Ehrung

VCD-Verkehrspreis 2017 für Bürgerbusse Siegen-Wittgenstein

Die Fahrer und Vereine waren mit den Bürgerbussen zum Lyz nach Siegen gekommen, um den VCD-Verkehrspreis entgegenzunehmen.

Die Fahrer und Vereine waren mit den Bürgerbussen zum Lyz nach Siegen gekommen, um den VCD-Verkehrspreis entgegenzunehmen.

Foto: Jürgen Schade

Siegen-Wittgenstein.   Großes Lob: Ohne das ehrenamtliche Engagement der Fahrerinnen und Fahrer ginge in Sachen Mobilität nichts mehr in ländlichen Gebieten.

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Der Verkehrsclub Deutschland (VCD), Kreisverband Siegen-Wittgenstein, hat im Lyz den Verkehrspreis 2017 an die zehn Bürgerbusvereine in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe verliehen. Nach der Gründung des ersten Vereins 1997 in Kreuztal folgten viele Ehrenamtliche dem Beispiel: Heute gibt es Bürgerbus-Angebote in Bad Laasphe, Neunkirchen Erndtebrück, Wenden, Hilchenbach, Burbach, Finnentrop, Netphen und Kirchhundem. „In vielen Wohngebieten, besonders abseits der Hauptverkehrsrouten, gab es oft keinen regelmäßigen Busverkehr“, so der stellvertretende VCD-Vorsitzende Günter Linde, Entfernungen zu Bushaltestellen seien oft sehr weit. „Die Angebotslücke schließen nun die Bürgerbus-Vereine.“

Das Angebot

Heute sind die Bürgerbusse mit ihren derzeit 180 aktiven, engagierten Fahrerinnen und Fahrern fester Bestandteil des Öffentlichen Nahverkehrs in den Randgebieten“, lobte Linde. Inzwischen seien fast 265 000 Stunden Fahrdienst geleistet, fast eine Million Fahrgäste befördert, 5,5 Millionen Kilometer zurückgelegt worden. „Neben der Beförderung der Fahrgäste ins Stadtzentrum, zum Arztbesuch, zu Kulturveranstaltungen oder auch nur zum Treffen mit Freunden im Café übernehmen die Fahrer oft auch kleine Aufgaben im persönlichen Bereich der Fahrgäste“, würdigte Linde. „Damit ist der Bürgerbus in gewisser Weise auch eine soziale Einrichtung.“

Die Grußworte

Andreas Müller, Landrat Siegen-Wittgenstein: „Sie haben die Auszeichnung mit dem VCD-Verkehrspreis wirklich verdient“, lobte Müller, der die Auszeichnung als tolles Signal an die Ehrenamtlichen lobte: „Die Bürgerbusse sind ein wichtiges Bindeglied zwischen dem Individualverkehr und unserem ÖPNV-Angebot. Man kann sie gar nicht mehr wegdenken.“ Denn sie führen Bereiche an, in denen nur wenige Fahrgäste ein- oder aussteigen. Das Modell Bürgerbus funktioniere nur, weil die ehrenamtlichen Fahrerinnen und Fahrer, sich regelmäßig hinters Steuer setzen. Ohne Bürgerbusse gäbe es große Mobilitätsprobleme – gerade für ältere Menschen.

„Die meisten Fahrgäste sind über 60 Jahre alt, 90 Prozent von ihnen sind Frauen. Sie sind auf den Bürgerbus angewiesen.“ Im Bürgerbus gehe es ruhig und entspannt zu. Ein Sitzplatz sei immer garantiert. Man kenne sich, gerade die soziale Komponente sei beim Bürgerbus unglaublich wichtig. „Der Fahrer hilft beim Ein- und Aussteigen oder trägt auch mal eine Einkaufstasche.“ Bürgerbusse schafften Unabhängigkeit und ermöglichten Teilhabe.

Frank Beckehoff, Landrat Olpe: Durch den Betrieb der Bürgerbusse erhielten die Bürger neue Möglichkeiten der Mobilität. Freunde und Nachbarn besuchen, Behördengänge, Einkäufe und Arztbesuche erledigen – das werde mit dem Bürgerbus möglich. Mit anderen Worten: „Die Bürgerbusse machen die Bürger mobil!“

Getragen werde diese Idee vom vorbildlichen ehrenamtlichen Engagement besonders der Fahrerinnen und Fahrer. Sie bewegten im wahrsten Sinne des Wortes, zeigten Engagement für den Menschen auf dem Land und für den öffentlichen Nahverkehr, übernähmen Verantwortung für das Gemeinwesen.

Die Fahrer

Der heute 84-jährige Albrecht Kramer war vor 20 Jahren der erste Bürgerbusfahrer im Kreis Siegen-Wittgenstein, er war sieben Jahre lang in Kreuztal unterwegs. Er fährt nicht mehr selbst, ist im Verein aktiv.

Ein Burbacher Fahrer erzählte, dass er eine ältere Dame zum Zahnarzt bringen wollte, als er gerade losfuhr, rief sie „Halt, ich habe mein Gebiss zuhause vergessen.“ Der Mann kehrte natürlich um.

VCD-Vorsitzender Achim Walder Achim Walder unterstützte die Gründung oder leitete Gründungsversammlungen in zahlreichen Städten über die Region hinaus. Er hielt Vorträge bei Projekten in Großbritannien und der Schweiz. In Kreuztal ist er seit 20 Jahren Vereinsvorsitzender.

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