Weltgeschichtentag

Südwestfalen Sagenhaft 2019: In die Märchenwelt eintauchen

Wiltrud Köser-Klöckner ist Mitglied des Siegener Erzählkreises Ohrenschmaus. Als ausgebildete Märchenerzählerin nimmt sie ihre Zuhörer mit auf eine ganz besondere Reise.

Wiltrud Köser-Klöckner ist Mitglied des Siegener Erzählkreises Ohrenschmaus. Als ausgebildete Märchenerzählerin nimmt sie ihre Zuhörer mit auf eine ganz besondere Reise.

Foto: Jana Wehmann

Siegen.   Wiltrud Köser-Klöckner stellt die Erzählgruppe „Ohrenschmaus“ vor. Sie gibt einen Ausblick auf die Aktionen zum Weltgeschichtentag 2019.

Wenn Wiltrud Köser-Klöckner ihre Glocke schwingt, wird es ruhig. Sie hält einen Moment inne, lässt den Ton durch den Raum fliegen. Kinder und auch Erwachsene sind gespannt. „Macht Euch auf in das Land eurer Fantasie. Jeder hat einen Ort für Märchen in sich“, sagt Wiltrud Köser-Klöckner und lässt die Märchenstunde beginnen. Zwischen ihr und den Teilnehmern entsteht ein besonderer Raum. „Man zieht die Zuhörer in seinen Bann“, erklärt sie ihre Arbeit.

Wiltrud Köser-Klöckner ist Mitglied des Siegener Erzählkreises „Ohrenschmaus“. Zum Internationalen Weltgeschichtentag am 20. März 2019 veranstaltet die Kulturregion Südwestfalen die Erzählreihe „Südwestfalen Sagenhaft“, an der die Gruppe teilnimmt.

Seit ihrem 23. Lebensjahr erzählt Wiltrud Köser-Klöckner Märchen. Wie das richtig geht, lernte sie an der Volkshochschule in Karlsruhe. Seitdem tritt die heute 61-Jährige regelmäßig in Schulen, Kinderkliniken und auf Hochzeiten auf. Als beim NRW-Tag im Jahr 2010 in Siegen ein Märchendorf errichtet wurde, war sie begeistert. Aus der Veranstaltung entwickelte sich eine private Gruppe.

Die Gruppe

Um Wiltrud Köser-Klöckner, Veronika Hellwig, Jutta Rittgen, Sonja Bäumer und Robert Nowak entstand 2012 der Erzählkreis Ohrenschmaus. Seitdem nehmen sie gemeinsam oder auch allein an Veranstaltungen teil. Jeder von ihnen hat sich spezialisiert: Wiltrud Köser-Klöckner ist für Märchen aus aller Welt für Kinder und Erwachsene zuständig. „Meine Lieblingsgeschichte ist ,die Zottelhaube’ aus Norwegen – oder auch Märchen der Gebrüder Grimm“, sagt die 61-Jährige. Veronika Hellwig ist die Expertin in Sachen Sagen und Geschichten aus dem Siegerland für Kinder und Senioren.

Jutta Rittgen ist als Sprachvermittlerin für Flüchtlinge tätig und bringt Märchen als kulturelle Brücke ein. Rotkäppchen sei in jeder Nation bekannt, so Köser-Klöckner. Sonja Bäumer ist Erzieherin, ihr Fachgebiet sind Märchen für Kinder. Robert Nowak legt den Schwerpunkt auf Menschen mit Demenz, oft begleitet er die Gruppe auch musikalisch.

Die Besonderheit

Einen wirklichen Unterschied zwischen Märchen und Geschichten gebe es kaum. Vielmehr liege er zwischen dem Erzählen und dem Vorlesen: „Der Erzähler hat die Geschichte wortwörtlich im Kopf oder kennt sie zumindest ungefähr“, erklärt Köser-Klöckner. Er ist also freier.

Zudem könne Köser-Klöckner auf ihr Publikum eingehen. „Ich sehe die Reaktionen der Leute. Durch meine Stimme kann ich zum Beispiel aus einem riesigen Räuber einen dummen Räuber machen“, sagt die 61-Jährige. Dank Betonung, Gestik, Mimik und Musik könne ein besonderer Raum zwischen Zuhörern und Erzähler geschaffen werden. „Es entsteht eine ganz besondere Wechselwirkung.“

Die Entwicklung

Dass es den Weltgeschichtentag gibt, das wisse nicht jeder, ist Köser-Klöckner sicher. „Durch das Fernsehen und das Handy sind mündliche Erzählungen in den vergangenen Jahren weltweit zurückgegangen“, sagt die 61-Jährige und ergänzt: „Allerdings merke ich, dass die Gesellschaft das Geschichtenerzählen langsam wieder mehr wertschätzt. Als ob es ein neuer Trend werden könnte.“ Deshalb findet die Aktion „Südwestfalen Sagenhaft“ über mehrere Monate statt. Jede Gruppe lege ihren eigenen Fokus. „Im August wird es noch eine besondere Aktionswoche geben, da findet dann jeden Tag etwas statt“, verrät Köser-Klöckner.

Die Themen der Märchen seien heute aktueller denn je. Unerfüllter Kinderwunsch, Generationenprobleme oder auch die Identitätsfindung werden oft behandelt. „In den 80er Jahren war der Struwwelpeter ein Tabu-Thema. Aufgrund der Moralkeule nannte man die Geschichte auch ,Schwarze Pädagogik’. Heute wird darüber offen gesprochen“, erklärt Köser-Klöckner.

Persönliche Probleme werden in Märchen durch die Bruder-Schwester-Konstellation aufgezeigt, erläutert die 61-Jährige: „Dabei geht es eigentlich um die zwei Seiten in einer Person.“ Wenn es um Helden in zunächst ausweglosen Situationen gehe, werden Prüfungssituationen dargestellt. „Märchen sind auf verschiedene Lebenssituationen übertragbar“, sagt Köser-Klöckner.

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