langsam findet hier ein Umdenken statt“, sagt Wied und nennt die sprichwörtlichen dicken Bretter, die es zu bohren gelte.

Ein Paradox der Verkehrsplanung: Je besser es gelingt, den Verkehr flüssig abzuwickeln, desto mehr Menschen fahren Auto, weil der Verkehr ja flüssig läuft. Wer dauernd im Stau steht, überlegt sich eher Alternativen.

Das Konzept

Zwei Datenquellen fließen im Verkehrsentwicklungsplan (genauer: Klimaschutzteilkonzept Mobilität) zusammen.

Mobilitätsbefragung: 13 500 Bürger erhielten Post von der Stadt, 2000 Haushalte meldeten sich zurück – „ein sehr guter Wert“, sagt Wied, die Befragung sei repräsentativ. „Wir bekommen so zum Beispiel heraus, wer bereits mit dem Fahrrad fährt – und wer das unter Umständen tun würde. Um Potenzial abschätzen zu können.“ Die Erhebung wurde zusammen mit dem Kreis durchgeführt – Vorteil für Siegen: mehr Daten und weniger Kosten.

Verkehrszählungen: Die finden ohnehin laufend statt. Steht das Konzept, wird die Datenbasis kontinuierlich aktualisiert. So lassen sich auch Erfolge der Verkehrspolitik nachvollziehen.

Die Funktionsweise

Im Grunde wird das Mobilitätskonzept ein Planungsprogramm sein, ein digitales Verzeichnis dessen, was die Infrastruktur heute leistet und was sie noch leisten kann: Was passiert, wenn noch mehr Verkehr auf die HTS verlagert wird? Welche Auswirkungen hat eine Baustelle auf eine bestimmte Nebenstraße? Die Verkehrsplaner haben am Rechner eine Karte Siegens mit den Verkehrsströmen vor sich, installieren eine virtuelle HTS-Baustelle oder eine verengte Koblenzer Straße – und das Programm zeigt an, wie und wohin sich der Verkehr verlagert. So oder so ähnlich.

Bislang mussten die Verkehrsplaner jedenfalls von Hand rechnen, gesamtstädtisch wurde in Sachen Verkehr in Siegen das letzte Mal in den 1990er Jahren gedacht.

Die Zukunft

An HTS und A45 stehen diverse Baustellen an – mit erheblichen Auswirkungen auf den innerstädtischen Verkehr, weil die Umleitungen auch durch Siegen führen werden. Die Uni kommt zunehmend in die Stadt – mit Auswirkungen auf fließenden und ruhenden Verkehr. Parken in Siegen ist ein Dauerthema. Die Befragung der Bürger ist abgeschlossen, so geht es weiter:

Fördermittel beantragen (März), dann die Leistung ausschreiben. Die Bewilligung kann bis zu sechs Monate dauern.

2019 Erarbeitung des Konzepts, Fertigstellung Ende des Jahres.

Prioritäten setzen, Maßnahmen einordnen.

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