Prozess

Unter Drogen am Steuer erwischt: Das erwartet den Fahrer

Vor dem Amtsgericht wird verhandelt.

Vor dem Amtsgericht wird verhandelt.

Foto: Hendrik Schulz

Kreuztal/Siegen.   Der Angeklagte ist zum sechsten Mal ohne Führerschein unterwegs. Fünf Meter werden ihm jetzt zum Verhängnis. Das Siegener Amtsgericht urteilt.

Als die Staatsanwältin vier Monate Freiheitsstrafe beantragt, bricht der Angeklagte S. in bittere Tränen aus. Dann kommt das magische Wort „Bewährung“, und der 42-jährige Mann beruhigt sich wieder etwas. Jedenfalls gehe ihm die Sache an die Substanz, unterstreicht Verteidiger Carsten Marx und erinnert daran, dass sein Mandant bereits ähnlich geweint habe, als er in der Tatnacht von der Polizei erwischt wurde.

Am 7. April 2018 stieg der Mann am frühen Morgen in das Auto seiner Frau, das vier oder fünf Kilometer entfernt „blöd gestanden“ habe, wie er den Vorgang begründet. S. hatte zu diesem Zeitpunkt keine Fahrerlaubnis und zudem noch einen gewissen Mix aus THC und Amphetaminen im Blut. War das schon eine dumme Entscheidung, wurde es für ihn unmittelbar nach dem Losfahren noch dümmer. „Vielleicht fünf Meter“ sei er gefahren, sagt der Angeklagte, habe den Wagen eigentlich nur an den Straßenrand auf eine Wiese bewegt, als er Scheinwerfer im Rückspiegel sah. Die Polizei.

Zum neunten mal vor Gericht

Die Erklärung, warum er und nicht seine Frau am Steuer saß, bleibt ein wenig vage. Die Frau sei mit den Hunden und der kleinen Tochter unterwegs gewesen, stellt S. zunächst fest. Später sagt er, sie sei im Bett gewesen, habe doch früh wieder raus gemusst.

Der Angeklagte stand seit 1995 bereits achtmal vor Gericht: Fünf Urteile hatten mit dem Fahren ohne Fahrerlaubnis zu tun, wobei auch Diebstähle, Unfallflucht und Körperverletzung im Register stehen. Die Drogen seien eine einmalige Sache gewesen, betont S., er habe nichts mit Drogen zu tun. Jedenfalls liege das lange zurück, schränkt er ein.

Der Mandant habe sich geändert, sei gefestigter, arbeite inzwischen und wolle auf Dauer auch endlich wieder einen Führerschein haben, wirbt Anwalt Marx für eine überschaubare Geldstrafe. Immerhin habe das Auto ja auch nicht auf der A 45 gestanden und die vom Gesetz vor allem geschützte Verkehrssicherheit sei in der Nacht auf einer Randstraße auch eher übersichtlich gewesen. Er sei jedenfalls sicher, dass S. garantiert nie wieder vor Gericht auftauche. Die Staatsanwältin bleibt dennoch bei ihrer Forderung nach einer viermonatigen Bewährungsstrafe und 300 Euro Geldbuße. Die wird vom Amtsrichter auf drei Monate reduziert. Dazu kommen zwölf weitere Monate Führerscheinsperre und die 300 Euro, für das Olper Kinderhospiz. „Für eine gute Sache zahlt man doch gern“, findet Stark. Der Angeklagte akzeptiert das Urteil sofort und bekundet noch einmal sein Bedauern. So etwas komme nie wieder vor.

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