Gastro-Serie

Suppen sind das Superfood von Barbara McCoy

Gesund und bunt: Die Suppen und Eintöpfe von Barbara McCoy werden täglich frisch gekocht.

Gesund und bunt: Die Suppen und Eintöpfe von Barbara McCoy werden täglich frisch gekocht.

Foto: Barbara McCoY

Siegen.  In der SBar kocht Barbara McCoy täglich frische Suppen. In ihrem kleinen Restaurant in der Siegener Oberstadt ist die 65-Jährige Einzelkämpferin.

Ob Chiasamen, Quinoa oder Goji-Beeren: Sogenannte „Superfoods“ erobern seit Jahren den Lebensmittelmarkt. Sie sollen angeblich wahre Wunder für die Gesundheit vollbringen. In der Siegener Oberstadt bietet Barbara McCoy Essen an, das vielleicht nicht so en vogue klingt, aber wohl das ultimative Superfood ist: die Suppe. In der „SBar Suppenbar“ kocht die Gastronomin täglich frische Suppen und Eintöpfe, die die müden Lebensgeister wecken sollen. Und zudem so schmecken wie sonntags bei Oma.

Barbara McCoy ist eine echte Powerfrau. Die 65-Jährige steht von morgens bis abends in der Küche, kocht täglich wechselnde Suppengerichte, bewirtet ihre Gäste, schreibt Rechnungen und spült das Geschirr. McCoy ist eine Einzelkämpferin. Mitarbeiter hat sie nicht. „Ich komme gut alleine klar“, lacht sie. Sechs Tage die Woche arbeitet sie je zwölf Stunden in ihrer kleinen SBar. Krank gefeiert hat sie noch nie. Wie sie das schafft? „Ich weiß es selbst nicht. Vermutlich halten mich die Suppen fit“, schmunzelt McCoy. „Das Kochen ist meine große Leidenschaft. Wenn man so für etwas brennt, dann schafft man das auch.“

McCoy, die Tochter einer deutschen Mutter und eines englischen Vaters, kommt eigentlich aus Berlin. Ihren Bruder, ein Lehrer, hat es damals nach Siegen verschlagen, und als Barbara McCoy ihn besuchte, lernte sie die Region und ihre Menschen kennen. „Die Landschaft und die Leute haben mich total beeindruckt. Man kann sagen, dass das Siegerland mich geerdet hat“, sagt McCoy. Eigentlich ist sie gelernte Medizinisch Technische Angestellte (MTA), arbeitete in Berlin aber als Betreuerin in einer Filmschule für Kinder. Doch das erfüllte sie nicht.

Aus Berlin nach Siegen

McCoy kehrte der Hauptstadt 1999 den Rücken und eröffnete im Siegener Karstadt-Gebäude einen Baguette-Laden. „Im Jahr 2011 wurde dann in der Kohlbettstraße ein Lokal frei. Ich dachte mir, die Zeit ist reif. Jetzt eröffnest du deinen Suppenladen“, erinnert sich McCoy. Warum Suppen? „Das ist kindheitsgeprägt durch meine Tante, die damals die besten Suppen gemacht hat. Frisch, nicht zerkocht, farbig. Genau so mache ich es auch.“ Allerdings stieß McCoys Idee in ihrem Umfeld auf Kritik.

Die Oberstadt? Die ist doch tot.

Die Kohlbettstraße? Die erst recht.

Nur Suppen im Angebot? Das reicht niemals aus.

Keine Mitarbeiter? Schaffst du nicht.

Barbara McCoy ließ sich nicht beirren. Und sie bereut es trotz hoher Arbeitsbelastung nicht. Ihr kleines Restaurant ist stets gut gefüllt, selbst im Sommer kommen genug Gäste. „Die Leute wissen, dass sie eine gute Betreuung von mir bekommen. Ich kenne die Namen der Gäste und oft auch ihre Geschichte. Sie fühlen sich bei mir wie zu Hause.“

In der SBar gibt es täglich wechselnde Suppen und Eintöpfe. Dabei lässt Barbara McCoy ihrer Kreativität freien Lauf. Die Kräftige Hühnerbrühe (8 Euro) macht sie mit Ingwer, Orange, Limette, viel Gemüse und Hühnerfleisch. „Das ist die englische Variante. Die Hühnersuppe ist am beliebtesten“, erzählt McCoy. Im Paprika-Mais-Süppchen (7,50 Euro) werden Weißwein, spanische Räucherpaprika und Tortelloni mitgekocht. „In meinen Gerichten ist viel drin, es sind keine dünnen Süppchen.“ Auch Salate stehen bei Barbara McCoy auf der Tageskarte, zum Beispiel der bunte Salat mit Tomate, Gurke, Paprika, Avocado und Fetakäse (8 Euro). Nichts kommt bei ihr aus der Tüte, sagt die Gastronomin, alles sei frisch und hausgemacht.

Kein Fast Food

Auf Wunsch kocht Barbara McCoy aber auch andere Suppen. Das geht zwar nicht immer schnell, aber schließlich betreibe sie keinen Schnellimbiss. „Bei mir gibt es Slow Food. Meine Gäste sagen mir: Mach ruhig langsam“, sagt die Köchin. Und wenn 20 Menschen 20 verschiedene Suppen wollen? „Auch das kriege ich hin“, sagt McCoy und lacht. In vier Wochen wird sie 66. „Furchtbar. 66 klingt so nach Rente und grauen Haaren“, findet McCoy. Aber sie denkt nicht an den Ruhestand. Auch wenn sie sich eins vornehmen möchte: „Vielleicht arbeite ich nicht mehr ganz so viel, nehme mich mal etwas zurück“, überlegt Barbara McCoy. Auch eine Powerfrau darf das.

Service

Adresse: Kohlbettstrasse 20, 57072 Siegen; Kontakt:
0171/5357497, facebook.com/feinundheiss;

Öffnungszeiten: Mo. bis So. 11.30 – 18.30 Uhr, So. Ruhetag;

Sonstiges: Kinderfreundlich, Außenbereich (zehn Plätze), kostenloses WLAN.

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