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Eine Woche voller skurriler Herausforderungen

Die Redewendung "Mir liegt das Wort auf der Zunge" wurde hier für eine der Aufgaben im Rahmen von GISH bildlich dargestellt.

Die Redewendung "Mir liegt das Wort auf der Zunge" wurde hier für eine der Aufgaben im Rahmen von GISH bildlich dargestellt.

Foto: Anna Schüttler / WP Siegen

Siegen.  Im Rahmen der größten internationalen Schnitzeljagd (GISH) stellt sich Anna Schüttler den seltsamsten Aufgaben – einige davon sind wohltätig.

Heißkleber, Glitter, eine Menge gehorteter Müll und seltsame Termine, wie zum Beispiel „Unterwassergeburtstagsparty“, machen die wohl aufregendste Woche meines Jahres aus. Koffein fließt durch meine Adern, während ich Paintball-Hallen und Ballettschulen anrufe, um ein Video von einem Painballett-Kampf zu organisieren. „Kannst du die Schuhe aus Avocado-Leder machen?“, „Hat jemand ein Pinguinkostüm?“ und „Kennt jemand jemanden, der einen Kran besitzt?“, sind Fragen die durch meine Social-Media-Kanäle gehen und mittlerweile immer weniger Verblüffung auslösen, denn ich bin Teilnehmerin bei GISH, der größten internationalen Schnitzeljagd der Welt.

Der Anfang

Seit 2016 nehme ich jedes Jahr in einer Woche im Sommer an GISHWHES (kurz für: Greatest International Scavenger Hunt the World Has Ever Seen, seit 2018 umbenannt in „GISH“) teil. Damals war ich gerade ein Jahr an der Uni und habe noch keinen richtigen Anschluss gefunden. Damit die chronische Langeweile ein Ende nimmt und ich endlich mal was erlebe, habe ich mich kurzerhand entschlossen mich bei dieser, gerade in meiner Twitter-Blase, sehr lauten Schnitzeljagd anzumelden, die ein Schauspieler meiner Lieblingsserie Supernatural Misha Collins gegründet hat.

In meinem ersten Jahr war ich noch ziemlich orientierungslos und auch ein bisschen überfordert von der Organisation, was jedoch nicht heißt, dass es keine interessante Erfahrung war. Meine liebste Erinnerung an mein erstes Jahr ist die Aufgabe „Wir haben alle Fehler gemacht, die wir bedauern. Begrabe einen deiner Fehler und stelle einen Grabstein mit Gravur bereit“, für die ich einen Grabstein aus Styropor gebastelt und im Baumarkt mit einer Verkäuferin darüber diskutiert habe, welche Farbe wohl am besten wirken würde.

Der Ablauf

Das Prinzip von GISH ist recht einfach: Die Woche, in der die Schnitzeljagd stattfindet wird über die Webseite und Social-Media-Kanäle verbreitet. Man meldet sich an und sucht entweder ein Team, gründet eins oder wird einem zugewiesen.

Zu Beginn der GISH-Woche laden die Veranstalter eine Aufgabenliste mit ungefähr 200 Aufgaben hoch, von denen man so viele wie möglich in möglichst hoher Qualität erledigen sollte, um am Ende bei der Wertung durch die GISH-Jury möglichst viele Punkte zu bekommen und dem Hauptpreis (eine Reise mit dem ganzen Team an einen exotischen Ort) näher zu kommen. Die Aufgaben variieren dabei von wohltätig über kreativ hin zu verrückt.

Eine Woche Urlaub von der Normalität und rein in ein kreatives Chaos also. Nach meinem etwas planlosen ersten Jahr hatte ich Blut geleckt. Mit jedem kommenden Jahr will ich mehr schaffen und meine Komfortzone nimmt ungeahnte Größen an. Nicht umsonst heißt es, wenn es um GISH geht, immer wieder, dass Schamgefühle in dieser Woche keinen Platz finden.

Und so sind nach und nach immer mehr verrückte Bilder, Videos und Geschichten entstanden. Zum Beispiel bin ich bei über 30 Grad mit einem Melonenhut aus einer echten Melone über den Wochenmarkt geschlendert oder bei ebenso sommerlichen Temperaturen in Wintermontur auf einem Schlitten einen Hügel hinuntergerodelt. Der Preis ist es weniger, der mich lockt, es ist mehr die Herausforderung.

Die ernstere Seite

Doch neben verrückten Aufgaben, wie der Darstellung eines Renaissance-Gemäldes auf einer Pizza, ausschließlich aus Pizzabelag, hat GISH noch eine andere, ernstere Seite. Jedes Jahr werden die Einnahmen durch die Anmeldegebühren in einen wohltätigen Zweck investiert. Dieses Jahr wurde die Summe dafür eingesetzt, Kampfmittel, wie zum Beispiel Landminen, die seit dem Vietnamkrieg in Laos liege, zu entfernen.

Letztes Jahr wurde von dem Geld ein großes Stück Regenwald gekauft, um vom Aussterben bedrohte Tierarten zu schützen, davor wurde die Summe an überfüllte Tierheime gespendet. Zudem wird großer Wert darauf gelegt, die Aufgaben mit so wenig Müllproduktion wie möglich zu erfüllen.

Doch auch abgesehen von diesen Investitionen sind Wohltätigkeit und Nächstenliebe große Themen während GISH. Viele Items drehen sich darum, kranke, alte oder hilfsbedürftige Menschen zu unterstützen. Solidarität ist tief mit den Grundwerten des Wettbewerbs verbunden. Und auch Unbeteiligte, die wir um Unterstützung bitten, zeigen sich meistens hilfsbereit. So haben wir es in den letzten Jahren zum Beispiel schon geschafft. Bilder mit zwei Helikoptern zu machen. Die meisten Leute, die man anfragt, reagieren zwar erstmal verdutzt, zeigen sich dann aber auch sehr interessier.

Die Motivation

Man muss während GISH, gerade wenn man sich gegenüber anderen Teams behaupten will, seine Ressourcen gut einteilen, und eine der wichtigsten Ressourcen bleibt dabei Zeit. Wenig Schlaf zu bekommen ist in der GISH-Woche Standard, und wenn man dann seine wachen Stunden darauf verwendet, zum Beispiel eine Miniaturbüste der Queen aus Schokolade zu schnitzen und dieses Ding einfach dauernd auseinanderbröselt, kann das schon sehr frustrierend sein.

Aber Scheitern ist keine Schande, solange man sein Bestes gibt. Der ein oder andere hat durch die Schnitzeljagd auch schon ein neues Hobby oder gar eine Leidenschaft entdeckt. Trotz der großen Anstrengungen und des Aufwandes, der mit diesem Hobby einhergeht, kann ich mir nicht vorstellen, es freiwillig aufzugeben.

Durch GISH habe ich Bekannte in der ganzen Welt und wahre Freunde gefunden. Auch jetzt, nachdem die Schnitzeljagd für dieses Jahr vorbei ist, denke ich daran, denn es gilt, ein Fazit zu ziehen und unsere Strategie anzupassen, damit wir im nächsten Jahr noch mehr der wohltätigen, verrückten und kreativen Aufgaben schaffen können!

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