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Wie funktioniert gute Lehre? - Didaktik an der Uni Siegen

Auch Lehrer Lämpel sieht sich im Zuge der Bologna-Prozesses einem Wandel gegenüber.

Foto: Hendrik Noack

Auch Lehrer Lämpel sieht sich im Zuge der Bologna-Prozesses einem Wandel gegenüber. Foto: Hendrik Noack

Weidenau.   Studierende der Uni Siegen und Dozenten sollen miteinander kommunizieren können, Lernen und Lehren muss Spaß machen.

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Jeder Studi kennt das: Profs, die das mit der Vorlesung wörtlich nehmen und 90 Minuten ihr Skript in einem einzig monotonen Ton referieren. Im Seminarkontext hört wiederum man von Kommilitonen mit unter Referate, die eher stockend vorgelesene Wikipedia-Beiträge sind. Das Leben an der Hochschule ist für beide Seiten schwer. „Wie funktioniert gute Lehre?“ Eine Frage, deren Antwort in der Hochschule ein eigenes Fach ist: die Didaktik.

Impulse und Denkanstöße für Diskussion

Eine Patentlösung für eine gute Lehre gibt es nicht. Eine Bestandsaufnahme von Lehre will und kann an dieser Stelle nicht geleistet werden, vielmehr sollen Impulse und Denkanstöße für eine Diskussion gegeben werden. Gute Lehre ist subjektiv.

So überschneiden sich verschiedene Ziele und Motivationen von Studierenden, die sich fragen: Will ich in einem medienwissenschaftlichen Seminar Kameraführung erlernen oder mich an Medientheorie abarbeiten? Lehre sollte praxisnah oder ihre Inhalte zumindest im (zukünftigen) Alltag anwendbar sein.

Leichter zu sagen ist, was gute Lehre bewirken soll: Sie soll Studenten hervorbringen, die eine Position begründet vertreten können und eine Meinung zum Weltgeschehen haben. Ein Seminar oder eine Vorlesung ist gleichzeitig ein geschützter Rahmen, in dem sich ein offener Dialog entwickeln kann. Das kann auch die Anonymität durchbrechen, die sich schnell im Unialltag einschleicht. Man ist schließlich mehr als eine beliebige Matrikelnummer.

Gedanken zur Situation der Lehre

  • Eine Verschulung von Universität geht mit dem Bologna-Prozess einher. Modulhandbücher, die vorgeben wann man wo welche Veranstaltung macht und wie lange man für diese braucht, kann Himmel und Hölle gleichzeitig für Studis sein. Entweder ist man froh über diese reglementierende Struktur oder man vermisst in ihr die Freiheit und Selbstbestimmung, die man sich vom Studium erhofft hat.

Julia Dammann vermisst die Autonomie in den Hochschulstrukturen. Für sie bedeutet die Bologna-Reform eine Selbstständigkeitseinbuße. Sie spricht von einem Diktat durch das Modulhandbuch, das in seinem Konzept überhaupt nicht schlüssig sei. Das sogenannte Studium Generale wurde eingeführt, um fachfremde Studiengänge kennenzulernen, um eben kein „Fachidiot“ zu werden. Sie studiert in der Philosophischen Fakultät Literatur, Kultur, Medien. Wählen kann sie allerdings nur BWL, Theologie und (Kunst-)Geschichte. Für andere Fächer bleibt ihr der Weg – besser gesagt: die Punkte – verwehrt.

  • Ideal sind Seminare, die ein Miteinander nicht nur unter Studis fördern: Natalija Ulrich studiert Literatur, Kultur, Medien im Bachelor und erzählt: „Mir sind die Sprachpraxiskurse besonders in Erinnerung geblieben. Als kleine Gruppe haben die Studierenden hier gemeinsam das „Freie Sprechen“ eingeübt. „Im Kurs haben wir uns kennengelernt und das nicht nur namentlich“, sagt Ulrich. „Im Kurs herrschte eine großartige Atmosphäre. Das hat uns allen in unserer persönlichen Weiterentwicklung geholfen.“

  • Anwesenheitspflicht ist ein leidiges und wieder aktuelles Thema. Einerseits gestaltet sich eine Lehre ohne Begegnungen schwer. Auf der anderen Seite schränkt Anwesenheitspflicht die Autonomie ein und passt auch nicht in die Lebensrealität von Studis. Bedingt dadurch, dass es kein elternunabhängiges BAföG gibt und der BAföG-Satz für viele auch nicht zum Leben reicht, müssen viele Studierende Nebenjobs annehmen.

Man stelle sich vor, man müsste jede Vorlesung besuchen und nebenher zwanzig Stunden die Woche morgens Zeitung austragen, abends Bier ausschenken und am nächsten Tag um acht Uhr im Audimax sitzen. Das fällt aus dem Rahmen des Möglichen.

  • Gute Lehre fängt also bei den Rahmenbedingungen an, sonst wird Bildung immer mehr zu einer reinen Ansammlung von Leistungspunkten. Und vielleicht braucht man dafür nicht immer hochgradig entwickelte didaktische Konzepte, sondern kann sich technologisch noch im Mittelalter befinden. Ein Seminar muss nicht immer mit Beamer, Präsentation und Co. aufwarten können – ein kontroverses Gespräch tut es auch.

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