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Cosplay begeistert auch Siegener Studis

Vanessa Groß (links) und Kristin Scheller stellen auf der EpicCon 2019 die Figuren Veronica Lodge (Vanessa) Cheryl Blossom (Kristin) aus der Serie "Riverdale" dar.

Vanessa Groß (links) und Kristin Scheller stellen auf der EpicCon 2019 die Figuren Veronica Lodge (Vanessa) Cheryl Blossom (Kristin) aus der Serie "Riverdale" dar.

Foto: Kristin Scheller / WP Siegen

Cosplay ist die möglichst originalgetreue Nachahmung eines fiktiven Charakters – Kristin und ihre Freunde betreiben es als anspruchsvolles Hobby.

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In die Rüstung aus Worbla (eine spezielle Kunststoffart) geschlüpft, das selbstgenähte Kleid übergezogen, die stundenlang gestylte Perücke auf den Kopf gesetzt – die Cosplayer sind bereit für eine weitere Convention. Wir stapfen aus unseren Häusern –verwirrte Blicke, die Autos langsamer fahren lassen. Wir steigen in den Zug – Make Up verbessern, Sicherheitsnadeln, Kaffee. Wir betreten das Gelände, begrüßen unsere Freunde, „Oh mein Gott, ich liebe dein Cos!“

Die Convention

Meine Gruppe setzt sich Richtung Bring-and-Buy in Bewegung – die kleine Con „Chizuru“ findet einmal im Monat in Dortmund statt, wir haben unsere Routine. In der Ecke kreischen fünf Mädchen in „Life is strange“-Kostümen, in der nächsten verdrehen Naruto und Sasuke die Augen – Cosplayer gehen sich nicht selten auf die Nerven, aber wir sind dennoch gleichgesinnt. Von unschuldigen Powerpuff Girls bis hin zu Charakteren an der Leine rennt hier alles durch den Raum.

Unter Cosplayern zu sein hat seine eigene Atmosphäre – es ist zu viel los, aber doch harmonisch; manche sind schüchtern, andere rennen auf Fremde zu und umarmen sie; überall riecht es nach Schweiß und dieser einen Haarspray-Marke, die einfach jeder benutzt. Wer Nadel und Faden braucht, fragt den nächsten Fremden, Deo hat gewiss auch irgendjemand und alle teilen gern. Hagrid möchte ein Foto mit meiner Freundin Sailor Moon, Harley Quinn verteilt selbstgebackene Kekse.

Neben der Chizuru gibt es in Deutschland, und speziell in NRW diverser Conventions, bei denen Cosplayer zeigen, was sie können: Die „TropiCon“ findet im Sommer und Duisburg statt und verspricht Sommerfeeling durch umliegende Seen. Der jährlich in Düsseldorf stattfindende „Japan-Tag“ lockt regelmäßig mehr als eine halbe Million Besucher an und die „EpicCon“ in Münster richtet sich explizit an diejenigen, die die Kultur Japans mit ihrer Leidenschaft für Cosplay verbinden wollen.

Das Hobby

Als Studi hat das Hobby große Vor- und Nachteile: Ich bin immer flexibel, kann mich entscheiden, ob etwas zeitlich passt, und neben der ganzen Theorie im Studium habe ich etwas Praktisches zu tun. „Es ist eine Sache, das Kostüm zu tragen, aber eigentlich ist der Prozess des Bauens viel interessanter. Wie setze ich das um, was ich da so im Kopf hab? Wie bringe ich das in eine ästhetische Form? Und wenn man es dann fertig hat, ist das Tragen eher der Schaulauf“, erklärt Benjamin Klatt, der seit einigen Jahren Teil unseres Trupps ist.

Vanessa Groß, mein spaßig getaufter „Cosplay-Senpai“ (Senpai ist eine Anrede im Japanischen und bezeichnet eine Person, die länger in einer Organisation ist als man selbst), wirft ein: „Für viele Leute ist der Hauptbestandteil aber auch das Tragen. Es kommt immer auf die Person an, manche bestellen sich das Cos ja auch.“ Aber Cosplay ist gleichzeitig eine teure Angelegenheit. Stoffe und andere Materialien sind nicht für kleines Geld zu erstehen – ein Oberteil kostet schon einmal so viel wie ein Wocheneinkauf, von den Kosten für eine gute Nähmaschine einmal ganz zu schweigen. Obendrauf kommen Eintrittskarten. Und wer schon einmal auf einer Convention von unzähligen Verkaufsständen umgeben ist, der möchte meistens auch ein, zwei Dinge mit nach Hause nehmen. Abgesehen von der finanziellen Komponente passt es aber gut in den Alltag hinein und der Spaß überwiegt einfach.

Die Reaktionen

Von Bewunderung bis Beleidigung stoßen Cosplayer auf die unterschiedlichsten Reaktionen. Ich habe meine Gründe, dennoch hier zu sein: die Erinnerung an die Charaktere, die mich berührt haben, meine Freunde zu treffen oder der kleine Ego-Boost, wenn jemand mein Cosplay erkennt und anerkennt, wieviel Arbeit ich in mein Kostüm gesteckt habe.

Dass man auch kommt, um die Ergebnisse der anderen zu sehen, ergänzt Lorena Sträßer: „Die haben sich ja auch so viel Mühe gemacht!“ Auf meine Frage hin, warum sie so leidenschaftlich cosplayt, wie sie es tut, lacht Vanessa, denn sie muss an die Blasen an den Füßen, den Schienenersatzverkehr mitten in der Nacht und den Stress vor der Con denken, bei dem sie nicht selten ein halbes Outfit in der Nacht davor näht. Zwinkernd kommentiert sie: „Ich bin hier, weil ich so gerne leide.“

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