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4 Tipps für Siegener Studis gegen Herbst-Winter-Depressionen

Herbst- und Winterdepressionen sind auch für Studis eine Gefahr.

Herbst- und Winterdepressionen sind auch für Studis eine Gefahr.

Foto: VON STAEGMANN, Lutz / WAZ FotoPool

Weidenau.  In den dunklen Jahreszeiten entwickeln Studis häufig negative Gedanken. Im Notfall kann eine Therapie helfen.

Bunte Blätter fallen, die Nächte werden länger und die Natur stellt sich auf den Winter ein – der Oktober wird nicht umsonst als der „goldene Monat“ bezeichnet. Doch manchmal reicht der Anblick von welkenden rotorangegelben Blättern nicht aus und die Aussicht auf Kuschelwetter löst nicht bei allen Studis ein gutes Gefühl aus.

Besonders im Herbst und Winter, wenn sich die Sonne nur noch selten blicken lässt und weit weniger Kraft als noch vor einigen Monaten hat, kippt die Stimmung sehr schnell. Herbst- und Winterdepressionen können jeden treffen, auch Studis, und besonders im November und Dezember kann es sehr frustrierend sein, morgens im Dunklen zur ersten Vorlesung zu gehen und die Uni erst um 18 Uhr nach dem Sonnenuntergang zu verlassen. Schnell entwickeln sich Gedanken rund um die eigenen Leistungen, die vielleicht nicht so gut sind, wie gewünscht, oder die Angst vor der nächsten Miete hindert euch am Einschlafen. Was ihr dagegen tun könnt, erfahrt ihr in diesem Artikel.


1. Ablenkung suchen
Wenn ihr in einer WG oder noch zuhause wohnt, habt ihr schon die ideale Voraussetzung, euch von negativen Gedanken abzulenken: Gesellschaft! Oft hilft es, die Sorgen und Ängste einfach mit anderen zu teilen und sich bei der Familie oder Freunden Hilfe und Rat zu suchen. Manchmal reicht auch schon ein offenes Ohr. Wer allein wohnt, sollte auf ein gutes altes Telefonat zurückgreifen oder die beste Freundin zu sich einladen. Sobald die Probleme ausgesprochen sind, werdet ihr euch leichter fühlen und vielleicht sogar Unterstützung von eurem Papa, dem Mitbewohner oder der Partnerin bekommen – auch wenn es nur das Angebot ist, einmal euren Putzdienst zu übernehmen, damit ihr mehr Zeit fürs Lernen habt.

2. Auszeit nehmen
Es klingt erst wie ein Widerspruch – Zeit mit sich selbst verbringen, obwohl sich dann die Gedanken im Kreis drehen? Ja!
Anstatt das Bett nicht mehr zu verlassen und euch vor allen Verantwortungen zu drücken, solltet ihr euch eine Auszeit gönnen – nämlich von den negativen Gedanken. Dabei hilft beispielsweise ein Bad mit eurer Lieblingsmusik oder ein Kinobesuch ohne Begleitung. Es geht darum, sich bewusst zu machen, dass man auch allein sein kann, ohne gleich negative Gefühle und Gedanken zu empfinden.

3. Atmosphäre schaffen
Eure Tapete ist dunkelrot, die Bettwäsche schwarz und das Licht stammt nur von Kerzen? Dann ist es kein Wunder, dass euch regelmäßig düstere Emotionen packen, denn Licht wirkt, je nachdem, wie es eingesetzt wird, fast so effektiv wie Sonnenstrahlen auf die Stimmung. Es ist wesentlich schwieriger, sich in einem hellen Raum mit vielen Lichtquellen und freundlichen Farben schlecht zu fühlen. Ergänzend könnt ihr auch Duftkerzen oder Räucherstäbchen im Zimmer verteilen und anzünden, um eure Stimmung zu heben.


4. Alarmzeichen erkennen Trotz aller hier erklärten Tipps und Helferlein geht es euch immer noch nicht besser? Ihr fühlt euch hilflos oder sogar sinnlos und weder Gespräche noch Ablenkungen helfen euch weiter? Dann liegt der Niedergeschlagenheit sehr wahrscheinlich ein tieferes Problem zugrunde, das sich in der dunklen Jahreszeit besonders zeigt. Fühlt in euch hinein und fragt euch, wieso ihr traurig seid – geht es um ein temporäres Problem wie eine anstehende Hausarbeit oder zweifelt ihr am ganzen Studium, weil es euch nicht glücklich macht? Vielleicht haben eure Gefühle auch ganz andere Ursachen, die mit dem Studium gar nichts zu tun haben – das kann von tiefsitzenden Traumata bis hin zu nicht verarbeiteten Kindheitserlebnissen alles sein. In diesem Fall solltet ihr euch auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen und vom Hausarzt beispielsweise an einen Psychiater vermitteln lassen.

Auch Lina Oster, die eigentlich anders heißt, hat sich dafür entschieden, ihre Probleme auf diese Weise anzugehen. „Ich war im dritten Semester“, so die Lehramtsstudentin, „und total unglücklich. Eigentlich hat mir das Studium Spaß gemacht, aber ich konnte an manchen Tagen gar nicht mehr das Bett verlassen.“ Auch bei ihr haben die Depressionen im Winter begonnen, genauer gesagt im November, als die Vorlesungszeit schon zwei Monate dauerte. „Obwohl mir fast alle Vorlesungen und Seminare thematisch gefallen haben, bin ich irgendwann nicht mehr zur Uni gegangen“, sagt Lina und ergänzt: „Stattdessen habe ich zuhause im Bett gelegen und meinen Schreibtisch angestarrt.“

Da die 23-Jährige allein wohnt, gab es außerdem niemanden, der sie täglich motivieren oder unterstützen konnte, auch wenn sie glaubt, dass selbst das nicht geholfen hätte: „Meine Mutter hat mich jeden Tag angerufen und wollte mich motivieren, wenigstens duschen zu gehen, aber selbst das habe ich meistens nicht geschafft“, erzählt die Studentin. Nach fünf Wochen, in denen sie sehr unregelmäßig zur Uni ging, war es die E-Mail einer Dozentin, die sie wachrüttelte: „Sie schrieb mir, dass ich das dritte Mal in Folge gefehlt hätte und meine Leistungen nicht angerechnet werden würden – außer ich würde zusätzlich ein Essay als Ausgleich schreiben“, sagt Lina.

Das war der entscheidende Punkt, an dem sie merkte, dass ihr Verhalten nur zu noch mehr Stress führte und ihre Depressionen dadurch schlimmer wurden. Lina berichtet: „Am nächsten Tag habe ich mich dann aufgerafft und bin zu meinem Hausarzt gegangen, der mich nach einem sehr emotionalen Gespräch an einen Psychiater überwiesen hat.“ Und obwohl die Therapie erst im darauf folgenden Jahr beginnen konnte, fühlte Lina sich besser. „Allein der Gedanke, dass mir bald geholfen wird, war heilsam“, berichtet sie und fügt hinzu: „Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass ich eine Therapie angefangen habe, sonst wäre mein Studium vorbei gewesen.“ Inzwischen blickt Lina auch den dunklen Monaten optimistisch entgegen: „An manchen Tagen ist es immer noch schwierig, aber ich kann mit den Gedanken viel besser umgehen als noch vor einem Jahr.“
Wenn es euch ähnlich geht wie Lina, sucht euch Hilfe – damit ihr Herbst und Winter schnell wieder genießen könnt!

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